Tintoretto: Der heilige Georg besiegt den Drachen

Der heilige Georg: Nothelfer, Heiliger

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 690 klicks

Georg soll am Ende des 3. Jahrhunderts in Kappadozien gelebt haben und ein römischer Offizier aus vornehmer Familie gewesen sein. Im Kriegsdienst unter Kaiser Diokletian erwarb er hohe Auszeichnungen. Der als „Drachenkämpfer“ bekannte Heilige wird in der bildenden Kunst häufig als Ritter auf einem Pferd mit einem Drachen kämpfend und einer Prinzessin dargestellt. Diese Attribute leiten sich aus der bekannten Legende ab, nach der Georg einen Drachen besiegte und so eine Prinzessin vor dem sicheren Tod bewahrte. 

Tintoretto (1518-1594), eigentlich Jacopo Robusti, stellt in seinem Gemälde „Der heilige Georg“ (1553-55), das er für einen Patrizier malte, den Heiligen im Kampf mit dem Drachen dar. Die Dramatik der Situation wird für den Betrachter dadurch noch deutlicher, dass Tintoretto die Kampfszene in den Hintergrund des heute in London in der National Gallery aufbewahrten relativ kleinformatigen Ölgemäldes (158,3 x 100,5 cm) verlagert und die dem Tod nur knapp entflohene Prinzessin hingegen im Vordergrund darstellt. Angst und Verzweiflung zeichnen ihr zartes Gesicht. In der Panik sind ihre kostbaren, seidig schimmernden Kleider verrutscht. Die Dramatik und Bewegtheit der Situation werden zusätzlich durch die wallende Stola der Prinzessin betont, deren Farbe sich auch am Gewand des heiligen Georgs wiederfindet und dadurch zusätzlich die beiden Szenen kompositorisch miteinander verbindet. Georg, zu Pferd in einer Landschaft am Ufer des Sees vor der Stadt Silena in Lybia dargestellt, ist im Begriff, den vor ihm zurückweichenden Drachen zu überwinden. Seine Lanze hat er bereits zielsicher auf den Drachen gerichtet. Den tapferen Ritter hat auch nicht der am Boden liegende Leichnam, eines der vielen Opfer des Drachens, von seinem beherzten Eingreifen abbringen können. Über dem Heiligen sieht man Gottvater segnend im Himmel, der das irdische Geschehen verfolgt.

Der Legende nach wurde nämlich die Stadt des Königs schon seit geraumer Zeit von dem Drachen bedroht und konnte nur durch Menschenopfer besänftigt werden. Schließlich fiel eines Tages das Los auf die Königstochter. Als die Prinzessin schon dem Drachen bereitet war, kam Georg zufällig des Weges vorbei, überwand den Drachen und ließ ihn von der Prinzessin in die Stadt führen. Er versprach, die Bevölkerung endgültig von dem Drachen zu befreien, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekehrten. So geschah es. Die reichen Geschenke, die der heilige Georg zur Belohnung erhalten hatte, verteilte er an die Armen.

Georg soll der Legende nach 303 in Lydda oder in Nikomedien den Märytertod gestorben sein. Ein Richter namens Dacianus ließ Christen verfolgen und hinrichten. Auch Georg weigerte sich, die heidnische Götter zu ehren, und verteidigte das Christentum. Trotz Folter ließ er nicht ab. Daraufhin bot ihm Dacianus an, sich in einen heidnischen Tempel zu begeben, um dort zu den Göttern zu beten. Georg nahm das Angebot an, aber im Tempel angekommen, rief er Gott an, den Tempel zu zerstören. Georg wurde ergriffen und enthauptet. Der Tempel aber brannte nieder, und die Flammen rissen auch Dacianus in den Tod.

Die ersten dem heiligen Georg geweihten Kirchen sind ab dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Besonders belebt wurde der Georgskult durch Heinrich II., der dem Heiligen den Ostchor des Bamberger Doms weihte. Die Kreuzfahrer vertrauten sich Georg an und schrieben ihre Siege dem Beistand des Heiligen zu. Der heilige Georg wurde zum Patron zahlreicher Städten, wie Ferrara oder auch Genua. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zählt er zu den Vierzehn Nothelfern.