Südsudan: Malakal, mit 250.000 Einwohnern, menschenleer nach den Übergriffen der Rebellen

Missionsschwester berichtet aus der Hauptstadt des ölreichen Staates "Upper Nile"

Rom, (Fides) | 206 klicks

„Malakal, eine Stadt mit rund 250.000 Einwohnern, ist heute menschenleer. Auch wenn wir dort sicher wären, wird unsere Präsenz dort nicht mehr gebraucht, denn es gibt niemanden mehr, dem wir helfen können“, so Schwester Elena Balatti von den Comboni-Missionsschwestern, die erst seit kurzem in Malakal, der Hauptstadt des ölreichen Staates Upper Nile, angekommen ist, wo sich Regierungssoldaten und Rebellen des ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar bekämpfen. „Die einzigen, die noch hier sind, sind die wenigen verbliebenen Rebellen“, so Schwester Elena weiter, die betont: „Malakal wurde von den Rebellen unter Riek Machar insgesamt dreimal überfallen: an Weihnachten, am 14. Januar und am 18. Februar. Nach jedem Angriff haben noch mehr Einwohner die Stadt verlassen. Viele haben in den umliegenden Dörfern Zuflucht gesucht, anderen sind in den Norden des Staates oder in den Sudan geflohen. Eine beschränkte Anzahl von Flüchtlingen konnte in der Hauptstadt Juba unterkommen, die nur mit dem Flugzeug erreichbar ist. Rund 20.000 Flüchtlinge wurden in einem Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen in der Nähe der Stadt untergebracht.“

Die Missionarin beschreibt ein trauriges Bild: „Die Stadt ist vollkommen verwüstet. Ich erinnere mich noch gut an den weihnachtlich geschmückten Markt vor dem Angriff am 24. Dezember. Heute gibt es diesen Markt nicht mehr. Alle Einrichtungen der Regierung wurden geplündert und in Brand gesteckt“.

Schwester Elena berichtet auch von Verbrechen der Rebellen gegen Zivilisten: „Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet, insbesondere nach den letzten Angriffen. Bevor ich das Flugzeug nach Juba bestieg habe ich ein 12-jähriges Mädchen in ein Krankenhaus des Roten Kreuzes gebracht, das zusammen mit neun anderen Mädchen in der Christkönigskirche vergewaltigt worden war. Augenzeugen berichten, dass die Menschen, die in der Kirche Zuflucht gesucht hatten, am Abend des 25. Februar von Rebellen mehrmals überfallen worden waren. Dabei wurden auch die neun Mädchen verschleppt“.

„Nach dem letzten Angriff“, so die Ordensschwester weiter, „haben die wenigen Menschen, die noch hier waren, in den Kirchen Zuflucht gesucht, die bei den früheren Überfällen verschont geblieben waren. Doch zuletzt überfielen die Rebellen auch Kultstätten. Insbesondere die Kämpfer der so genannten ‚White Army‘ drangen in Kirchen, Krankenhäuser und Waisenheime ein, weil dies die einzigen Einrichtungen waren, in denen es noch etwas zu plündern gab und wo noch Menschen waren, an denen man Rache üben konnte. In den Kirchen wurden zum Teil auch Menschen ermordet“.

Schwester Elena erklärt, wie es dazu kam, dass auch die Schwestern die Stadt verließen: „Wir waren die letzten drei Comboni-Schwestern, die noch vor Ort waren. Nachdem unser Haus geplündert wurde, hatten wir keine Wohnung mehr. Wir blieben zusammen mit den einheimischen Priestern in der Stadt, so lange dort noch Menschen waren. Doch nun, da alle die Stadt verlassen haben, haben auch wir uns zum Gehen entschlossen und haben Malakal mit der letzten Flüchtlingsgruppe verlassen, weil es keinen Grund mehr gibt, noch länger in einer menschenleeren Stadt bleiben“.

Trotz des in Addis Abeba vereinbarten Waffenstillstands werden die Gefechte fortgesetzt. „Die Rebellen wollen die Erdölförderanlagen in Upper Nile einnehmen, weil dies die einzigen sind, die noch in vollem Umfang funktionieren. Wir beten für Vereinbarungen, die die Gefechte beenden, als ersten Schritt auf dem Weg zum Frieden“, so die Missionarin abschließend. (L.M.)

(Quelle: Fides 3/3/2014)