„Totus Tuus – Neuevangelisierung“: Unter der Führung der Gottesmutter im Dienst der Jugend

Interview mit Thomas Müller

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MÜNCHEN, 27. November 2007 (ZENIT.org).- Das wichtigste Apostolat der Gemeinschaft Totus Tuus, die im Dienst der Neuevangelisierung steht und vor allem in den Pfarreien wirkt (etwa im Firmunterricht), sind die Jugendwallfahrten nach Medjugorje.

„Jedes Jahr fahren mit ‚Totus Tuus‘ rund 600 bis 700 Jugendliche und junge Erwachsene zu diesem Gnadenort“, und immer wieder habe er dabei tiefe Bekehrungen miterleben dürfen, berichtete Thomas Müller, der in der Jugendarbeit engagiert ist.



„Totus Tuus“, das Lebensmotto Johannes Pauls II., das übersetzt „Ganz dein“ bedeutet, bringt den Kern der Spiritualität der 1994 entstandenen kirchlichen Einrichtung auf den Punkt, nämlich die vollkommene Hingabe an Jesus durch Maria. In der Treue zum Lehramt der katholischen Kirche, der Weihe an Maria und im charismatischen Gebet nimmt sie konkrete Züge an.

Thomas Müller ging gegenüber ZENIT auf Geschichte und Sendung von „Totus Tuus“ ein.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde „Totus Tuus“ gegründet? Welche Aspekte waren den Gründern besonders wichtig?

Müller: Die Gemeinschaft „Totus Tuus“ ist eine Frucht des Wirkens der Gottesmutter in Medjugorje. Am Beginn unserer Gemeinschaft steht das Ehepaar Leon und Birgit Dolenec. Beide sind bei einer Wallfahrt nach Medjugorje einer Gruppe von gläubigen Jugendlichen begegnet, die ihre Freude am Gebet und am Lobpreis Gottes sichtbar zum Ausdruck brachten. Als sie diese Jugendlichen sahen, dachten beide: Gläubige Jugendliche, die Freude an Gott haben und bereit sind, sich für die Verkündigung des Glaubens einzusetzen, müsste es in Deutschland auch geben.

Dieser Sehnsucht, die durch Gebet und Fasten weiter wuchs, entsprang die Idee, eine Wallfahrt für Jugendliche nach Medjugorje anzubieten. Zu Ostern 1994 war es so weit: Ein Bus mit 70 Jugendlichen aus dem Ruhgebiet brach nach Medjugorje auf. Die Frucht dieser Wallfahrt war ein Freundeskreis junger Christen, die den brennenden Wunsch hatten, durch Gebet, Opfer und konkrete Evangelisation, besonders unter Jugendlichen, die Schönheit und Freude am katholischen Glauben weiterzugeben.

In dieser ursprünglichen Vision, die mit großem Eifer umgesetzt wurde, war noch gar nicht die Idee einer konkreten kirchenrechtlich strukturierten Gemeinschaft enthalten. Erst in den Jahren danach ist unter der Führung des Heiligen Geistes Schritt für Schritt gewachsen, was wir nicht einmal im Ansatz geplant hatten. Von Anfang an waren wir uns einig, dass die Sakramente (besonders Eucharistie und Beichte), das Gebet (Rosenkranz und Lobpreis), die Botschaften von Medjugorje und die Weihe an die Gottesmutter das Fundament all unserer apostolischen Tätigkeiten sein müssen und das wir nur das glaubwürdig verkünden können, was wir auch selber bemüht sind zu leben.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt Ihre Gemeinschaft bei der Verbreitung des Evangeliums?

Müller: Den Kern all unserer Dienste bei der Verbreitung des Evangeliums kann man in einem Satz zusammenfassen: „Wir wollen einen Rahmen schaffen, in dem der Mensch von heute eine Erfahrung der Liebe Gottes machen kann!“

Warum ist das heute so wichtig? Die Menschen, insbesondere die Jugendlichen von heute, haben eine ganz tiefe Sehnsucht nach Liebe. Geliebt und angenommen zu sein, ohne etwas dafür leisten zu müssen. Diese Sehnsucht wird aber in unserer Zeit nicht selten durch Konsum, Musik, Alkohol, Fernsehen, unkeuschen Lebenswandel betäubt und verdeckt, und doch ist sie tief im Herzen vorhanden. Nicht wenige Jugendliche kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen und haben zu Hause oft nur sehr wenig Liebe erfahren, was die Sehnsucht nach echter Liebe nur noch größer werden lässt.

Wir haben erfahren, dass Gott, die Liebe selbst, der einzige ist, der diese Sehnsucht erfüllen kann. Deswegen geben wir Glaubenszeugnisse von unserer eigenen Erfahrung der Liebe Gottes und laden die Menschen ein, diese heilende und versöhnende Liebe Gottes selber zu erfahren, zum Beispiel im Sakrament der Beichte, in der eucharistischen Anbetung, im Lobpreis, etc. Ich bin immer wieder überrascht und erstaunt, wie tief Christus selber die Herzen der Menschen berührt, heilt und verwandelt, wenn sie sich nur ein wenig für ihn öffnen.

ZENIT: Was hat Sie dazu motiviert, sich „Totus Tuus“ anzuschließen?

Müller: Als ich im Sommer 1995 diese Gruppe junger Leute kennen lernte, die damals noch nicht einmal einen Namen hatte, waren es drei Dinge, die mich direkt angesprochen haben. Zum einen die radikale Entschiedenheit für Jesus und Maria, was man auch etwas theologisch formuliert als gemeinschaftliches Streben nach Heiligkeit bezeichnen könnte. Als zweites fiel mir auf, das bei vielen ein großes Vertrauen auf das Wirken und die Vorsehung Gottes vorhanden war, obwohl die Gruppe damals eigentlich ein chaotischer Haufen fast mittelloser junger Leute war, die aber in ihrem Herzen die Sehnsucht trugen, die Jugend zu Christus zu führen. Der dritte Punkt war, das ich selber die Sehnsucht nach Evangelisation im Herzen trug und hier einen Weg sah, wie sich dies recht unkonventionell und mit viel Freude umsetzen ließ.

Ich weiß noch recht gut, wie bei einem Nachtreffen einer Medjugorje-Wallfahrt über Evangelisation an Universitäten gesprochen wurde. Das fand ich spannend, denn ich studierte damals in Bonn Chemie. Gleich nach dem Vortrag ging ich zu Leon, der zu uns gesprochen hatte, und fragte ihn, ob die Gruppe schon jemanden in Bonn habe, der dort in dieser Richtung aktiv wäre. Leon schaute mich an, grinste und sagte: „ Ja – dich!“

So kam es, dass ich vor der Hauptmensa eine Straßenevangelisation organisierte und wir mit 25 jungen Leuten dort einen Tag lang präsent waren. Seit dieser Zeit bin ich immer mehr in die entstehende Gemeinschaft hinein gewachsen.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzen Sie das um?

Müller: Schon immer war es unser Wunsch und Ziel, ganz in und für die Kirche da zu sein. Deswegen haben wir sehr früh begonnen, unsere Gemeinschaft und unsere Apostolate den Bischöfen vorzustellen, in deren Diözesen wir einen Schwerpunkt unserer Arbeit hatten. Die Bischöfe waren erfreut über unser Wirken und gaben uns ihren Segen, weil sie sahen, dass unser Apostolat kein Schmoren im eigenen „Gemeinschaftssaft“ ist, sondern der Kirche vor Ort dient. Konkret wird dies zum Beispiel bei Glaubenswochenenden für Jugendliche, die unsere Gemeinschaft im Rahmen der Firmvorbereitung durchführt und wozu wir von vielen Pfarreien in ganz Deutschland eingeladen werden.

Dabei ist es nicht unser Ziel, die Jugendlichen für unsere Gemeinschaft zu werben, sondern sie zu einem entschiedenen und frohen Leben in ihrer Pfarrei aus der Erfahrung der Liebe Gottes heraus zu ermutigen. Über diese Glaubenskurse für Firmlinge und Jugendliche ist mittlerweile auch ein Buch erschienen. Es trägt den Titel Ein Glaubenskurs für Jugendliche und wurde von Joachim M. Federhen verfasst.

Ein weiteres Apostolat mit einer ähnlichen Zielrichtung, aber altersunabhängig, sind die Gemeindemissionen, die wir am Wochenende mit einem Team von 15 bis 25 Personen für Pfarreien anbieten. Ebenso sind in einigen Pfarreien Gebetskreise entstanden – Menschen, die wöchentlich gemeinsam vor Ort beten, sich über das Wort Gottes austauschen und offen sind für alle Interessierten.

Bei all dem ist es ein großer Vorteil der Struktur unserer Laiengemeinschaft, dass wir nicht klösterlich in einem gemeinsamen Haus wohnen und arbeiten. Alle Mitglieder von „Totus Tuus“ leben verstreut an vielen Orten in ihrem Alltag von Ausbildung, Studium, Beruf und Familie, und sind von daher schon durch ihren Wohnort ganz natürlich mit ihrer Heimatpfarrei verbunden.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind für Sie mit Blick auf die Jugend heute besonders wichtig?

Müller: Unser ältestes ist zugleich auch unser wichtigstes und fruchtbarstes Apostolat für die Jugend, nämlich die Jugendwallfahrten nach Medjugorje. Jedes Jahr fahren mit „Totus Tuus“ rund 600 bis 700 Jugendliche und junge Erwachsene zu diesem Gnadenort. Sehr viele erfahren eine tief greifende, dauerhafte Bekehrung ihres Lebens, darunter häufig Jugendliche, die zuvor mit Gott und Kirche nichts zu tun hatten und manchmal nur durch Zufall bei einer Wallfahrt gelandet sind. Eine nicht seltene Folge davon ist, dass sich durch das gelebte Zeugnis dieser Jugendlichen ganze Familien bekehren und anfangen, den Glauben zu praktizieren.

Die Glaubenskurse für Firmlinge und Jugendliche habe ich schon erwähnt. Das jüngste unserer Apostolate sind Camps für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 14 Jahren an Wochenende und in den Ferien. Uns ist aufgefallen, dass diese Altergruppe zwischen den beiden kirchlichen Höhepunkten von Erstkommunion und Firmung oft in der normalen Pfarrei untergeht. Aus diesem Grund haben wir die Kindercamps ins Leben gerufen, um den Kindern und Jugendlichen in diesem Alter verbunden mit viel Spiel, Spaß und Freizeit einen altersgerechten Zugang zu Gott und dem Glauben der Kirche zu ermöglichen. In diesem Alter sind die jungen Menschen ja meist noch sehr aufgeschlossen für diese Thematik. Weitere Informationen zu diesen und unseren anderen Apostolaten finden Sie auf unserer Homepage.