Test: Orthodoxer Erzbischof von Athen: Papstbesuch eröffnet neue Perspektiven

Der Pressesprecher von Erzbischof Christodoulos informiert

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ATHEN, 2001-05-06 (ZENIT.org-


HREF="http://www.avvenire.it/">AVVENIRE).- Erzbischof Christodoulos,
der Primas der griechisch-orthodoxen Kirche war ehrlich: "Der Papst war
sehr freundlich zu uns, und darüber sind wir glücklich". Bereits am Ende
der ersten Begegnung mit dem Papst am Freitag war das orthodoxe Oberhaupt
sehr deutlich. Sein Sprecher ist noch expliziter.

Charis Konidaris ist eigentlich mehr als nur Sprecher des Erzbischofs von
Athen. Der knapp über dreißigjährige Rechtsanwalt war einer derjenigen diskreten Unterhändler,
die den Papstbesuch mit vorbereitet haben. In diesem Interview reflektiert
er über die Gedanken des athenischen Erzbischofs und zieht Bilanz über die
intensivsten Momente des Papstbesuches in Griechenland.

Was denken sie über die Ansprache des Papstes vor dem Primas von
Griechenland?

Charis Konidaris: Sie war genau so wie wir sie uns erwartet haben. Die
Tatsache, dass er Gott um Verzeihung gebeten hat für die Katholiken, die
gegen ihre orthodoxen Brüder gesündigt haben, ist für uns sehr wichtig. Es
ist bedeutungsvoll, dass er Gott um Vergebung gebeten hat, denn das
erfordert wirklich christliche Nächstenliebe. Diese Geste wird noch
bedeutungsvoller, wenn man bedenkt, dass sie nicht irgendwo vollzogen
wurde, sondern am Sitz des Primas von Griechenland.

Wird man den Dialog zwischen griechisch-orthodoxer Kirche und katholischer
Kirche wieder aufnehmen können?

Charis Konidaris: Der Dialog besteht seit vielen Jahren, aber der Besuch
des Papstes in Griechenland eröffnet neue Perspektiven. Durch seine
Ansprache hat der Papst schweren Ballast aus dem Weg geräumt, der uns
daran gehindert hat, voranzuschreiten. Natürlich gibt es noch Divergenzen
und Probleme, aber nun herrscht die gemeinsame Überzeugung, dass man
Lösungen finden kann.

Johannes Paul II. hat die Frage der "Uniaten" nicht angeschnitten (in
dieser despektierlichen Weise nennen die Orthodoxen die "unierten" katholischen
Christen ostkirchlichen Ritus, die aus ganz verschiedenen historischen Gründen der Jurisdiktion des Papstes unterstehen).

Charis Konidaris: Das stimmt, doch warten wir einmal ab. Als ich vorhin
von noch ungelösten Problemen sprach, meinte ich vor allem die Frage der
unierten Christen. Auf jeden Fall hat der Papst deutlich über Wunden gesprochen, die
dem griechischen Volk noch schmerzen, und das war die Anerkennung, um die wir
gebeten hatten.

Christodoulos ist am Samstag nach Moskau gereist, um sich mit Alexej II.
zu treffen. Wird er dem Papst den Weg nach Russland eröffnen?

Charis Konidaris: Die Reise des Papstes nach Moskau ist eine Entscheidung,
die der russischen Kirche obliegt, und die griechische Kirche hat dabei
nichts mitzureden. Wenn Patriarch Alexej II. darüber informiert werden will,
wie der Papstbesuch in Athen verlaufen ist, dann glaube ich, dass der
Erzbischof ihm schon seine eigene Meinung über die Ereignisse mitteilen
wird.

Und das bedeutet?

Charis Konidaris: Dass der Papst von Rom einen wichtigen Schritt in Sachen
Beziehung mit uns getan hat, und dass die griechische Kirche Mut und
Bereitschaft bewiesen hat, den Papst zu empfangen.

ZG01050701