Syrien: Schändung religiöser Symbole des Christentums, Übergriffe auf Privateigentum und Plünderungen, willkürliche Verhaftungen

Kein Unterschied zu Assad-Regime

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ROM, 10. Dezember 2012 (ZENIT.org). – Noch nie da gewesener, in Syrien bisher niemals vorgekommener Terror: Grenzkontrollen werden eingerichtet, Busse werden angehalten und die christlichen Passagiere beschimpft und verhöhnt. Im Al-Jazeere-Gebiet kommt es seit der Besetzung der Stadt Ras Al-Ain durch Angehörige der „Freien Armee“ zur Schändung religiöser Symbole des Christentums wie Kreuzen, Ikonen und Heiligenbildern, zu Übergriffen auf Privateigentum und Plünderungen in leer stehenden Häusern. Gestürmt wurden die Syrisch-Orthodoxe Kirche sowie das Schulgebäude der Stadt. Dazu gab die Assyrische Demokratische Organisation (ADO) folgendes Statement ab:

Verehrter Vorsitzender, verehrte Vorstandsmitglieder der nationalen Koalition der revolutionären Kräfte und syrischen Opposition,

mit unserer entgegengebrachten Wertschätzung und Respekt, möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die abnormalen und verwerflichen Praktiken und Verhaltensweisen lenken, die vor zwei Tagen von einigen Angehörigen der Freien Armee, die zu den bewaffneten Bataillonen gehören, welche die Stadt Ras Al-Ain besetzt haben, sowie an einigen Grenzkontrollpunkte auf dem Weg zwischen Tel- Tammer und Al-Raqqa verübt worden sind. Diese Ereignisse haben unter vielen Einwohnern des syrischen Al-Jazeere-Gebiets Wut und Ärger hervorgerufen. Zu diesen Vorkommnissen gehören Übergriffe auf Privateigentum, Plünderungen in leer stehenden Häusern, die Erstürmung der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Ras al-Ain und Schändung religiöser Symbole des Christentums wie Kreuze, Ikonen und Heiligenbilder, sowie Übergriffe auf das Schulgebäude der Stadt. Hinzu kam die Inhaftierung einiger Angehöriger von Personen, die als Milizen des Assad-Regimes verdächtigt werden, als Geiseln für die Verdächtigten. Solche Übergriffe und Gewaltakte unterscheiden sich überhaupt nicht von denen des Assad-Regimes, das seinerseits Angehörige von Oppositionellen durch Verhaftungen die Mitarbeit für ihre die Nachrichtendienste erzwingen will.

In einem ähnlichen Zusammenhang haben in den letzten beiden Tagen Angehörige der Freien Armee oder der Al-Nasra-Front Grenzkontrollpunkte auf dem Weg zwischen Tel-Tammer und Al-Raqqa errichtet, insbesondere an der Al-Mabrouka-Kreuzung, wo sie Busse stoppen und unter anderen Übergriffen die christlichen Passagiere bedrohen, beleidigen und ihre religiösen Symbole und Heiligtümer beschimpfen.

Diese Art von Menschenrechtsverletzungen und menschenverachtende Behandlung haben die Reisenden nie zuvor in diesem Gebiet erlebt. Solcherlei Praktiken sind in der Kultur,Tradition und den öffentlichen Umgangsformen in der syrischen Gesellschaft niemals vorgekommen. Die Geschichte Syriens war insbesondere durch religiöse Toleranz und die Werte der Koexistenz verschiedener Religionen sowie der Achtung der religiösen Privatsphäre gekennzeichnet. Sie sind übrigens auch mit den Lehren und Werten des Islams unvereinbar. Überdies schadet diese Form von kriminellem Verhalten auch dem Ruf der syrischen Revolution, deren Ziel die Schaffung einer neuen humanen Gesellschaft ist, und führt zu Religionshass und Intoleranz und schwächt die Befreiungsbewegung. Zudem verstärkt sie die Befürchtungen und Ängste der Suryoye-Assyrer und der Christen im Allgemeinen vor einem Zunehmen extremistischer religiöser Tendenzen eines fanatischen Islamismus, wie er bisher in Syrien völlig unbekannt gewesen ist. Ein solches Angstpotential vor der Zukunft wird die Migration unseres Volkes beschleunigen, was dazu führen könnte, dass eine der ältesten Bevölkerungen des Landes aufhört, dort weiter zu existieren. Wir appellieren an Sie, mit all Ihrem Einfluss und Ihren Möglichkeiten auf nationaler Ebene, mit öffentlichen Stellungnahmen die hier geschilderte kriminelle Praxis anzuprangern und vor weiteren Übergriffen gegen die christliche Bevölkerung in diesem Gebiet zu warnen und dieses Vorgehen öffentlich anzuprangern, um die berechtigten Interessen der Revolution zu wahren. Eine Revolution, deren Teilnehmer selbst verbrecherische Handlungen an anderen, nicht dem Staatsregime zugehörigen Bevölkerungsteilen begehen, verliert ihre Legitimation.

Außerdem rufen wir Sie auch dazu auf, ernsthaft einzugreifen, um die wachsenden Spannungen zwischen den Arabern und Kurden in den Städten und Gemeinden des syrischen Al-Jazeera-Gebiets im Nordosten abzuschwächen. Dort hat sich die Situation rapide verschlechtert aufgrund gegenseitiger Angriffe und Verdächtigungen, was in naher Zukunft schwere Folgen und negative Auswirkungen innerhalb des gesamten Gebietes haben könnte, unter denen besonders die christliche Bevölkerung zu leiden haben wird.

Wir hoffen, dass Sie diesem Thema die notwendige Aufmerksamkeit widmen werden, alle Parteien zur Zurückhaltung aufzufordern, auf die Vernunft zurückzugreifen und alles zu unterlassen, was Provokationen und Spaltungen innerhalb der Bevölkerung stärken könnte. Wir teilen mit Ihnen die Hoffnung auf einen politischen und gesellschaftlichen Neuanfang Syriens, in Friede, Freiheit und Würde.

Syrien, 30.11.2012

Hochachtungsvoll
Assyrische Demokratische Organisation
Parteibüro