Tanzende Derwische des türkischen Mevlevi-Ordens zu Gast im Vatikan

Kardinal Poupard würdigt persischen Poeten

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ROM, 15. Juni 2007 (ZENIT.org).- Der Päpstliche Rat für die Kultur veranstaltete gemeinsam mit der türkischen Botschaft beim Heiligen Stuhl einen festlichen Abend, um den 800. Geburtstag des bedeutendsten mystischen Sufi-Dichters Mevlana Celaleddin Rumi (1207-1273) zu feiern.



Im Mittelpunkt des Abends im „Palazzo della Cancelleria“, einer Enklave des Vatikans im Herzen der Stadt Rom, standen insbesondere die tanzenden Derwische aus Konya in der Türkei. Sie boten mit ihrer Zeremonie in der Tradition des Mevlevi-Ordens eine Hinführung in die Mystik der Sufis.

Muammer Dogan Akdur, der türkische Botschafter beim Heiligen Stuhl, führte in den Abend ein und hob die sehr guten Beziehungen seines Landes mit dem Heiligen Stuhl vor, die sich beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im November 2006 bewährt hätten.

Meviana Celaleddin Rumi, so erklärte anschließend Kardinal Paul Poupard, Präsident der Päpstlichen Räte für die Kultur und den Interreligiösen Dialog, sei einer der größten persischen Poeten und „einer der vorzüglichsten Vertreter des monastischen Sufismus und Gründer der berühmten Mönchsgemeinschaft Mawlawiyah, deren Angehörige in der westlichen Welt ‚tanzenden Derwische‘ genannt werden.“

Bei der Veranstaltung dieses Abends handle es sich um eine interkulturelle Begegnung, die darauf abziele, „den Dichter Rumi und seine überragende Kunst zu feiern, die uns in die Höhen lyrischer Dichtung einführt, wo der Mensch die Reinheit seiner Gefühle und die wunderschönen Worte des Dialoges zwischen den Kulturen und religiösen Bekenntnissen wieder neu finden kann“, fuhr der Kardinal fort.

„Musik und Tanz sind universale Sprachen, die das Herz erfüllen und uns die Schönheit des Kulturaustausches und den Dialog zwischen den Kulturen schätzen lassen. Der Gesang und das sich beschleunigende Tanzen um die eigene Achse zeigen uns den Künstler in Bewegung; eine Handfläche zeigt nach oben, und die andere Handfläche zeigt nach unten, so als wolle er die Kluft zwischen Himmel und Erde überwinden, indem der Mensch, der Derwisch ,sich selbst in einen Zustand versetzt, der in der Vereinigung des Endlichen mit dem Unendlichen gipfelt.“

Die Trommel gebe „durch dumpfes Schlagen den Rhythmus an, und die Flöte die Bewegung und die Stimmung – alles zusammen eine geistliche Übung, die auf die Vereinigung mit dem Göttlichen hinstrebt“.

Kardinal Poupard wies auch darauf hin, dass Rumi die Rolle des mystischen Poeten mit der einer Flöte vergleiche: „Das Mündstück ist der Mund Gottes; der göttliche Atem beziehungsweise der Wind bläst durch die Flöte – das ist der Leib des Dichters –, und die Öffnung ist wie der Mund des Dichters.“