Totto von Ottobeuren (8./9. Jahrhundert) oder die Anfänge des Klosters Ottobeuren

Mitgründer und erster Abt des Klosters Ottobeuren

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 236 klicks

Über Totto (Toto) von Ottobeuren sind kaum geschichtliche Zeugnisse überliefert. Er stammte aus dem Geschlecht der Grafen Silach. Der Überlieferung nach stifteten sein Vater und seine Mutter gemeinsam mit ihren drei Söhnen um 764 auf ihrem Landgut ein Kloster. Es unterstand der Regel des heiligen Benedikt und wurde dem heiligen Petrus und dem heiligen Alexander geweiht. Die Reliquien des heiligen Alexander waren eigens aus Rom überführt worden.

Toto besiedelte das Kloster gemeinsam mit Mönchen, die aus dem Kloster auf der Insel Reichenau und in St. Gallen, d.h. aus dem Bodenseeraum, gekommen waren. Toto, der der Überlieferung nach große Wertschätzung wegen seines frommen Lebensstils genoss, blieb bis zu seinem Tode als Abt im Kloster Ottobeuren. Er starb am 19. November 815.

In einem Totenregister heißt es: „Toto, unser Abt, welcher den Leib des heiligen Alexanders hierher gebracht, und dessen Eltern haben diesen Ort gestiftet.“[1]

Rund 350 Jahre nach dem Tod Totos, im Jahr 1163, erhob Abt Isengrin seine sterblichen Überreste und ließ sie unter dem Hochaltar beisetzen. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts wurde die Grabstätte zerstört. Die Überbleibsel bestattete Abt Leonhard gemeinsam mit anderen Reliquien.

Das Kloster erlebte in der Folgezeit drei Blütephasen: im 12. Jahrhundert unter Abt Rupert und dessen Nachfolger als bedeutendes Zentrum der Buchmalerei und der Hirsauer Refom, im 16. Jahrhundert als Zentrum des süddeutschen Humanismus und im 18. Jahrhundert unter Abt Rupert II. mit dem Ausbau der barocken Anlage und der Förderung des religiösen, sozialen, künstlerischen und wirtschaftlichen Lebens im ganzen Stiftsgebiet. Im Jahr 1802, als das Kloster säkularisiert wurde, umfasste der Klosterstaat Ottobeuren 27 Dörfer mit 10.000 Untertanen im Umland. 1834 nahm das Kloster wieder seinen Dienst auf, da sich die Mönche durch keinerlei staatliche Maßnahmen hatten vertreiben lassen. Seit 1918 ist Ottobeuren wieder eine selbständige Abtei. Im Kloster Ottobeuren leben heute 19 Mönche im Alter von 25 bis 80 Jahren.

FUSSNOTE

[1] zitiert nach Martin Gerbert: „Reisen durch Alemannien“, Ulm Frankfurt und Leipzig 1767, S. 138