Theologie braucht offenes Denken

Papst Franziskus spricht zu Mitgliedern jesuitischer Hochschulen und Institute

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 320 klicks

Am Donnerstag empfing Papst Franziskus Mitglieder des Zusammenschlusses der jesuitischen Hochschulen und Institute in Rom zu einer Audienz. Der Zusammenschluss besteht aus der Päpstlichen Universität Gregoriana, dem Päpstlichen Bibelinstitut, dem Päpstlichen Institut Orientale und der Stiftung „Fondazione La Gregoriana“. Bei der Audienz war auch der Generalobere des Jesuitenordens, Pater Adolfo Nicolás anwesend. Papst Franziskus sagte zu den Anwesenden:

„Der gute Theologe und Philosoph hat ein offenes und damit unabgeschlossenes Denken, das immer offen ist gegenüber dem ,Mehr‘ Gottes und der Wahrheit, es ist immer in Entwicklung, entsprechend dem Gesetz, das Vinzenz von Lérins so beschreibt: ,Auch das Dogma der christlichen Religion muss diesen Gesetzen folgen. Es schreitet voran, festigt sich mit den Jahren, entwickelt sich mit der Zeit und vertieft sich mit dem Alter‘ (Commonitorium Primum, 23: PL 50, 668). Das ist der Theologe mit einem offenen Geist. Der Theologe, der nicht betet und nicht Gott huldigt, endet im verabscheuungswürdigsten Narzissmus. Das ist eine Krankheit der Kirche. Der Narzissmus der Theologen, der Denker und ,Gerechten‘, tut sehr weh.“

Papst Franziskus betonte seinen Ansatz einer „Theologie auf Knien“, der ihn nach eigenen Angaben mit dem Werk von Kardinal Walter Kasper verbinde, dessen Ansatz er lobend hervorgehoben hatte. Er sagte, eine Herausforderung der Gegenwart bestehe darin, Wissen lebendig zu vermitteln.

„Es braucht eine wahre Hermeneutik des Evangeliums, um das Leben, die Welt, die Menschen besser zu verstehen, keine Synthese, sondern eine spirituelle Atmosphäre der Forschung und der Sicherheit, die auf den Wahrheiten des Verstandes und des Glaubens gründet. Philosophie und Theologie erlauben es, Überzeugungen zu gewinnen, die die Intelligenz strukturieren und sie stärken und den Willen erleuchten… Doch all das ist nur fruchtbar, wenn man es mit einem offenen Geist und auf Knien vollzieht. Mit offenem Geist und auf Knien. Der Theologe, der sich am eigenen abgeschlossenen Denken ergötzt, ist mittelmäßig.”

Papst Franziskus erinnerte seine Zuhörerschaft daran, dass der Zusammenschluss der jesuitischen Hochschulen und Institute in Rom in jesuitischer Hand sei und als solcher im Zeichen des Gehorsams gegenüber dem Papst und der katholischen Kirche stehe. Er rief dazu auf, die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen zu verstärken: Ihre Aufgabe sei die Bewahrung der Geschichte und ein zukunftsorientierter Blick auf die Herausforderungen der Moderne. Ein unschätzbarer Reichtum der römischen Institutionen sei ihr internationaler Charakter, da die in den Instituten arbeitenden Menschen eine enorme Vielfalt unterschiedlicher Herkunftskirchen und Kulturen böten.

„Das bietet eine kostbare Gelegenheit für das Wachstum des Glaubens und eine Öffnung des Geistes und des Herzens gegenüber dem Horizont der Katholizität. Innerhalb dieses Horizontes hat die Dialektik zwischen ,Zentrum‘ und ,Peripherie‘ eine eigene Form, eine Form des Evangeliums, der Logik eines Gottes entsprechend, der das Zentrum erreicht, indem er vom Rand her kommt und zu diesem wieder zurückkehrt.“

Auch der Standort Rom sei ein besonderer: Das Andenken der Apostel und Märtyrer der katholischen Kirche sei ebenso vorhanden, wie das aktuelle Leben einer Weltkirche, die „im Dienste der Bedürftigen, der Einheit und der Universalität stehe“. Ohne das Gebet und ein enges Verhältnis zu Gott könne man nicht studieren und forschen.

„Euer geistiger Einsatz, in der Lehre und bei der Recherche, beim Studium und der weiterreichenden Bildung, wird umso fruchtbarer und effizienter, als er durch die Liebe zu Christus und zur Kirche belebt ist und je enger die Beziehung zwischen Studium und Gebet ist. Dies ist keine antike Sache, sondern das Zentrum, hört ihr?“

Papst Franziskus fuhr fort, das persönliche und gemeinschaftliche Leben müssen nicht nur mit dem Leben eine Einheit bilden, sondern auch mit einem Lebensstil, der aus „brüderlicher Barmherzigkeit“ und dem „Teilen mit den Armen“ bestehe.

„Eure Institute sind keine Automaten, die Theologen und Philosophen produzieren; es sind Gemeinschaften, in denen man wächst, und dieses Wachstum passiert innerhalb einer Familie.“