Thema Arbeit: Heiliger Stuhl sieht sechs große Herausforderungen

Ansprache von Erzbischof Migliore vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der UNO

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NEW YORK, 12. Februar 2007 (ZENIT.org).- Arbeit sei nicht nur der Schlüssel zur sozialen, sondern auch zur kulturellen und moralischen Entwicklung eines Landes, unterstrich Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, am Donnerstag im Rahmen der 45. Sitzung der Kommission für Soziale Entwicklung des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen („Economic and Social Council“, ECOSOC).



Der offizielle Vertreter des Heiligen Vaters nannte sechs Herausforderungen, die aufgrund der heutigen Arbeitssituation vorrangige Beachtung erfahren sollten.

Zunächst verwies Erzbischof Migliore auf die Notwendigkeit, zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit ein Gleichgewicht herzustellen. Die Erklärung der fundamentalen Arbeitsrechte aus dem Jahr 1998 sei nach wie vor der „Eckstein zur Förderung dieses Gleichgewichts“.

Als zweite Herausforderung erwähnte der Vertreter des Heiligen Stuhls die Gleichberechtigung von Mann und Frau am Arbeitsplatz. Das Konzept „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ leuchte zwar jedem ein, in der Praxis würden die Frauen allerdings sowohl in den armen, als auch in den reichen Ländern weiterhin übersehen, benachteiligt und diskriminiert. Dabei wirke sich die Präsenz der Frau auf allen Ebenen positiv auf das Arbeitsklima aus, so Erzbischof Migliore.

Die Unterstützung der Eltern stellt für den Apostolischen Nuntius die dritte große Herausforderung dar. Oft könnten sich Eltern nicht der Erziehung ihrer Kinder widmen, weil sie für ihre Arbeit nicht genügend entlohnt würden. Eine gerechte Entlohnung, die gegebenenfalls auch gesetzlich verankert werden sollte, würde den Eltern die Möglichkeit geben, verantwortungsvoll für die eigenen Kinder zu sorgen und die Notwendigkeit von Kinderarbeit beseitigen.

Die vierte Herausforderung, die es entschieden anzugehen gelte, sei die extreme Armut. Erzbischof Migliore betonte diesbezüglich, dass die Welt zu reich sei, um den „Skandal der extremen Armut“ zu tolerieren. Nachdrücklich rief er in diesem Zusammenhang dazu auf, gegen den Mangel an Sensibilität sowie gegen eine „Politik der Vernachlässigung“ vorzugehen.

In Anbetracht der demographischen Veränderungen stellt für den Ständigen Beobachter die Arbeit von älteren Menschen eine weitere Herausforderung dar. Erzbischof Migliore forderte von den Regierungen ein flexibleres Rentensystem, das für ältere Menschen, die arbeitsfähig und arbeitswillig seien, die Möglichkeit vorsähe, länger zu arbeiten. Jüngere Menschen bat er, den Erfahrungsschatz und die Fähigkeiten der älteren Kollegen entsprechend zu würdigen.

Abschließend kam Erzbischof Celestino Migliore auf die Herausforderung der Migranten zu sprechen. Er wies darauf hin, dass Migranten einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum des jeweiligen Landes leisteten. In diesem Kontext deutete der Erzbischof auf das Problem des Menschenhandels und der Prostitution hin. Darüber hinaus plädierte er dafür, jenen Migranten, die auswanderten, um ihre Familien zu erhalten, die Möglichkeit einer legalen Arbeit zu geben; außerdem sollten deren Angehörigen bei ihnen bleiben dürfen.