Thema Hoffnung: P. Lombardi analysiert Papstbesuch

Lebendige christliche Gemeinschaft in einem säkularisierten Land

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PRAG, 28. September 2009 (ZENIT.org).- „Mir scheint eindeutig die Hoffnung das zentrale Thema dieser Reise zu sein", erklärte P. Federico Lombardi SJ, Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, in einer ersten Einschätzung des Papstbesuchs in Tschechien.

Der Papst sei sich „darüber im Klaren, dass heute diesbezüglich enormer Bedarf besteht". Es gebe einen „großen Durst", und den könne der Glaube stillen - „Weil er in der Lage ist, eine wunderbare Hoffnung zu nähren, die über unsere kleinen Hoffnungen, die sehr kurzlebig sind und unser alltägliches Leben mit einem beschränkten Horizont tragen, hinausgeht."

Es gelte, diese große Hoffnung wiederzuerwecken - jene Hoffnung, „die nie stirbt, die wirklich weit in die Ferne blickt und die die anderen Hoffnungen ernährt und trägt. Vielleicht kann diese Hoffnung niemand so pflegen, wie es die Christen tun, die an den auferstandenen Jesus Christus glauben." Die christliche Hoffnung gleiche einem „Anker, der sich im Himmel befindet, wo Jesus Christus gemeinsam mit seinem Vater" auf uns warte.

Auf dem Flughafengelände von Brno (Brünn), wo Benedikt XVI. gestern, Sonntag, mit rund 150.000 Gläubigen die Eucharistie feierte, war ein meterhoher Anker ein weithin sichtbares Zeichen der „sicheren" und „verlässlichen" Hoffnung, die nur Gott geben könne. „Das ist der Grund, liebe Freunde, warum wir hier sind", so Papst Benedikt in seiner Predigt. „Um vor allem zu hören; um ein Wort zu hören, das uns den Weg weist, der zur Hoffnung führt; ja, um das Wort zu hören, das allein feste Hoffnung geben kann, weil es Gottes Wort ist."

In seinem Grußwort an die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum fasste der Heilige Vater die wesentlichen Inhalte seiner Predigt später folgendermaßen zusammen: „Heute braucht es besonders unser gemeinschaftliches Zeugnis, um neu und kraftvoll die Botschaft des Heils zu verkünden: den gekreuzigten und auferstandenen Herrn - Jesus Christus, die Hoffnung der Menschheit!"

Papst Benedikt forderte alle auf, sich wie Christus um die Mitmenschen zu kümmern, „damit sie glücklich leben können". Sie alle seien auf der Suche nach Wahrheit und Liebe, sehnten sich nach dem wirklichen Leben.

„Zeigen wir ihnen den Weg zu Jesus Christus, der das Leben in Fülle schenkt", so der Appell des Bischofs von Rom. „Mit Freude wollen wir Tag für Tag aus unserem Glauben und unserer Hoffnung leben und am Aufbau einer Gesellschaft mitarbeiten, die auf den Werten des Guten, der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, auf der Liebe zu Gott und dem Nächsten gründet."

P. Federico Lombardi wies in seiner ersten Analyse auch darauf hin, dass Papst Benedikt mit seinem Aufruf zur Förderung von „Freiheit und Wahrheit" die begonnene Arbeit von Papst Johannes Paul II. nach dem Fall des Kommunismus vor 20 Jahren fortsetze. In diesem Zusammenhang nannte der Jesuitenpater insbesondere die programmatische Ansprache, die der Papst am Samstag vor den Politikern des Landes und den Mitgliedern des diplomatischen Korps gehalten hatte.

Angesichts der Tatsache, dass die tschechische Republik zu den am meisten säkularisierten Staaten der Welt gehört, aber dennoch rund 150.000 Gläubigen an der großen Papstmesse am Sonntag teilgenommen hatten, erklärte P. Lombardi: „Wir sind ohne Zweifel in einem säkularisierten Land; aber es ist ein Land, in dem es eine sehr lebendige christliche Gemeinschaft gibt, die voller Glaube und Hoffnung ist und einen herzlichen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann, in der sie lebt."