Totgeborene Kinder dürfen nicht mit dem Klinikabfall entsorgt werden

Die Rechte der Sternenkinder und ihrer Eltern

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 247 klicks

Ich bitte die politischen Verantwortungsträger zwei Dinge nicht zu vergessen: die Würde des Menschen und das Gemeinwohl“ (Papst Franziskus, Tweet vom 1. Mai 2014).

Der Europäische Gerichtshof fällte am 12. Juni dieses Jahres eine wichtige Entscheidung: totgeborene Kinder dürfen von den Krankenhäusern nicht stillschweigend mit dem Klinikabfall entsorgt werden (AZ: 50132/12). Ein kroatisches Ehepaar hatte, wie die kfd berichtete, Klage eingereicht, nachdem sein Kind in einer Klinik in Split tot zur Welt gekommen und mit dem Klinikabfall verbrannt worden war. Nach der Geburt waren die Eltern so geschockt, dass sie nicht in der Lage waren, die Formalitäten für eine Beerdigung einzuleiten. Als sich das Ehepaar nach dem Verbleib ihres Kindes erkundigte, musste es erfahren, dass das Kind mit Klinikabfällen im Krematorium verbrannt worden war. Die Eltern hatten dazu keinerlei Einwilligung erteilt. Der Vorgang wurde nicht dokumentiert und den Eltern keine Urne übergeben. Der kroatische Staat, Träger des Krankenhauses, wurde deshalb wegen Verletzung des Rechts auf Privat- und Familienleben zu einer Zahlung von 12.300 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Um derartige Fälle und jegliche Unklarheiten auszuschließen, stimmte der Bundestag bereits 2013 dem Personenstandsrechtsänderungsgesetz zu. Unter das Gesetz fallen Eltern von Kindern, die mit einem Gewicht von unter 500 Gramm tot zur Welt kommen. Die Eltern können seit der Änderung die Geburt ihres toten Kindes beim Standesamt eintragen lassen, wobei den Bundesländern die Kompetenz der weiteren Ausgestaltung obliegt.

Für die Rechte der „Sternenkinder“ und ihrer Eltern setzt sich das Portal der Sternenkinder-Eltern im Netz ein.

Eltern, deren Kind vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben ist, finden hier Unterstützung und Informationen. So erfahren die betroffenen Eltern zum Beispiel, dass sie ein Recht auf die Herausgabe ihres fehlgeborenen Kindes haben und dass die Kinder wie alle Verstorbenen für 36 Stunden zu Hause aufgebahrt werden dürfen.