Tawadros II. zum Ehrenprotektor der ökumenischen Stiftung Pro Oriente ernannt

Die Welt brauche ein gemeinsames Zeugnis der Christen

Wien, (ZENIT.org) | 340 klicks

Der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. ist gestern Abend im Wiener Erzbischöflichen Palais im Rahmen einer Festveranstaltung mit Christoph Kardinal Schönborn zum Ehrenprotektor der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“ ernannt worden, wie kathpress berichtet.

Pro Oriente-Präsident Johann Marte und Prof. Winkler unterstrichen im Rahmen der Ernennung die langen und sehr fruchtbaren Beziehungen zwischen Pro Oriente und der Koptisch-orthodoxen Kirche seit den 1960er-Jahren. Laut Winkler sei längst an der Zeit für die Einheit der Kirchen: „Die Welt braucht das gemeinsame Zeugnis aller Kirchen“, betonte er in seiner Festansprache. Ein positives Ergebnis der Beziehungen sei die inoffizielle, so genannte „Wiener Christologische Formel“ aus dem Jahr 1971. Hier habe man zentrale theologische Streitpunkt zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen ausgeräumt. Katholische und orientalisch-orthodoxe Christen würden in unterschiedlichen Formulierungen den selben Glauben bekennen, heißt es dort.

Maßgeblichen Anteil am Gelingen der Gespräche hatte der damalige koptische Patriarch Schenouda III.

Tawadros II. verwies in seinen Dankesworten auf seinen jüngsten Besuch bei Papst Franziskus, der im Zeichen der Verbundenheit beider Kirchen gestanden habe. Er ging inhaltlich nicht direkt auf die ökumenischen Statements seiner Vorredner ein, würdigte aber die gute Aufnahme der koptisch-orthodoxen Kirche in Österreich.

Im Rahmen des Festaktes wurde auch das zehnjährige Bestehen des „Orientalisch-orthodoxen Kirchengesetzes“ feierlich begangen. Mit diesem Gesetz war die koptische Kirche im April 2003 staatlich anerkannt worden und hat seither hat die Stellung einer Körperschaft öffentlichen Rechts inne.

Damit sei eine einheitliche Rechtsgrundlage für die orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich geschaffen und somit die koptisch-orthodoxe Kirche den beiden anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich, nämlich der armenisch-apostolischen und der syrisch-orthodoxen Kirche gleichgestellt worden, so kathpress.

Nach dem syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Emanuel Aydin, dem Vorsitzenden der „Kirchenkommission“, gibt es derzeit in Österreich rund 6.000 syrisch-orthodoxe Gläubige, 10.000 Kopten und nochmals 6.000 armenisch-apostolische Christen.

An dem Festakt nahmen auch zahlreiche Bischöfe der koptischen Kirche teil, darunter der für Österreich zuständige Bischof Anba Gabriel. Weiterhin von der katholischen Kirche der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen und der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis). Anwesend waren auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, Weihbischof Franz Scharl, der armenisch-apostolische Patriarchaldelegat für Mitteleuropa, P. Tiran Petrosian, und der Vorsitzende der männlichen Ordensgemeinschaften in Österreich, Propst Maximilian Fürnsinn.

Als Vertreter der Politik war der zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer erschienen. Die Welt der Diplomatie repräsentierte der ägyptische Botschafter in Österreich, Khaled Abdelrahman Abdellatif Shamaa.

Auch zahlreiche Vertreter der Muslime hatten diese Möglichkeit zu einem interreligiösen Treffen wahrgenommen.