Tony Blair in Rimini: Die Gesellschaft muss dem Glauben Raum geben

Der ehemalige britische Premierminister erzählt von seiner Konversion

| 1644 klicks

RIMINI, 28. August 2009 (ZENIT.org).- Damit es in einer Gesellschaft harmonisch zugehen könne, „muss sie dem Glauben Raum geben“, bekräftigte der ehemalige britische Premierminister Tony Blair gestern, Donnerstag, bei der 30. Ausgabe des „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ (vgl. Programm) in Rimini.



Vor rund 15.000 Zuhörern kam Blair unter anderem auf seine Konversion zu sprechen. Als er sich darauf vorbereitet habe, in die katholische Kirche einzutreten, habe er sich gefühlt, als würde er nach Hause kommen. Seine Frau, eine überzeugte Katholikin, habe ihm seine Konversion „erleichtert“, sagte Blair. Die katholische Kirche sehe er nicht „nur aufgrund ihrer Lehre oder ihres Lehramts“ als sein Zuhause an, sondern „aufgrund ihrer Universalität“.

Der Gründer der Faith Foundation zitierte in seinem Vortrag mehrmals aus der letzten Enzyklika Benedikts XVI., Caritas in veritate, und bekräftigte, dass es sich lohne, „sie einmal und immer wieder zu lesen – sie ist ein Gegenangriff auf den Relativismus“.

Mit Worten des Papstes betonte Blair, dass der Mensch ohne Gott nicht wissen könne, wohin er gehen solle – ein Gedanke, der gerade in der globalisierten Welt von heute von entscheidender Bedeutung sei. Damit die globalisierte Welt nicht zum Spielball der Macht werde, müsse es eine Gegenkraft geben, die das Gemeinwohl anstrebe. Als Modell einer globalen Einrichtung müsste die Weltkirche auf den Plan treten und zur Lösung jener Probleme beitragen, die mit der Globalisierung zu haben.

Blair betonte mit Blick auf die multikulturelle Gesellschaft, dass es notwendig sei, „die jüdisch-christlichen Wurzeln der Länder Europas zu respektieren“, und fügte hinzu: „Man muss auch Respekt für die Identität unserer Nationen fordern, die im Laufe von Jahrtausenden gewachsen sind.“

Der häufig vertretenen Ansicht, Religion schüre Konflikte, müsse man wirksam entgegentreten, indem man verständlich mache, „dass der Glaube dazu antreibt, Gerechtigkeit herzustellen. So werden wir das wahre Antlitz Gottes sichtbar machen, das Liebe und Erbarmen ist.“

Für Blair ist der Glaube „nicht eine Form von Aberglaube, sondern die Rettung für den Menschen. Er ist keine Flucht aus dem Leben. Der Glaube und die Vernunft sind miteinander verbunden, sind niemals Gegensätze. Glaube und Vernunft helfen einander, sie stärken sich gegenseitig und konkurrieren nicht miteinander. Deshalb wird die Stimme der Kirche gehört – die Stimme des Glaubens muss immer Gehör finden. Das ist unsere Aufgabe für das 21. Jahrhundert.“

Mit Bezug auf den Friedensprozess im Nahen Osten merkte Blair an, dass Israel mit echter Sicherheit und die Palästinenser mit einem eigenen unabhängigen Staat müssten rechnen können. „Es wäre ein großartiges Zeichen der Versöhnung und der Hoffnung, wenn das Heilige Land ein Ort wäre, wo Versöhnung und Frieden herrschen.“