"Teilnahme ist die wahre Art, zu lieben"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 335 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Nach dem Gebet kündigte der Papst die bevorstehende Ernennung von 19 neuen Kardinälen auf dem Konsistorium des 22. Februar an.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist das Fest der Taufe des Herrn, und heute Morgen habe ich 32 Neugeborene getauft. Ich danke mit euch dem Herrn für diese Kinder und für jedes neue Leben. Ich liebe es, Kinder zu taufen. Ich liebe es sehr! Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Geschenk der Freude und der Hoffnung, und jedes Kind, das getauft wird, ist ein Wunder des Glaubens und ein Fest für die Familie Gottes.

Die heutige Seite des Evangeliums sagt: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel“ (Mt 3,16). Damit gehen die alten Prophetien in Erfüllung. Tatsächlich gibt es eine Anrufung, die die Liturgie uns in der Adventszeit wiederholen lässt: „Reiß doch den Himmel auf und komm herab!“ (Jes 63,19). Wenn der Himmel verschlossen bleibt, ist unser Horizont im irdischen Leben dunkel und ohne Hoffnung. Doch im Weihnachtsfest hat der Glaube uns noch einmal die Gewissheit gegeben, dass der Himmel sich geöffnet hat und Jesus zu uns gekommen ist. Auch am Tag der Taufe Christi betrachten wir den offenen Himmel. Mit dem Erscheinen des Gottessohns auf der Erde beginnt die große Zeit der Barmherzigkeit, nachdem die Sünde den Himmel verschlossen und eine Art Mauer zwischen den Menschen und ihrem Schöpfer errichtet hatte. Mit der Geburt Jesu öffnet sich der Himmel! Gott gibt uns in Christus die Sicherheit einer unvergänglichen Liebe. Seit das Wort Fleisch geworden ist, ist es möglich, in den offenen Himmel zu blicken. Die Hirten von Betlehem, die Weisen aus dem Orient, Johannes der Täufer, die Jünger Jesu, der heilige Stephanus, der erste Märtyrer, der rief: „Ich sehe den Himmel offen“ (Apg 7,56): für sie alle ist es möglich gewesen. Auch für jeden von uns ist es möglich, wenn wir uns von der Liebe Gottes erfüllen lassen, die uns zum ersten Mal, durch den Heiligen Geist, in der Taufe geschenkt wird. Lassen wir uns von der Liebe Gottes erfüllen! Dies ist die große Zeit der Barmherzigkeit! Vergesst das nie: Dies ist die große Zeit der Barmherzigkeit!

Als Jesus die Taufe der Umkehr von Johannes dem Täufer empfing und dadurch mit dem büßenden Volk solidarisierte – Er, der ohne Sünde war und keiner Umkehr bedurfte –, ließ Gott Vater seine Stimme vom Himmel erklingen: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Jesus empfängt die Anerkennung des himmlischen Vaters, der ihn genau deshalb entsandt hat, damit er mit uns unsere Natur, unsere Armut teilt. Teilnahme ist die wahre Art zu lieben. Jesus bleibt nicht von uns getrennt, sondern betrachtet uns als Brüder und Schwestern und nimmt an unserem Leben teil. Und dadurch macht er uns mit sich selbst zu Kindern des göttlichen Vaters. Das ist die Offenbarung und die Quelle der wahren Liebe. Und das ist die große Zeit der Barmherzigkeit!

Meint ihr nicht auch, dass unsere Zeit etwas mehr brüderliche Anteilnahme und Liebe nötig hat? Meint ihr nicht, dass wir alle etwas mehr Nächstenliebe bräuchten? Nicht jene oberflächliche Nächstenliebe, die sich damit zufrieden gibt, ohne besondere innere Anteilnahme eine momentane Hilfe zu leisten, sondern jene, die teilnimmt, die die Not und das Leid des Mitmenschen zu unserem eigenen macht. Wie anders schmeckt doch das Leben, wenn man sich von der Liebe Gottes durchfluten lässt!

Lasst uns die Jungfrau Maria bitten, uns durch ihre Fürbitte in unseren Bemühungen, Christus auf den Wegen des Glaubens und der Nächstenliebe nachzufolgen, zu unterstützen; jenem Weg, der uns von unserer Taufe vorgegeben wurde.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße euch alle von Herzen, besonders die Familien und die Gläubigen, die aus den verschiedensten Pfarreien Italiens und anderer Länder gekommen sind, wie auch die Vereine und die Gruppen.

Heute will ich einen ganz besonderen Gruß an die Eltern richten, die ihre Kinder zur Taufe gebracht haben, sowie an die, die sich auf die Taufe ihres Kindes vorbereiten. Ich nehme an der Freude teil, die diese Familien erleben, danke mit ihnen dem Herrn und bete, dass die Taufe der Kinder auch ihren Eltern dazu verhelfen möge, die Schönheit des Glaubens wiederzuentdecken und auf neue Weise zu den Sakramenten und zur Gemeinschaft zurückzukehren.

Wie bereits angekündigt, werde ich am kommenden 22. Februar, dem Fest „Cathedra Petri“, die Freude haben, ein Konsistorium zu halten, in dessen Verlauf ich 16 neue Kardinäle ernennen werde, die aus 12 verschiedenen Ländern der Welt stammen und ein Zeichen für die tiefe Beziehung sind, die die römische Kirche mit den vielen Ortskirchen der Welt hat.

Am folgenden Tag werde ich gemeinsam mit den neuen Kardinälen eine heilige Messe feiern. Am 20. und 21. Februar hingegen werde ich mit allen Kardinälen ein Konsistorium halten, um über das Thema der Familie zu sprechen.

Hier die Namen der neuen Kardinäle:

1 – Pietro Parolin, Titularerzbischof von Acquapendente, Staatssekretär.

2 – Lorenzo Baldisseri, Titularerzbischof von Diocleziana, Generalsekretär der Bischofssynode.

3 – Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof und emeritierter Bischof von Regensburg, Präfekt der Glaubenskongregation.

4 – Beniamino Stella, Titularerzbischof von Midila, Präfekt der Kongregation für den Klerus.

5 – Vincent Nichols, Erzbischof von Westminster (Großbritannien).

6 – Leopoldo José Brenes Solórzano, Erzbischof von Managua (Nicaragua).

7 – Gérald Cyprien Lacroix, Erzbischof von Québec (Kanada).

8 – Jean-Pierre Kutwa, Erzbischof von Abidjan (Elfenbeinküste).

9 – Orani João Tempesta OCist, Erzbischof von Rio de Janeiro (Brasilien).

10 – Gualtiero Bassetti, Erzbischof von Perugia-Città della Pieve (Italien).

11 – Mario Aurelio Poli, Erzbischof von Buenos Aires (Argentinien).

12 – Andrew Yeom Soo jung, Erzbischof von Seoul (Korea).

13 – Ricardo Ezzati Andrello SDB., Erzbischof von Santiago de Chile (Chile).

14 – Philippe Nakellentuba Ouédraogo, Erzbischof von Ouagadougou (Burkina Faso).

15 – Orlando B. Quevedo OMI, Erzbischof von Cotabato (Philippinen).

16 – Chibly Langlois, Erzbischof von Les Cayes (Haiti). 

Mit ihnen werde ich drei emeritierte Erzbischöfe dem Kardinalskollegium angliedern, die sich durch ihren Dienst am Heiligen Stuhl oder der Weltkirche ausgezeichnet haben:

1 – Loris Francesco Capovilla, Titularerzbischof von Mesembria (früherer Privatsekretär von Johannes XXIII.).
2 – Fernando Sebastián Aguilar CMF, emeritierter Erzbischof von Pamplona.
3 – Kelvin Edward Felix, emeritierter Erzbischof von Castries.

Lasst uns für die neuen Kardinäle beten, damit sie, bekleidet mit den Tugenden und Gefühlen unseres Herrn Jesus, des guten Hirten, dem Bischof von Rom wirkungsvoll bei seinem Dienst an der Weltkirche helfen mögen.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!