Thanksgiving in den USA, wichtiger als Weihnachten

Barack Obama: Wir sind uns auch der Beiträge der amerikanischen Ureinwohner bewusst

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ROM, 26. November 2009 (ZENIT.org).- In Plymouth Rock im amerikanischen Staat Massachusetts steht seine große Statue. Ein Indianer riesengroß in Stein gehauen. Und eine Tafel verkündet: „Massasoit. Protector an proserver of the pilgrims“,„Massasoit. Beschützer und Versorger der Pilger.“ Hier wurde das große Dankfest der Vereinigten Staaten „Thanksgiving“ geboren.

Die zwei, drei und noch mehrspurigen Autobahnen in den USA waren gestern ausnahmslos gepackt voll, die Fluglinien ausgebucht. Wer in den USA gelebt hat weiß: Der Vorabend zum Thanksgiving Day, dem für viele Amerikaner wichtigsten Feiertag des Jahres, bringt eine ganze Nation in Bewegung. Der vierte Donnerstag im November, der in diesem Jahr auf den 26. November fällt, ist zudem der einzige Tag des Jahres, an dem eine im 24 Stundentakt über sieben Tage hinweg pulsierende Gesellschaft wirklich zu Ruhe kommt.

„Heute erinnern wir uns an Präsident George Washington, der unser erstes nationales Thanksgiving zu einem Tag erklärte, an dem wir ‚dankbaren Herzens die vielen und außerordentlichen Gaben Gottes des Allmächtigen anerkennen’ sollten, und an Präsident Abraham Lincoln, der Thanksgiving zu einem alljährlich wiederkehrenden Feiertag erklärte, um so eine gespaltene Nation zusammenzuführen, die sich im Bürgerkrieg befand“, mit diesen Worten leitet Barack Obama, der amtierende Amerikanische Präsident, seine offizielle Erklärung zum Feiertag „Thanksgiving“ ein.

Die Börsen in den USA bleiben heute geschlossen, und deshalb, so die großen Agenturen, dümpelt weltweit der DAX. Hintergrund sei natürlich der Feiertag „Thanksgiving". Sogar die englische Sprachausgabe von ZENIT macht aus diesem Anlass eine Pause. Für Karna Swanson, die Teamleiterin ist klar: Man möchte ausnahmslos mit der Familie sein.

„Was vor beinahe vierhundert Jahren als gemeinsames Erntefest europäischer Siedler und indigener Gemeinschaften begann, ist heute unsere geschätzte Tradition des Thanksgiving. Die Wurzeln dieses Tages sind eng mit den Wurzeln unseres Landes verflochten und seine Geschichte begleitet die Geschichte der Vereinigten Staaten”, so Obama in seiner Erklärung, die von der Botschaft der USA in Deutschland am Dientag veröffentlicht wurde.

„Wir sind uns auch der Beiträge der amerikanischen Ureinwohner bewusst, die den ersten Siedlern in ihrem ersten harten Winter halfen zu überleben und die unsere Nation noch immer stärken“, würdigt Obama die historische Geste der Solidarität.

Dieses Überleben der ersten Pilger, den Frieden, den verdankten die Siedler der Ostküste nicht sich selbst, sondern der Freundlichkeit der Indianer des Stammes der Wampanoags, ihnen eine Chance zu geben. Damals, im November 1620.

Dieser Tag, der ausnahmslos in Familie oder unter engsten Freunden gefeiert wird, bringt in amerikanischen Familien den traditionellen Truthahn auf den Tisch. Je nach Tradition kommen zum „Turkey“ noch Süßkartoffeln, Mais, Bohnenauflauf, Kartoffelpüree und zum Nachtisch Kürbiskuchen dazu. Thanksgiving wird in Erinnerung an die ersten Siedler gefeiert, denen nach der Ankunft in der neuen Welt die Nahrungsmittel ausgegangen waren, und die dann aber von den Indianern mit Mais und Truthahn versorgt wurden.

Wie Kelly Burton, eine überzeugte Baptistin aus South Carolina, gegenüber ZENIT erklärte, sei dieser Feiertag für viele Amerikaner wichtiger als Weihnachten. Grund genug, pünktlich zu Thanksgiving in den Flieger zu steigen, um von Deutschland aus in ein kleines amerikanisches Dorf zu reisen.

Noch letzte Woche hat das US-Landwirtschaftsministerium in seiner veröffentlichten Studie hervorgehoben, das 14,6 Prozent der Haushalte zeitweise nicht über genügend Geld, um alle Mitglieder angemessen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dabei geht es um rund 40 Millionen Amerikaner. Auf Truthahn und Preiselbeeren müssen trotz Krisenzeiten auch die Armen nicht ganz verzichten. Zu den Bräuchen an „Thanksgiving" gehört, dass Kirchen, Synagogen, Moscheen und selbst Feuerwehren und Restaurants auf Hochtouren für Bedürftige kochen und backen.

Wie AFP heute meldete, wird Hollywood-Legende Kirk Douglas zu Thanksgiving in der US-Millionenstadt Los Angeles Obdachlosen ein kostenloses Truthahn-Mahl servieren. Zusammen mit seiner Frau Anne und hunderten Freiwilligen verteilt der 92-jährige US-Schauspieler in der Los Angeles Mission die traditionelle Mahlzeit an tausende Bedürftige. "Wir kommen gerne hierher, um Männern und Frauen zu Thanksgiving ein gutes Essen zu geben und ihren Wunsch nach einer besseren Zukunft zu stärken", teilte Douglas in einer Erklärung mit, der u.a. mit dem Film "Spartacus" Weltruhm erlangte.

Thanksgiving ist Chance und Versuchung für ein Volk, das mit jeder Dollarnote behauptet: „In God we trust“. Versuchung, weil jedes Gottesvolk sich berufen fühlen kann, mächtig und stark als Herrscher aufzutreten, statt dankbar, vorbehaltlos, das von Gott Geschenkte weiterzugeben, zu teilen.