Syrischer Erzbischof warnt vor einer neuen Bedrohung für die Christen

Kriege könnten sie zum Auswandern zwingen

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ROM, 29. August 2008 (ZENIT.org).- „Das Christentum des Orients ist in Gefahr.“ Diese alarmierende Warnung sprach der orthodoxe Erzbischof von Aleppo (Syrien), Gregorios Yohanna Ibrahim, auf dem „Internationalen Forum über den interkulturellen Dialog im Mittelmeerraum“ aus. Das Forum fand am Mittwoch, dem 27. August, in L’Aquila (Abruzzen) im Rahmen der Feiern zur 714. „Perdonanza Celestiniana“ statt. Die „Vergebungsfeier“ ist seit einiger Zeit mit Veranstaltungen verbunden, die sich mit den Problemen und Notlagen der Welt auseinandersetzen.



Die Warnung des Erzbischofs von Aleppo gründet auf Zahlen der letzten Jahre. 15 Millionen Christen der Region des Mittleren Ostens stehen nach seinen Ausführungen 300 Millionen Muslimen gegenüber. Diese Christen könnten weiterhin dort bleiben, das Evangelium verkünden und das Bild des guten Menschen fördern. Wenn aber die Kriege fortdauerten, so Gregorios Yohanna Ibrahim, so würden sie zur Emigration gezwungen sein und danach nicht mehr zurückkehren.

Gregorios Yohanna Ibrahim ging in seinem Beitrag zum Forum die Geschichte der verschiedenen Religionen durch, die einst friedlich nebeneinander existierten – „bis es durch das Ottomanische Reich zu einer Vernichtung der Christen und ihrem darauf folgenden Exodus kam“. Der Erzbischof erklärte, dass die Regierung von Syrien den Dialog zischen der christlichen und muslimischen Religion fördere und die Christen an den muslimischen Riten teilnähmen, dieselben Schulen, Arbeitsstätten und Vergnügungsorte besuchten. Das Anwachsen des islamistischen Fanatismus jedoch veranlasse dazu, über die Zukunft der orientalischen Christenheit nachzudenken.

Der syrische Parlamentsabgeordnete und Islamexperte Muhamad Habash beschäftigte sich in seinem Beitrag auf dem Forum mit den Lehren des Korans, der Achtung Mohammeds für die ihm vorausgehenden Propheten, der Präsenz von christlichen Symbolen an Orten, die für die Muslime heilig sind.

Die Spiritualität, die Liebe und die Achtung seien einzigartig, so Habash. Daher stelle die Religion für den Syrer keinen Beweggrund für einen Krieg dar. Es seien vielmehr die sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten, die Gewalt hervorbrächten.

Die Vergebungs-Feier in L’Aquila geht auf die Wahl Coelestins V. zum Papst (5. Juli 1294) sowie auf den vollkommenen Ablass zurück, den der Papst mit der Vergebungs-Bulle vom 29. September 1294 der gesamten Menschheit gewährt hatte. In den letzten Jahren zieht die „Perdonanza“ immer mehr Pilger aus ganz Italien und dem Ausland an.

Jeder, der die Basilika von L’Aquila „Santa Maria di Collemaggio“ zwischen der Vesper des 28. und 29. Augusts betritt, kann zu den üblichen Bedingungen (Beichte, Kommunionempfang, Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters) den Ablass erhalten. Coelestin V. war in der Basilika Santa Maria di Collemaggio am 29. August 1294 gekrönt worden. Dort ruhen auch die sterblichen Überreste des Eremiten-Papstes.

Mit seiner Vergebungsbulle setzte Coelestin V. ein außerordentliches und Geschichte machendes Zeichen, da derartige Versöhnungs- und Bußakte in der Regel gerne mit Geldspekulationen verbunden waren. Gleichzeitig schuf der Papst in der Stadt in den Abruzzen einen „Präzedenzfall“ für das von Papst Bonifatius VIII. 1300 ausgerufene erste „Heilige Jubiläumsjahr“.