TEDx Religionsfreiheit heute

Der erste TEDx-Event im Auditorium in der Via della Conciliazione

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 654 klicks

„Religious freedom today“ lautet der Titel des ersten TEDx-Events, der am Freitag, den 19. April 2013, im Auditorium in der Via della Conciliazione stattfand. Unter der Leitung von Hector Guerra und der Koordination von Giovanna Abati sollte die Bedeutung von Religion für das Zusammenleben der Menschen untersucht werden: „Jede Religion lehrt Liebe, nicht nur Ideen. Die Liebe hat die Kraft, Menschen wirklich aneinander zu binden. Das ist der Grund, weshalb Religion wichtig ist und die Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht zu verteidigen ist, eine weltweite Herausforderung, sich zu Brüderlichkeit und Frieden hin zu entwickeln.“

TED, die Abkürzung steht für „Technology Entertainment Design“, gibt es seit 1984, als sich Vertreter der drei genannten Sparten zu einer gemeinsamen Konferenz trafen. Seitdem hat sich das Spektrum der Teilnehmer immer mehr ausgeweitet, von Astronomen über Schriftsteller bis hin zu Medizinern, Ingenieuren oder Musikern. Gerade in der Begegnung und im Austausch unterschiedlicher Ideen und Denkansätze liegt das Ziel von TED. Jedem Teilnehmer stehen 18 Minuten Sprechzeit zur Verfügung, während derer er sein Projekt oder seine Idee dem Publikum vorstellen kann. Zu den prominentesten Teilnehmern zählen Bill Clinton, Bill Gates oder auch Isabell Allende; doch TED steht auch weniger bekannten Persönlichkeiten offen, die sich stets durch besonders innovative Ideen auszeichnen. Ein großer Vorteil von TED ist, dass die Vorträge online im Streaming verfolgt werden können und dank „TED OPEN TRANSLATION“ in mehr als 80 Sprachen übersetzt zur Verfügung stehen.

Zu dem von TED ins Leben gerufenen Programm TEDx=indipendently organized TED event zählt auch die Veranstaltung zur Religionsfreiheit in der Via della Conciliazione. TEDx sind unabhängige lokale Events, in der die Teilnehmer – wie bei TED-Events – ihre Erfahrungen austauschen und mitteilen können. Im Gegensatz zu den TED-Events werden die TEDx-Veranstaltungen unabhängig organisiert.

Beeindruckend sind die Zahlen, die die starke Medienpräsens von TED dokumentieren: Im Jahr 2012 besuchten eine Milliarde Besucher die Homepage von TED, und 97 Länder erhielten 5000 TED-Lizenzen, und nun zählt auch der Vatikan dazu.

In der in vier Sektionen unterteilten Konferenz hatten Teilnehmer aus aller Welt, allen Bereichen und unterschiedlicher Glaubensrichtung Gelegenheit, zum Thema „Religionsfreiheit heute“ einen Vortrag zu halten oder, wie der Künstler Mohammed Ali, eine Performance darzubieten.

Ali bot ein im wahrsten Sinne anschauliches Beispiel für den interreligiösen Dialog. Der Street-Art-Künstler erstellte in einer Performance vor dem sehr zahlreich anwesenden Publikum im Auditorium ein Graffiti. Das Graffiti, so Ali, sei ein interkulturelles Kommunikationsmittel im Großstadtdschungel und Ausdruck gestalterischer Freiheit.

Seine Performance mit dem Titel „Freedom“ begann mit dem gleichlautenden Schriftzug aus der Spraydose auf der schwarzen, zur Performance aufgestellten Wand. In zarten rosé-Tönen legte er anschließend eine Sonnenaufgangsstimmung an. Mit einer Schablone zeichnete der Künstler dann den dunklen Umriß von Kuppeln christlicher Kirchen, darunter auch Sankt Peter, und des Heiligtums von Mekka. Darüber setzte er einen islamischen Schriftzug in hellblauer Farbe. Mit einem Abziehbrett gestaltete der Künstler abschließend noch den Bildrand, ebenfalls in hellblauer Farbe, den er zusätzlich mit einer roten Umrandung einfaßte. Mit seinen Arbeiten will Ali „Alt und Jung, Schwarz und Weiß, Asiaten, arabische Völker und alles dazwischen“ ansprechen und eine Brücke zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften bauen.

Die Religionsfreiheit, die in der Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948 verankert ist und im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte aus dem Jahr 1976 bestätigt wird, ist grundlegend für eine gerechte und soziale Gesellschaft. Im TEDxwurde deshalb den Fragen nachgegangen, was getan weden könnte, um den Respekt in der Gesellschaft zu fördern, ob die Religion zu der Entwicklung und dem Fortschritt des Menschen beitragen könne, worin der wahre Inhalt des Lebens bestehe, ob die Menschenrechte bedroht würden, wenn die persönliche Freiheit nicht anerkannt werde, wodurch heute ein erfolgreicher Dialog und eine wirksame Zusammenarbeit gefährdet seien, ob der Geist offen seit für Transzendenz oder hingegen verschlossen und ob man in einer globalisierten Welt noch Diskriminierungen aus Glaubensgründen erleiden müsse.

Wie wichtig der interkulturelle und interreligiöse Dialog für ein friedvolles Miteinander seien, betonte Sheikha Hussah Sabah al-Salem al-Sabah, Prinzessin von Kuwait und Direktorin des DAI (Dar Al-Athar Al-Islammiyah) in ihrem Vortrag. Das DAI besitzt eine der kostbarsten Sammlungen islamischer Kunst und wurde während der Besatzung Kuwaits durch den Irak geplündert und zerstört. Die Sammlung kehrte in das Museum zurück, das sich im Wiederaufbau befindet.

Über seine Erfahrungen während der 70er Jahre in Südafrika, das heißt während der Apartheit, und sein Engagement für die Religionsfreiheit berichtete Rabbi David Rosen, der damals Rabbi in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in Cape Town war. Für ihn ist der konfessionsübergreifende Dialog mit den Vertretern anderer Religionen unabdingbar, um Vorurteile abzubauen und soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Erst durch das Kennenlernen und die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen könne die Kenntnis um den eigenen Glauben vertieft werden. Die Erweiterung des eigenen Horizonts und der eigenen Identität seien bereichernde Erfahrungen. „Jeder ist ein Kind Gottes. Statt einer Barriere kann Religion eine wundervolle Brücke sein“, so Rabbi Rosen. Sich der eigenen Identität bewusst zu sein, sei wichtig für eine Gesellschaft, weil ihr andernfalls der Anker fehle. Deshalb müsse man aus der eigenen religiösen Identität positiven Nutzen ziehen, der in der Quelle des Segens liege. Einziges Mittel, das negative Bild der Religion abzubauen, sei der Dialog.