Sudan: Ein Wunder und eine Herausforderung

Bischof mit „gemischten Gefühlen“ gegenüber der Staatsgründung

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Von John Pontifex

TOMBURA-YAMBIO, Montag, 11. Juli 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Als ein „Wunder“ bezeichnete ein südsudanesischer Bischof die Gründung des Südsudans als eigenständiges Land, warnte aber gleichzeitig vor den Herausforderungen, die auf das Land zukämen.

In einem Hirtenbrief, der zeitgleich mit der offiziellen Unabhängigkeitserklärung des Südsudans am vergangenen Samstag, dem 9. Juli, veröffentlich wurde, würdigte Bischof Eduardo Hiiboro Kussala die Leiden der Sudanesen vor allem während des 20 Jahre andauernden Bürgerkriegs.

Der Bischof von Tombura-Yambio im Süden des Landes, machte deutlich, dass die Selbstaufopferung der Menschen des neuen Staates nötig sei, um das Land aus der extremen Armut und der anhaltenden Gewalt herauszuführen.

In dem Hirtenbrief, von dem eine Kopie dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ zugesandt wurde, schreibt Bischof Hiiboro: „Der Tag der Unabhängigkeit der Menschen des Südsudans ist ein Wunder.“

Weiter heißt es: „Eine neue Hoffnung [ist] in der Geschichte unseres Landes geboren worden ... und wir sind in das Licht der Freiheit und der Achtung eingetreten; es ist die Chance für einen dauerhaften Frieden und Versöhnung in unserem neuen Land und mit unseren Nachbarn sowie der gesamten Welt.“

Gleichzeitig sprach Bischof Hiiboro von seinen „gemischten Gefühlen“ über die Trennung des Südsudans von dem von Khartum aus regierten Sudan und betonte, dass die Feierstimmung durch erneute Anstrengungen, die Konflikte sowohl innerhalb als auch nördlich des neuen Landes zu lösen, gemäßigt werden sollte.

Es bestehe eine zunehmende Angst vor einem erneuten Krieg nach den jüngsten Kämpfen in beiden Grenzregionen, im ölreichen Abyei und in Südkordofan, wo nach Berichten 170.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden seien.

Bischof Hiiboro wies auf die humanitären Auswirkungen des Konfliktes hin: „Die Herausforderung ist immens. Manchmal muss wirklich eine Entscheidung getroffen werden: Was muss ich aufgeben, damit dieser Mensch Essen, Kleidung, eine Unterkunft und so weiter bekommt?“

In einer gesonderten Nachricht erklärte Bischof Hiiboro, dass es angesichts der anhaltenden Konflikte, der Menschenrechtsverletzungen gegen (religiöse) Minderheiten im (Nord-) Sudan sowie der Armut von Tausenden in den Südsudan zurückkehrenden Flüchtlingen und Vertriebenen „keine Zeit zum Feiern“ gebe.

Bischof Hiiboro, der im Oktober 2010 Ehrengast der britischen Veranstaltungen von „Kirche in Not“ in London und Schottland gewesen war, schrieb an „Kirche in Not“: „Der neue Staat Südsudan ist in seinem Anfangsstadium nach wie vor in einem labilen Zustand, ohne zuverlässige und durchsichtige Behörden, und ist weit davon entfernt, gut regiert zu werden.“

Bischof Hiiboro wandte sich an Hilfsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und andere Organisationen mit der Bitte, dem Südsudan bei der Bewältigung der erdrückenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Probleme zu helfen sowie bei der Entwicklung des pastoralen Lebens und der Sendung der Kirche.

In seiner Nachricht an „Kirche in Not“ erklärte Bischof Hiiboro: „Wir von der katholischen Diözese Tombura-Yambio sehen uns gezwungen, unsere Partner zu ersuchen, gemeinsam diese Probleme anzugehen und sich um Strategien zu bemühen, mit denen die Kirche und ihre internationalen Partner die Gesellschaft als Ganzes erreichen können, um so gut wie möglich zu einer gerechten und vielversprechenden Entwicklung beizutragen.“

Sudan und Südsudan gehören zu den Schwerpunktländern der Hilfe von „Kirche in Not“.

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ermöglicht Tausenden von vertriebenen Kindern den Schulbesuch in und um Khartum herum, stellt Gehälter für Priester, finanziert Fahrzeuge und andere Transportmittel für Priester und Ordensleute, unterstützt Ordensschwestern, Katecheten und andere, die sich in der Ausbildung befinden, sowie den Bau von Kirchengebäuden.

Die Hilfe von „Kirche in Not“ war zunehmend während des Bürgerkriegs im Sudan von 1983 bis 2005 nötig, dem längsten Konflikt dieser Art in Afrika. Dabei starben an die drei Millionen Menschen, und weitere Millionen wurden vertrieben und oder flohen ins Ausland.

Ein Waffenstillstand und das darauf folgende Friedensabkommen im Januar 2005 führten zu einer Machtaufteilung zwischen dem Nord- und Südsudan.

In Wahlen und einem Referendum im Januar 2011 hatten die Südsudanesen mit überwältigender Mehrheit für die Trennung und damit die Entstehung des 54. afrikanischen Staates gestimmt.

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]