Südsudan: Erklärung des Presseamts des Heiligen Stuhls zur Unabhängigkeit

Respektierung der Religionsfreiheit und friedlicher Dialog gefordert

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VATIKANSTADT, Montag, 11.Juli 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst). – Der Vatikan begrüße die um Mitternacht des 9. Juli  erklärte Unabhängigkeit des Südsudan und lade die internationale Staatengemeinschaft ein, sowohl den Sudan als auch den Südsudan zu unterstützen. Dies betonte Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi SJ im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung zur Entsendung einer Delegation, die im Namen von Papst Benedikt XVI. dem Land Frieden und Wohlstand wünschen sollte.

Er gab folgende Stellungnahme ab:

„Am morgigen 9. Juli wird in Juba die Unabhängigkeit der neuen Republik Südsudan proklamiert. Aus diesem feierlichen Anlass entsandte der Heilige Vater eine offizielle Delegation unter Leitung des Erzbischofs von Nairobi und Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Kenia, Kardinal John Njue, der auch der Apostolische Nuntius im Sudan, Eruzbischof Leo Boccardi, und der Sekretär der Apostolischen Nuntiatur, Prälat Javier Herrera Corona angehören, die den Behörden des neuen Staates und seinen Bürgern, von denen viele Katholiken sind, die besten Friedens- und Glückwünsche übermitteln sollen.

Wie der Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten, Erzbischof Dominique Mamberti, beim Empfang einer parlamentarischen Delegation des Sudan unter Leitung von Ahmend Ibrahim Elthair, dem Vorsitzenden der Sudanesischen Nationalversammlung, wünschte, bilden Frieden, Aussöhnung und der Respekt vor den Rechten aller, insbesondere der Respektierung Religionsfreiheit, die Grundpfeiler, auf denen eine neue soziale und politische Ordnung in der Region und Bedingungen für eine hoffnungsvolle Zukunft entstehen können.

Der Heilige Stuhl, der seit 1972 stabile diplomatische Beziehungen zu den Behörden in Khartum unterhält und mit angemessener Sorgfalt eine eventuelle Anfrage von Seiten der Regierung des Südsudan prüfen wird, fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, den Sudan und den neuen unabhängigen Staat zu unterstützen, damit ein offener, friedlicher und konstruktiver Dialog zu gerechten Lösungen bei den noch ungelösten Fragen führen kann und wünscht dem neuen Völkern einen Weg des Friedens der Freiheit und der Entwicklung.“

Dies betonte Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung zur Entsendung einer Delegation, die im Namen von Papst Benedikt XVI. dem Land Frieden und Wohlstand wünschen sollte. Angeführt wurde die Delegation von Kardinal John Njue von Nairobi. Begleitet wurde Njue unter anderen vom Apostolischen Nuntius im Sudan, Erzbischof Leo Boccardi.

Ziel müsse sein, in einem ehrlichen, friedlichen und konstruktiven Dialog gerechte Lösungen zu finden, so Lombardi. Eckpfeiler der neuen sozialen und politischen Ordnung in der Region müssten Frieden, Versöhnung sowie die Achtung der Menschenrechte aller Bürger sein. Das gelte insbesondere für die Religionsfreiheit.

Zugleich erinnerte Lombardi laut "Radio Vatikan" an den Besuch Papst Johannes Pauls II. 1993 in Khartum. Damals hatte der Papst erklärt: "Die Sudanesen sind frei in ihren Entscheidungen: Sie können die richtige konstitutionelle Form finden, um ihre Widersprüche und Kämpfe im Respekt vor den Eigenheiten ihrer einzelnen Gruppen beizulegen."

18 Jahre und unzählige Opfer des Konflikts zwischen Norden und Süden später bestehe nun die berechtigte Hoffnung, "dass der Krieg wirklich vorüber ist und das die neue Republik Südsudan, für die die erdrückende Mehrheit ihrer Einwohner votiert hat, in Frieden eine neue Geschichte beginnen kann", so Lombardi.

Bewegte Reaktionen katholischer Bischöfe

Begrüßte wurde die Unabhängigkeit indes auch vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). ÖRK-Generalsekretär Olav Tveit gratulierte den Südsudanesen und sicherte die Solidarität des Weltkirchenrats zu. Er versprach "unsere Gebete und guten Wünsche für die glänzende und friedliche Zukunft" des Landes.

Wie "Radio Vatikan" weiters berichtet, reagierten zahlreiche anwesende Bischöfe sehr bewegt auf die Unabhängigkeitserklärung. "Gott ist wirklich groß, wenn er erlaubt, dass wir die Unabhängigkeit unseres Landes noch erleben dürfen", zitierte der päpstliche Sender etwa Bischof Rudolph Deng von Wau im Südsudan. Die Bevölkerung habe einen langen Weg zurückgelegt und viel durchlitten. Die Kirche im neuen Staat brauche jetzt dringend Priester, Ordensleute und gut ausgebildete Laien, um kirchliche Strukturen, Schulen und Krankenstationen aufzubauen, so Deng. Mehr als zwanzig Jahre Bürgerkrieg hätten in vielen Bereichen "Chaos zurückgelassen". Benötigt werde nun "so gut wie alles."

Ähnliche Worte kamen auch vom südsudanesischen Bischof von Tambura-Yambio, Eduardo Hiiboro Kussala: Die Unabhängigkeit sei "ein Wunder". Nun biete sich endlich eine "Gelegenheit auf dauerhaften Frieden und Versöhnung". Dennoch dürfe man die kommenden Aufgaben nicht unterschätzen: "Worauf sollte ich heute verzichten, damit diese Person dort etwas zu essen bekommt, etwas zum Anziehen und ein Dach über dem Kopf?" Angesichts der Armut und der fortdauernden kriegerischen Auseinandersetzungen gebe es eigentlich "gar keine Zeit zum Feiern".

An den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten nahm neben UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und Ehrengästen aus aller Welt auch der sudanesische Staatschef Omar Hassan al-Bashir teil, gegen den der Internationale Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur einen Haftbefehl erlassen hat. Der Nordsudan hatte die Unabhängigkeit des Südens am Freitag offiziell anerkannt.