Studie warnt vor Wettlauf um Ackerland in Afrika

Schädlich ist, wenn Einheimische nicht am Entscheidungsprozess beteiligt werden

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ROM, 28. Mai 2009 (ZENIT.org/FIDES).- Es findet ein neuer Wettlauf um Afrika statt. Allerdings nicht mehr wie zur Zeit des Kolonialismus mit Truppen und Kolonialherren, sondern mit Investitionen zur Belegung des fruchtbarsten Ackerlands für die Produktion von Lebensmitteln als Exportware.

Es handelt sich um ein Phänomen mit positiven und negativen Aspekten, wie es in einem Bericht des Internationalen Instituts für Umwelt und Entwicklung heißt, der in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung und der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) erstellt wurde. Die Studie wurde in den folgenden Ländern durchgeführt: Äthiopien, Ghana, Mali, Kenia, Madagaskar, Mosambik, Sudan und Sambia.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, können durch den Kauf von afrikanischem Ackerland durch ausländischer Unternehmen zum einen Möglichkeiten in Form von Arbeitsplätzen, Infrastrukturen, Anstieg der Agrarproduktion entstehen, auf der anderen Seite aber auch „Schäden hervorgerufen werden, wenn die Einheimischen aus dem Entscheidungsprozess über die Verteilung des Landes ausgeschlossen werden und man ihre Landbesitzrechte nicht respektiert.“

Der Bericht betont auch, dass „verschiedene Länder keine angemessenen Mechanismen zum Schutz der Rechte der einheimischen Bauern besitzen und das Interesse und die Mittel der Subsitenzwirtschaft nicht garantieren können“.

Finanzstarke Nationen (insbesondere in Asien) haben bereits Projekte auf den Weg gebracht, die afrikanisches Ackerland nutzen, um Lebensmittel für die eigene Bevölkerung zu produzieren. Abgesehen davon investieren auch Investmentfonds aus arabischen Staaten und internationale Unternehmen in die afrikanische Landwirtschaft.

Diese ausländischen Investitionen haben bereit beachtliche politische Folgen für die afrikanischen Länder mit sich gebracht. Zu den Gründen der derzeitigen ernsten Krise in Madagaskar gehört zum Beispiel auch der Unmut der einheimischen Bevölkerung über eine Vereinbarung, die der des Amtes enthobene Präsident Marc Ravalomanana ausgehandelt hatte: Sie sieht unter anderem vor, dass weite Teile des fruchtbaren Ackerlands (1,3 Millionen Hektar, also rund die Hälfte des fruchtbaren Bodens im ganzen Land) für 99 Jahre an ein multinationales Unternehmen aus Korea verpachtet werden soll.

Auch wenn das besagte Unternehmen ankündigte, man werde 70.000 Arbeitsplätze schaffen und dem Staat für die ersten 25 Jahre Pacht sechs Milliarden Dollar zahlen, stießen die Vereinbarungen bei der Bevölkerung auf allgemeine Ablehnung. Der damalige Oppositionsführer Rajoelina (der heute die Übergangsregierung leitet) machte sich diesen Unmut zunutze und zwang Ravalomanana zum Rücktritt.