Tod von Kardinal Stanislaw Nagy, Pionier der Ökumene

Papst Franziskus würdigte ihn als lieben Freund und großzügigen Diener des Evangeliums und der Kirche

Rom, (ZENIT.org) | 513 klicks

Gestern Vormittag verstarb Kardinal Stanislaw Nagy, Mitglied der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) und Diakon von S. Maria della Scala im Alter von 91 Jahren in Krakau.

In seinem dem Erzbischof von Krakau, Seiner Eminenz Kardinal Stanislaw Dziwisz, übersandten Beileidstelegramm bezeichnete Papst Franziskus den Kardinal als „lieben Freund, der vor allem in der akademischen Welt dem Evangelium und der Kirche als geschätzter Gelehrter und fähiger Dozent theologischer Disziplinen großzügig gedient hat.“ An die Angehörigen von Kardinal Nagy und die Kongregation der Dehonianer gewandt, erinnerte der Papst ferner mit Dankbarkeit an die „fruchtbare Zusammenarbeit, herzliche Freundschaft und gegenseitige Achtung“, die den Kardinal mit dem seligen Johannes Paul II. verbanden, sowie an „seine intensive ökumenische Tätigkeit.“ An späterer Stelle im Telegramm versprach Franziskus „innige Gebete zum Herrn, auf dass er diesen getreuen Diener und herausragenden Mann der Kirche durch die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria in Freude und im ewigen Frieden aufnehme.“

Kardinal Stanislaw Nagy erblickte am 30. September 1921 in Bieruń Stary in der Erzdiözese Kattowitz (Katowice, Polen) als Kind einer Arbeiterfamilie das Licht der Welt. Im Jahre 1937 trat er der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester bei.Am 8.Juli 1945 empfing er in Krakau das Sakrament der Priesterweihe. An der Katholischen Universität Lublin absolvierte er 1952 ein Doktoratsstudium. Es folgte die Habilitation im Jahre 1968. Anschließend bekleidete er innerhalb seiner Ordensgemeinschaft wichtige Ämter und widmete sich der Lehr- und Forschungstätigkeit im wissenschaftlichen Bereich.

Von 1947 bis 1950 war er Rektor des kleinen Seminars der Herz-Jesu-Priester in Cracovia-Plaszów und von 1952 bis 1958 des großen Seminars derselben Ordensgemeinschaft in Tarnów. Von 1957 bis 1962 wirkte er als Direktor theologischer Studien der Herz-Jesu-Priester. 1958 wurde er Dozent an der Katholischen Universität Lublin. Im Jahre 1972 erhielt er eine ordentliche Professur.

Papst Franziskus erinnerte an die intensive Tätigkeit Kardinal Nagys im Bereich der Ökumene, auf Grund derer er als „Pionier“ der Ökumene in Polen galt. Neben seiner Funktion als erster Direktor der Abteilung für vergleichende und ökumenische Theologie und seiner Teilnahme an der ökumenischen Bewegung war er von 1973 bis 1974 Mitglied der von Sekretariat für die Einheit der Christen des Heiligen Stuhls und dem lutherischen Weltbund einberufenen gemischten katholisch-lutherischen Kommission. Anschließend wirkte er als Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission und als Direktor der Abteilung „Ökumenische Theologie“ der Redaktion der katholischen Enzyklopädie der Universität Lublin.

Während seiner langen akademischen Tätigkeit befasste er sich vor allem mit der Frage der Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Transformationen in der Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil und beleuchtete die Öffnung der Kirche zu anderen christlichen Bekenntnissen.

Neben der seit den Priesterjahren bestehenden Freundschaft verband ihn mit Johannes Paul II. auch die sofort beginnende Mitarbeit mit dem ehemaligen Papst. Der Kardinal verfasste zahlreiche Publikationen über die Tätigkeit und die Lehren des seligen Wojtyla. Johannes Paul II. selbst verlieh ihm im Konsistorium von 21. Oktober 2003 Kardinalsweihedie Kardinalswürde mit der Titelkirche Santa Maria della Scala.