Sudanesischer Staatspräsident besuchte Papst Benedikt XVI.

Anzeichen der Hoffnung für Krisenregion Darfur

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ROM, 17. September 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt empfing am Samstagvormittag in Castel Gandolfo, der Sommerresidenz der Päpste, den sudanesischen Staatspräsidenten Umar Hasan Ahmad al-Baschir in Audienz. Im Anschluss an das Gespräch mit dem Heiligen Vater traf der Politiker auch mit Erzbischof Dominique Mamberti zusammen, dem Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten und bis zum vergangenen Jahr Apostolischer Nuntius in Khartum.



Im Mittelpunkt der Gespräche stand die politische und religiöse Situation im krisengeschüttelten nordostafrikanischen Land. Insbesondere die umfassenden Friedensvereinbarungen („Comprehensive Peace Agreement“) und die Situation in Darfur wurden angesprochen. Beide Seiten äußerten sich angesichts der Einberufung neuer Friedensverhandlungen für Darfur sehr positiv. Der Beginn der Gespräche ist für den 27. Oktober in Libyen festgesetzt. Der Heilige Stuhl brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass diese Verhandlungen erfolgreich sein mögen, damit den Leiden und der Unsicherheit der betroffenen Bevölkerungen ein Ende gesetzt werde sowie die humanitäre Hilfe gewährleistet und die Entwicklungsprojekte gestartet werden könnten.

Darüber hinaus ging es bei den Unterredungen um Themen gemeinsamen Interesses: um den Lebensschutz und die Verteidigung der Familie, die Achtung und Förderung der Menschenrechte beziehungsweise des fundamentalen Rechts auf Religionsfreiheit sowie um die Bedeutung des interreligiösen Dialogs und der Zusammenarbeit der Gläubigen aller Religionen, insbesondere der Christen und der Muslime, zur Förderung des Friedens und des Gemeinwohls.

In diesem Zusammenhang wurden die Rolle und der positive Beitrag der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen im Leben der sudanesischen Gesellschaft vor allem im Bereich des Erziehungswesens hervorgehoben.

Neue Hoffnungen auf Frieden in Darfur wurden auch durch die Gespräche des sudanesischen Präsidenten mit der italienischen Regierung geweckt. „Wir sind bereit, das unilaterale Waffenstillstandsabkommen von Anbeginn der Verhandlungen mit den Rebellen zu beobachten“, erklärte al-Baschir nach seinem Besuch in Italien und im Vatikan.

In der westsudanesischen Region Darfur leidet die Zivilbevölkerung unter den Gefechten zwischen Rebellenmilizen (die von der Luftwaffe und den Streitkräften des Staates unterstützt werden) und anderen Rebellengruppen. Die internationale Staatengemeinschaft versucht bereits seit geraumer Zeit, eine Lösung für diese Krise zu finden, die neben denen in Somalia und im Osten der Demokratischen Republik Kongo zu den drei schlimmsten Krisen in Afrika gehört.

Krisenregion Darfur – wie alles begann

Der Konflikt in Darfur begann offiziell am 26. Februar 2003, als die Regierung in Khartum bekannt gab, dass die Rebellen die Stadt Gulu im Norden der Region eingenommen hatten. Im März forderten zwei Rebellengruppen, die Bewegung für Justiz und Gleichberechtigung (JEM), und die Bewegung für die Befreiung des Sudan (SLM), die Aufteilung der Macht und der Reichtümer des Landes.

Der Konflikt hat seinen Ursprung in den oft gewaltsamen Streitigkeiten zwischen den Ureinwohnern der Region, das Volk der Fur (daher auch der Name Darfur, der soviel bedeutet wie: „Haus der Fur“), und den Nomaden arabischer Abstammung, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Region niedergelassen haben. „Immer wieder kam es zwischen den Bauern aus dem Volk der Fur und den ‚fremden‘ Hurten zu Streit um Wasser und das wenige fruchtbare Ackerland. Die Streitigkeiten wurden meist mit den traditionellen Methoden der Stammesgerichte gelöst“, so der seit langem im Sudan tätige Comboni-Missionar, P. Giovanni Battista Antonini, im Gespräch mit dem „Fidesdienst“. Die Auseinandersetzungen erhielten eine neue, politische Dimension, „als die Fur die Regierung beschuldigte, ihre Anliegen zu ignorieren und ihnen nicht ausreichende Mittel für die Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Es gibt weder Krankenhäuser noch Straßen. So entstanden auch die beiden Guerillabewegungen, die gegen die Regierung kämpfen“, erklärt der Missionar.

Daraufhin organisierte die Regierung die arabischen Hirten in einer Miliz, die heute als „Janjahweed“ bekannt und dazu bestimmt ist, gegen die Guerillakämpfer vorzugehen. Ziel der Angriffe sind Zivilisten, die man beschuldigt, mit den Rebellen zu sympathisieren. Ganze Dörfer sind bei diesen Angriffen zerstört, mehr als 200.000 Menschen getötet worden. Wer sich vor den Übergriffen retten konnte, lebt heute in Flüchtlingslagern in der Region (rund zwei Millionen Menschen) oder im Nachbarland Tschad (über 200.000 Menschen).

Der Sudan beschuldigte andere Länder, die Rebellen zu unterstützen, um das Land zu destabilisieren und sich der Bodenschätze der Region Darfur zu bemächtigen (es gibt in der Region noch unberührte Erdölvorkommen).

Im August 2004 wurden die ersten Einheiten der Afrikanischen Union (AMIS) mit insgesamt 7.000 Soldaten in Darfur stationiert. Sie erhielten den Auftrag, ein Gebiet zu kontrollieren, dass ungefähr so groß ist wie Frankreich. Dank internationaler Mittlertätigkeit konnte am 5. Mai 2006 ein Friedensabkommen wischen der sudanesischen Regierung und dem wichtigsten Flügel der SLM geschlossen werden. Eine kleiner Fraktion der Rebellenbewegung und die Rebellen der JEM wollten das Abkommen jedoch nicht unterzeichnen. Am 31. August 2006 beschlossen die Vereinten Nationen die Entsendung von 20.000 Soldaten, die die Mission der Afrikanischen Union in der Region ablösen sollte.

Khartum war mit dieser Entscheidung allerdings nicht einverstanden, wodurch es zu langwierigen Verhandlungen kam, die am 12. Juni 2007 zum Einverständnis der sudanesischen Regierung hinsichtlich der Stationierung einer gemischten Friedenstruppe führte, der Soldaten der Vereinten Nationen und Soldaten der Afrikanischen Union angehören.