Sudan: Bischof Macram Max Gassis warnt vor weiterer Eskalation in Südkordofan

„Nach Dafur droht im Sudan ein neuerlicher Völkermord“

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KADUGLI, Freitag, 17.Juni 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). – Vor einem neuerlichen Völkermord hat der sudanesische Bischof Macram Max Gassis gewarnt. „ Hunderttausende sind inzwischen geflohen. Die Lage der Menschen in Südkordofan, insbesondere in der Hauptstadt Kadugli, ist äußerst prekär“, betonte Bischof Gassis bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ am 15. Juni 2011 in Königstein bei Frankfurt. Besonders betroffen seien die Nuba, Muslime und Christen, die vom Norden wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden. Die Region Südkordofan ist Teil des Bistums El Obeid, das überwiegend im Norden des Sudan liegt.

Hintergrund des neuerlichen Gewaltausbruchs: Anfang Juni 2011 hatte die Sudanesische Armee Kadugli angegriffen. Teile der Stadt wurden bombardiert. Ziel waren vor allem christliche Kirchen und Gemeindezentren. Ein protestantischer Pastor wurde getötet. Beobachter sprachen von einer gezielten Aktion und „ethnischen Säuberungen“. Offenkundig will Khartum Fakten schaffen. Der Gouverneur von Südkordofan, Ahmed Mohammad Haroun, wird vom Internationalen Strafgericht gesucht. Ihm werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur zur Last gelegt.

Südkordofan ist neben Abyei und Blue Nile eine von drei Grenzregionen, deren Status noch ungeklärt ist. Bei der Volksabstimmung im Januar hatte sich der Südsudan mit deutlicher Mehrheit für die Unabhängigkeit ausgesprochen, die am 9. Juli 2011 offiziell in Kraft tritt. Dem Süden zugehörig fühlt sich auch die Bevölkerung der Nuba-Berge in Südkordofan. Im Bürgerkrieg kämpften die Nuba auf Seiten der Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA), die die Region nach wie vor kontrolliert. Im Mai 2011 hatte die Sudanesische Armee Abyei erobert und die SPLA aufgefordert, ihre Einheiten aus Südkordofan und Blue Nile abzuziehen.

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“, das keinerlei staatliche Zuwendungen erhält, unterstützt Menschen, die sich im Dienst der Kirche für andere einsetzen. Ausschließlich aus Spenden werden jährlich mehrere tausend Projekte finanziert, die der Seelsorge dienen. Ein unverzichtbares Anliegen von „Kirche in Not“ ist der Einsatz für Religionsfreiheit. Seit der Gründung 1947 wird „Kirche in Not“ als Stimme für bedrängte und verfolgte Christen wahrgenommen. Alle zwei Jahre veröffentlicht das Hilfswerk eine Dokumentation zur „Religionsfreiheit weltweit“ sowie „Verfolgt und vergessen?“, einen Bericht über die Verfolgung von Christen weltweit.

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