Sudan: Christen nur Bürger zweiter Klasse

Pressemitteilung vom 11. Juli 2014

Rom - München, (ZENIT.orgKIN) | 275 klicks

Die Rechtslage von Christen im Sudan ist besorgniserregend. Das erklärte der Bischof der südsudanesischen Diözese Tambura-Yambio, Edward Hiiboro Kussala, bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks "Kirche in Not". "Im Sudan leben Bischöfe und Priester seit der Unabhängigkeit des Südsudans de facto wie Illegale", sagte der Bischof dem Hilfswerk. Zwar garantiere die Verfassung des Sudan allen Bürger unabhängig von ihrem Glauben die gleichen Rechte, die Realität sehe jedoch anders aus. "Wenn wir die Verantwortlichen damit konfrontieren, betonen sie, dass Christen die gleichen Rechte haben wie ihre Landsleute, doch rechtlich ändert sich nichts. Bischöfe und Priester erhalten keine Pässe, haben keinen rechtlichen Status. Sie können zwar das Land verlassen, aber die Wiedereinreise kann ihnen verweigert werden. Priester wurden bereits ausgewiesen; und die Bischöfe sind zum Schweigen verurteilt", beklagte Kussala.

Christen im Sudan könnten zwar unbehelligt an Gottesdiensten teilnehmen, echte Religions- und Gewissensfreiheit gebe es im Land aber nicht. Das zeige auch der beschämende Fall von Mariam Ibrahim, der im Gegensatz zu vielen anderen auch im Westen bekannt wurde. Die 27-jährige Sudanesin, Tochter eines Muslims und einer orthodoxen Christin, war im Mai verhaftet und wegen "Glaubensabfall" zunächst zum Tode verurteilt worden. "In ihrer Umgebung kannte man sie längst als Christin", erklärte Kussala. "Aus welchen Motiven auch immer wurde sie erpresst und dann angeklagt. Die Regierung hat sich zu diesem Fall nicht geäußert und ihn einfach ganz den islamischen Geistlichen überlassen." Der Vorwurf der Apostasie sei erhoben worden, weil der Vater von Mariam Ibrahim Muslim ist. Nachdem dieser die Familie verlassen hatte, hatte die Mutter die gemeinsame Tochter christlich erzogen. Erst auf internationalen Druck hin wurde Mariam Ibrahim im Juni schließlich freigelassen; ihr jüngstes Kind hatte die zweifache Mutter zuvor im Gefängnis zur Welt bringen müssen.

Nach den Worten von Bischof Kussala ist die Benachteiligung von Christen im Norden keine neue Entwicklung, in ihrer jetzigen Form aber eine Reaktion auf die Teilung des Landes vor drei Jahren. "Weil die Kirche die politisch Verantwortlichen immer dazu aufgerufen hat, die Würde der Menschen, ihre Freiheit und auch ihr Votum in der Frage der Unabhängigkeit des Südens zu achten, wird sie jetzt für die Abspaltung des Südens verantwortlich gemacht. Aber die Kirche verfolgt keine politischen Ziele. Wir fordern die Politik nur auf, die Glaubens- und Gewissenfreiheit zu achten", erklärte Kussala. Nach wie vor ist die katholische Kirche in einer gemeinsamen Bischofskonferenz auch über die neue Grenze hinweg verbunden. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist der interreligiöse Dialog.

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