Thema Menschenrechte: Kolumbianischer Staatspräsident besucht Berlin

Hilfswerke fordern Bundeskanzlerin Merkel zum kritischen Dialog auf

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AACHEN/STUTTGART/FREIBURG, 30. Januar 2009 (ZENIT.org).- Auch wenn in Kolumbien die  Menschenrechtsverletzungen nach offiziellen Angaben in den letzten fünf Jahren abgenommen haben, setzen sich systematische Gewalt und Vertreibung, die auf das Konto der Paramilitärs, der Guerilla und der staatlichen Sicherheitskräfte gehen, in vielen Regionen fort. Die kolumbianische Regierung spricht davon, dass der Konflikt überwunden sei. Doch seit April vergangenen Jahres hat sich die Situation verschärft, und viele Partnerorganisationen von international vernetzten Hilfswerken stehen permanent unter Druck.



Deshalb rufen die Hilfswerke MISEREOR, Brot für die Welt, der Evangelische Entwicklungsdienst und Caritas international mit Blick auf den Besuch des kolumbianischen Präsidenten in Berlin zu einem kritischen Dialog. Konkret fordern sie ein Ende der Gewalt sowie den Schutz der Zivilbevölkerung. Bundeskanzlerin Angela Merkel möge diese Themen bei ihrer Unterredung mit Alvaro Uribe Vèlez am Samstag ansprechen.

„Wenn die Bundeskanzlerin und die Parteispitzen sich mit Präsident Uribe treffen, müssen Menschenrechtsfragen ein zentrales Thema sein“, betonte Kolumbien-Referentin vom katholischen Hilfswerk MISEREOR, Susanne Breuer. „In Kolumbien werden noch immer massiv Menschenrechte verletzt, und die kolumbianische Regierung ist dafür mitverantwortlich. Seit Jahren berichten unsere Partner von Morden an Zivilisten durch das Militär. In den vergangenen Monaten wurde diese skandalöse Praxis von den kolumbianischen Medien ans Tageslicht gebracht. Jetzt müssen diese Verbrechen von zivilen Gerichten verfolgt werden, um die vorherrschende Straflosigkeit zu überwinden.“

Karen Neumeyer vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt bekräftigte: „Im Dezember 2008 haben viele Staaten die Menschenrechtslage in Kolumbien vor dem Menschenrechtsrat in Genf kritisiert und Empfehlungen ausgesprochen. Diese gilt es jetzt vom kolumbianischen Staat einzufordern."

Im Hinblick auf die geplanten Gespräche mit Wirtschaftsvertretern in Berlin betonen die Hilfswerke, dass Menschenrechtsverletzungen und Vertreibungen in Kolumbien auch für die Wirtschaft eine Herausforderung darstellten.

In vielen Fällen stehen diese in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen an Land und Boden, wie zum Beispiel der wachsenden Ölpalmproduktion in der Pazifikregion. Opfer sind oft Menschen, die sich für sozialen Wandel einsetzen, aber auch einfache Kleinbauern und vor allem Gewerkschaftler. Erst im Dezember wurde ein Vertreter der Indigenenorganisation CRIC aus dem Süden Kolumbiens an einer Straßensperre von der Polizei getötet.