Thomanerchor aus Leipzig in Rom

Privatkonzert in der sixtinischen Kapelle und Papstmesse im Petersdom zum Patronatsfest

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 484 klicks

Die Einladung des Thomanerchors nach Rom geht noch auf eine Initiative Benedikt XVI. zurück und wurde maßgeblich von seinem Bruder Georg Ratzinger unterstützt. Dieser schätzt als ehemaliger Kapellmeister der Regensburger Domspatzen die Arbeit des Chors und ihres Chorleiters Georg Christof Biller, der den Chor seit 1992 leitet. Neben dem Thomanerchor sang ebenfalls die Cappella Musicale Pontifica der Sixtinischen Kapelle. Neben Stücken von Johann Sebastian Bach wurden auch Stücke Giovanni Pierluigi Palestrinas und anderen gespielt.

Der weltweit bekannte Knabenchor aus Leipzig wurde 1212 zusammen mit der Thomasschule auf eine Initiative des Markgrafen Dietrich des Bedrängten von Meißen unter der Regentschaft von Otto IV. gegründet. Beides gehörte einst zum Augustiner-Chorherrenstift des Klosters St. Thomas in Leipzig, dem 1213 die spätere Thomaskirche als Stiftskirche übergeben wurde. Seine Bekanntheit schuldet der Chor nicht zuletzt seiner Leitung durch viele berühmte Musiker und Komponisten, wie Johann Sebastian Bach, der dem Chor 1723 vorstand. Als einer der ältesten Chöre überhaupt besteht er aus etwa 100 Knaben im Alter von 8 bis 18 Jahren (zu Zeiten Bachs aus etwa 55 Knaben). Der Thomasschule, ein Gymnasium mit sprachlichem Profil und musischer Ausbildung, ist ein Internat angegliedert, das Thomasalumnat, das von den jungen Sängern während ihrer Zeit im Thomaschor besucht wird. 1245 war diese Schule als „scuola exterior“ belegt, die gegen ein Schulgeld Kindern wohlhabender Leipziger Bürger zugänglich war. Somit ist die Thomasschule Deutschlands älteste öffentliche Schule.

Das Tätigkeitsfeld der Chorschüler hat sich von der Gründung des Chors an über die Zeit der Reformation bis heute nicht wesentlich geändert. Sie sangen und singen bei Gottesdiensten und geben Konzerte. Das Repertoire besteht unter anderem auch aus Eigenkompositionen der Thomaskantoren und wird durch Abschriften und Ankäufe von Notendrucken stetig erweitert.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Auftritt des Thomanerchors in Rom dadurch zu, dass zum ersten Mal ein protestantisch geprägter Chor im Zentrum der römisch-katholischen Kirche gesungen hat. So sprach der sächsische Landesbischof Jochen Bohl von einem „ökumenischen Zeugnis, das die Gemeinschaft in der Kirche Jesu Christi gestärkt habe“. Bohl dankte allen für diese „ökumenische Initiative“, die Anfang Juni bereits in Dresden und Leipzig stattgefunden hatte. Auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zeigte sich dankbar und sprach von einem Zusammenklingen deutscher und römischer Tradition. Auch er hob die besondere Bedeutung des gemeinsamen Singens der Chöre im Petersdom hervor und sprach davon, dass ein Zeichen gesetzt worden sei, das den Willen zur Einheit zeige.