Thema Mission: Ratzinger-Schülerkreis trifft sich in Castel Gandolfo

Vom 28. bis zum 30. August zu Besuch bei Papst Benedikt XVI.

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ROM, 18. August 2009 (ZENIT.org).- Vom 28. bis zum 30. August wird sich in Castel Gandolfo der Ratzinger-Schülerkreis treffen. Die Vereinigung von Studenten des ehemaligen Professors Joseph Ratzinger besteht seit 1971. Auch nach der Wahl Ratzingers zum Nachfolger des Petrus im Jahr 2005 ist der Kontakt Benedikts XVI. zu seinen ehemaligen Doktoranden und jungen Wissenschaftlern nicht abgerissen, die sich in besonderer Weise an seiner Theologie inspirieren.


 
Nach den Gesprächen der vergangenen Jahre über den Islam (2005), die Themen Evolution, Evolutionstheorien, Glaube, Theologie und Heilige Schrift (2006 und 2007) sowie über den historischen Jesus und seine Passion (2008) wird in diesem Jahr das Thema der Mission der Kirche im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Papst Benedikt wird am vorletzten Tag des Treffens an den Arbeitssitzungen teilnehmen.
 
Zwei Hauptvorträge sind geplant: Am ersten Abend wird der protestantische Theologe und emeritierte Professor Peter Beyerhaus (Universität Tübingen) das Wort ergreifen. Der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit liegt auf der ökumenischen Theologie. Den zweiten Vortrag wird Heinz Bürkle halten. Der emeritierte Professor von der Universität München war ursprünglich ein protestantischer Theologe und konvertierte Ende der 80er-Jahre zum katholischen Glauben.
 
Beyerhaus wird sich auf das Thema „Mission ad gentes: ihre Rechtfertigung und heutige Gestalt“ konzentrieren, während sich Bürkle des Themas „Kirche und ihrer Mission im Dialog mit den Menschen und den unterschiedlichen Religionen und Kulturen“ annehmen wird.
 
Die Gruppe des Schülerkreises, der auch der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn angehört, wird die Vortragsinhalte gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. näher beleuchten.
 
Auch dieses Jahr widmet der Schülerkreis seine Arbeiten einem heiklen Thema. Die beiden Hauptvortragenden werden sich mit der nicht immer harmonischen Begegnung von katholischen Missionaren mit Vertretern anderer Religionen auseinandersetzen und dabei alle Punkte ansprechen, die verbinden, aber auch jene, die trennen. Dabei werden sie sowohl vor einem übertriebenen Gegensatz als auch vor der Gefahr eines indifferenten religiösen Synkretismus warnen.

Im Jahr 2001 hatte der heutige Papst und damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre in einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ erklärt, dass der Begriff „Mission“ nicht immer gut verstanden werde, da immer der Vorwurf vorgebracht werde, die aus dem Abendland kommenden Christen hätten die antiken Kulturen zerstört. Die historische Sachlage sei aber anderes gelagert, so Ratzinger damals. „Wir wissen, dass die christlichen Missionare in Afrika, Asien, aber auch in Lateinamerika oft die wahren Verteidiger der Menschenwürde waren.“
 
Die Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte 2007 eine Lehrmäßige Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung. In diesem Dokument wird darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei der Verkündigung des Evangeliums an alle Menschen um keinen Proselytismus im negativen Sinn handle. Die Mission sei eine Sendung, „die zum Wesen der Kirche gehört“, und schränke die Freiheit des anderen nicht ein. Denn: „Wenn der Mensch seine grundsätzliche Wahrheitsfähigkeit leugnet, wenn er skeptisch wird gegenüber seinem Vermögen, das Wahre wirklich zu erkennen, wird er am Ende gerade das verlieren, was auf einzigartige Weise seinen Verstand ergreifen und sein Herz faszinieren kann.“