Syrien muss den Aufstand niederschlagen

Bischof verteidigt Assads Antwort auf die Revolte

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Von John Pontifex

DAMASKUS, Mittwoch, 15. Juni 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Die syrische Regierung müsse den Aufstand abwehren - und sie verfüge bei der Niederschlagung der Kräfte, die nur „Destabilisierung und Islamisierung“ suchen würden, über den Rückhalt der Bürger – so die Aussagen eines der angesehensten katholischen Bischöfe im Land.

Bei einer scharfen Verteidigung der Reaktion des Präsidenten Bashar al-Assads auf die Proteste und die Instabilität beschuldigte Bischof Antoine Audo die Medien, darunter die BBC und Al Jazeera, einer „unobjektiven“ Berichterstattung, welche zu Unrecht die syrische Regierung kritisiere.

Der Jesuit und chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo warnte davor, dass der Sturz der Regierung Assads zu einer weit verbreiteten Instabilität, zu einem Zusammenbruch der Grundversorgung wie etwa der Stromversorgung sowie zu einer zunehmenden Verarmung und Islamisierung führen würde.

In einem Interview mit Kirche in Not sagte Bischof Audo in Aleppo: „Die Fanatiker sprechen von Freiheit und Demokratie für Syrien, das ist aber nicht ihr Ziel.“

„Sie wollen die arabischen Länder aufteilen, kontrollieren, Benzin in Beschlag nehmen und Waffen verkaufen. Sie trachten nach Destabilisierung und Islamisierung.“  

„Syrien muss und wird Widerstand leisten. 80 Prozent der Bürger sowie alle Christen stehen hinter der Regierung.“

Bischof Audo wies darauf hin, dass Syrien mit der Verdrängung von Präsident Assad die gleichen Probleme erleiden würde wie der Irak nach Saddam Hussein, nämlich einen weitreichenden Zusammenbruch von Recht und Ordnung.

„Wir wollen nicht wie der Irak werden. Wir wollen keine Unsicherheit und Islamisierung und auch nicht die Gefahr der Machtübernahme durch Islamisten.“

„Syrien hat eine säkulare Ausrichtung. Es herrscht Freiheit. Wir haben viele positive Dinge in unserem Land.“

Der Bischof sagte dies nach der Berichterstattung vom Montag, dem 13. Juni, über die Errichtung eines dritten Flüchtlingslagers an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien, nachdem es noch keine Anzeichen für ein Ende der Gewalt und der Instabilität, die bereits auf Ende Januar zurückgehen, geben solle.

Die syrische Regierung wurde für seine extreme, militärische Reaktion auf den Aufstand stark kritisiert, bei der den Berichten zufolge hunderte von Demonstranten von Sicherheitskräften getötet und verletzt worden seien.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon brandmarkte die bewaffneten Vergeltungsmaßnahmen Syriens gegen die Demonstranten als „inakzeptabel“.

Der Bischof betonte jedoch in seiner Stellungnahme, dass bei dem Ausmaß der Gewalt gegen Assads Regime, bei der mehr als 100 Polizisten innerhalb weniger Tage getötet worden seien, die Regierung das Recht habe, sich selbst zu verteidigen.

Er erläuterte: „In einigen Medienorganisationen, wie der BBC und Al Jazeera, gibt es die Ausrichtung, das Gesicht Syriens dadurch zu verzerren, dass behauptet wird, die Regierung missachte die Menschenrechte und so weiter.“

„Die Regierung achtet Menschen, die Recht und Ordnung respektieren. Syrien hat viele Feinde, und die Regierung muss das Land und sich selbst verteidigen“.

„Gegen Syrien herrscht ein Medienkrieg. Die mediale Berichterstattung ist unsachlich. Wir müssen als Syrer und Chaldäer die Wahrheit verteidigen“.

Der Bischof bekräftigte, dass die Gewalt sich auf die Grenzgebiete, besonders auf den Norden mit Blick auf die Türkei zentriert habe, und dass die meisten Menschen in der Region Aleppo relativ ruhig leben konnten.

Er warnte jedoch vor einer zunehmenden Verarmung, Transport- und anderen Kommunikationsproblemen und wachsender Arbeitslosigkeit:

„Das Leben in Aleppo ist generell gesehen ziemlich normal. Alles geht so weiter wie bisher, außer dass es weniger Arbeit gibt und die Verkehrsverbindungen schlecht sind.“

Hinsichtlich der 1,5 Millionen Christen im Land äußerte er: „Unsere Situation als gläubige Christen ist nicht wirklich anders als die der anderen Gemeinden. Wir wollen Frieden und Sicherheit.“

„Wir wollen keinen Krieg und keine Gewalt und hoffen sehr, dass sich die Situation in den nächsten Wochen verbessern wird.“

Als katholische Hilfsorganisation für Verfolgte und andere notleidende Christen arbeitete Kirche in Not mit Bischof Audo eng zusammen und leistete Tausenden von Christen, die aus dem Irak nach Syrien geflüchtet waren, langjährige Soforthilfe.

[Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]