Syrische Christen wollen Frieden

Lokale Informanten berichteten der Agentur Fides von der Stimmung im heiß umkämpften Aleppo

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DAMASKUS, 9. Juli 2012 (ZENIT.org). - „Nehmt keine Waffen an, und bleibt im Bürgerkrieg neutral.“ So laute, einer Meldung der Agentur Fides zufolge, ein Aufruf der Geistlichen verschiedener christlicher Konfessionen an die christlichen Bürger Syriens. Die Meldung basiert auf dem Bericht von Informanten der Stadt Aleppo, die in diesen Tagen zum Schauplatz harter Kämpfe zwischen den regierungstreuen Truppen und der Freien Syrischen Armee geworden ist.

„Wir wollen keine neue Kriegspartei werden“, erklärten die Informanten der Agentur. Sie seien sehr besorgt über die Entwicklung, die der syrische Bürgerkrieg genommen habe und die auch vom Ausland angeheizt werde. Kurdische Splittergruppen kontrollierten manche Gebiete an der türkischen und irakischen Grenze und lieferten sich Gefechte mit mindestens zwei verschiedenen türkischsprachigen Gruppen. „Wir sind Syrer und wollen mit allen anderen Syrern in Frieden leben. Wir wollen Frieden und Aussöhnung“, betonten die Quellen der Agentur Fides, und meldeten zugleich „heftige Kämpfe“ in manchen Stadtteilen von Aleppo. Es gebe „zahlreiche Tote, vielleicht viel mehr, als die Medien berichten. Wir besitzen keine gesicherten Zahlen, aber wir haben Berichte gehört, dass die Krankenhäuser voller Toter seien.“

Die Informanten aus Aleppo äußerten die Sorge, es könne sich wiederholen, was in Homs geschah, als die sich zurückziehenden Kämpfer in die christlichen Viertel flüchteten, die dadurch zum Schlachtfeld wurden, auf dem die beiden Parteien ihren Kampf austrugen.

Auch wenn zur Zeit in den christlichen Vierteln Ruhe herrsche, sei jedoch offensichtlich, dass sich der Kampf um Aleppo fortsetzen werde. Es sei unsicher, wozu dies in den nächsten Tagen führen könne.

Die verschiedenen christlichen Gemeinden (Katholiken, Orthodoxe und Protestanten) hätten ein Koordinationsbüro eröffnet, um sich gegenseitig Hilfe leisten zu können. Ihre Bitte an die europäischen Länder sei, „dass sie dem syrischen Volk helfen, dass sie Druck ausüben auf jene Mächte, die den Krieg weiter anheizen, und dass sie die Parteien darauf drängen, über den Frieden zu verhandeln.“

Die Quellen von Fides erklärten: „Wir glauben, dass ein Dialog noch immer möglich ist, aber die Verhandlungen müssen so bald wie möglich beginnen, damit die Zivilbevölkerung nicht weiter in den Konflikt hineingezogen wird.“ Die internationale Diplomatie zeigt indes keine Erfolge. Der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, der von der UNO und der Arabischen Liga beauftragt worden war, im Syrienkonflikt zwischen den Parteien zu vermitteln, hat nach fünf Monaten ergebnisloser Verhandlungen sein Mandat aufgegeben.

„Wir hatten große Hoffnungen auf die Mission Annans gesetzt“, erklärten die Informanten. „Wir hoffen immer noch, dass die kriegführenden Parteien einen Ausweg finden können, der beide zufriedenstellt. Der einzige Weg, um dem syrischen Volk zu helfen, ist eine politische Lösung; Krieg hilft uns nicht weiter.“

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]