Syrien: Jesuitenpater Van der Lugt ermordet

Der seit 1966 in Syrien lebende niederländische Ordensmann hatte sich für die Rechte der christlichen und muslimischen Bevölkerung eingesetzt

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 396 klicks

Trotz der brutalen Belagerung war er als einziger Europäer in der syrischen Stadt Homs geblieben und hatte als einer der wenigen den Glauben an den Frieden im Land nicht verloren und dies offen zum Ausdruck gebracht. Er war ein Zeichen der Hoffnung für das gesamte vom Krieg und von der Gewalt gepeinigte Volk.    

Nun ist sein Licht jedoch erloschen. Wie aus einem Kommuniqué der Provinzialkurie der Jesuiten für den Nahen Osten und Maghreb hervorgeht, setzten die Schüsse bewaffneter Männer dem Leben des niederländischen Jesuiten Pater Franz Van der Lugt ein jähes Ende. Demnach sei der Priester von diesen Männern entführt, geschlagen und dann vor der Jesuitenresidenz in Homs mit Schüssen in den Kopf exekutiert worden. Der Ort des Verbrechens befand sich in dem von den Rebellen und vom syrischen Heer kontrollierten Gebiet.

Pére Franz, wie er von den Syrern genannt wurde, war 75, wirkte als Psychotherapeut und hatte im Laufe der Jahre Kindern und Erwachsenen mit psychischen Problemen große Unterstützung zukommen lassen. Nach einem zweijährigen Arabischstudium im Libanon kam er 1966 nach Syrien, wo er aufgrund seiner Tätigkeit einen hohen Bekanntheitsgrad und große Beliebtheit erlangte. 

Besonders positives internationales Echo löste er mit seiner Weigerung aus, im Zuge der Evakuierung von etwa 1400 Menschen aus der belagerten Stadt Homs eine der gefährdetsten Gegenden der Stadt zu verlassen, um seiner Herde nahe zu bleiben. Vielmehr schloss er sich gemeinsam mit 80 weiteren Personen, einer christlichen Familie und einigen muslimischen Familien, in der Jesuitenschule in Bustan Al Diwan ein und teilte mit ihnen die wenigen im Land verbliebenen Nahrungsmittel und das wenige Wasser.

In den vergangenen Monaten hatte er die wegen der Bombenangriffe, der Unsicherheit und des Mangels an Medikamenten zunehmend schwierige Lage der Bevölkerung in Homs öffentlich kritisiert. Ebenso bedauerte er den Umstand, dass sich die örtliche christliche Gemeinde aufgrund des Leidens von 60.000 auf nur 66 Mitglieder verkleinert hatte.

Am vergangenen 30. Januar veröffentlichte ZENIT den folgenden von dem Jesuiten stammenden lautstarken Aufruf an die internationale Gemeinschaft: „Muslime und Christen machen schwere Zeiten durch. Wir leiden vor allem an Hunger. Ich akzeptiere nicht, dass wir vor Hunger sterben, im Meer des Hungers ertrinken, und dass die Welle des Todes uns erfasst. Wir lieben das Leben. Wir wollen leben.“ Durch einen Pistolenschuss wurde dieser engagierte Geistliche jedoch aus dem Leben gerissen. Ganz Syrien ist von tiefer Trauer über seinen Tod erfüllt. Man spricht von vorsätzlichem Mord. Die Motive des Hinterhaltes sind unklar. Laut von Asianews verfügbaren Quellen bemühte sich der Priester um Vermittlung zwischen den Rebellen und dem Heer zugunsten der Rettung der Bevölkerung von Homs.

Der von Radio Vatikan telefonisch verständigte Mitbruder Pater Ziad Hillal erinnert sich folgendermaßen an den verstorbenen Jesuiten: „Er war ein guter Hirte, ein Beispiel für uns alle“. Der Geistliche bestätigt den Garten des Klosters als den Ort des Verbrechens und führt aus: „Es ist eine Tragödie! Der Mord an einem Mann des Friedens wie Pater Franz, der niemanden weder verbal noch in irgendeiner anderen Form jemals angegriffen hat, erschüttert mich zutiefst: Er hat stets vom Frieden und von der Versöhnung gesprochen und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Syrien und die Syrer niemals aufgegeben. Ihn auf diese Weise ermordet vorzufinden ist unerträglich!“.

Pater Hillal zufolge habe Pater Franz seinen Nächsten stets nahe sein wollen. Es war sein Wunsch, wie ein guter Hirte bei seinen Schafen zu bleiben. Er hat sein Leben nicht nur für die dort lebenden Christen, sondern auch für die Muslime und für alle Syrer hingegeben. Seit etwa zwei Jahren lebte er in der belagerten Stadt Homs und hat nicht ein einziges Mal über negative Dinge gesprochen. Er erschien stets mit einem Lächeln und erkundigte sich nach unserem Befinden.“ Pater Hillal bezeichnet den Tod von Pater Van der Lugt als den Verlust „eines großen Beispiels für mich, für die Jesuiten hier in Syrien und für alle Syrer, die sich den Sieg des Friedens in diesem Land wünschen.“

Betroffen zeigte sich auch der Leiter des Vatikanischen Pressesaals Pater Federico Lombardi. Dieser verlieh seiner Anteilnahme an dem Tod des Mitbruders  gegenüber den Journalisten folgendermaßen Ausdruck: „Ein Mann des Friedens ist von uns gegangen, der dem syrischen Volk, dem er viele Jahre lang sein Leben und seinen Dienst gewidmet hatte, in einer äußerst schwierigen Lage mit großem Mut die Treue halten wollte. „Wo ein Volk stirbt, sterben auch die treuen Hirten“, so Lombardi. Er ergänzte: „In diesem Augenblick großen Schmerzes bekunden wir im Gebet unsere Anteilnahme, aber auch unsere Dankbarkeit und unseren Stolz über einen Mitbruder, der den am meisten Leidenden im Zeugnis der Liebe Jesu bis zum Ende so nahe war“.

Mit „Fassungslosigkeit und Trauer“ reagieren hingegen die niederländischen Bischöfe auf die Nachricht von der Ermordung des Jesuitenpaters Van der Lugt. In einem vor kurzem von Utrecht ausgesandten Pressekommuniqué drückt die Bischofskonferenz des Landes ihre unendliche Trauer über die von dem niederländischen Jesuitenorden verbreitete Mitteilung vom „entsetzlichen Tod“ des Priesters aus. Die Bischöfe bekunden ihr Mitgefühl und versichern das Volk, das Pater Van der Lugt verloren hat, ihrer Gebete „für sie und für ganz Syrien, damit das Land bald den Frieden finden möge.“