"Tourismus und Wasser: unsere gemeinsame Zukunft schützen"

Botschaft des Vatikans zum Welttourismustag 2013

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 765 klicks

Der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs hat heute die Botschaft des Vatikans zum Welttourismustag 2013 veröffentlicht. Wir übernehmen die deutsche Übersetzung im Wortlaut.

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Am 27. September feiern wir den Welttag des Tourismus’ unter dem Thema, das die Welttourismusorganisation für dieses Jahr vorgeschlagen hat:

Tourismus und Wasser: unsere gemeinsame Zukunft schützen“. Dies steht im Einklang mit dem „Internationalen Jahr zur Zusammenarbeit im Bereich Wasser“, das vor dem Hintergrund der internationalen Aktionsdekade „Wasser für das Leben“ (2005-2015) von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit dem Ziel ausgerufen wurde, zu betonen, „dass Wasser für die nachhaltige Entwicklung, namentlich auch für die Erhaltung der Umwelt und die Beseitigung von Armut und Hunger, von entscheidender Bedeutung, für die menschliche Gesundheit und das menschliche Wohlergehen unverzichtbar und für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele wesentlich ist.“1

Auch der Heilige Stuhl möchte sich diesem Gedenktag anschließen, und seinen Beitrag aus der ihm eigenen Sichtweise in dem Bewusstsein der Bedeutung leisten, die dem Phänomen des Tourismus in unserer Zeit zukommt, aber auch eingedenk der Herausforderungen und den Möglichkeiten, die er für unsere Evangelisierung bietet. Es handelt sich hier um einen der weltweit am stärksten und schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche. Man darf nicht vergessen, dass im vergangenen Jahr die Marke von einer Milliarde internationaler Touristen überschritten wurde, zu denen die noch höhere Zahl des inländischen Tourismus hinzukommt.

Für den Bereich des Tourismus’ ist das Wasser von grundlegender Bedeutung, ein Kapital und eine Ressource. Es ist ein Kapital, denn die Menschen fühlen sich natürlich zu ihm hingezogen und Millionen Touristen möchten dieses Naturelement in ihren freien Tagen genießen und wählen ihren Zielort in einem der Ökosysteme, in denen das Wasser eines der wichtigsten Merkmale darstellt (Feuchtgebiete, Strände, Flüsse, Seen, Wasserfälle, Inseln, Gletscher oder Schneefelder, um nur einige zu erwähnen), oder sie möchten von seinen zahlreichen Vorzügen Gebrauch machen (besonders in Bade- und Kurorten). Gleichzeitig stellt das Wasser auch eine Ressource im Tourismusbereich dar und ist unter anderem für Hotels, Restaurants und die Freizeitaktivitäten unentbehrlich.

Den Blick auf die Zukunft gerichtet kann der Tourismus ein echter Gewinn sein, wenn es ihm gelingt, die Ressourcen nach den Kriterien einer „green economy“ zu nutzen, eine Wirtschaft, deren Umweltauswirkungen sich in vertretbaren Grenzen halten. Es muss also darum gehen, einen ökologischen, respektvollen und nachhaltigen Tourismus zu fördern, der dann sicherlich neue Arbeitsplätze schaffen, die heimische Wirtschaft stärken und die Armut reduzieren kann.

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass dem Tourismus eine entscheidende Rolle im Umweltschutz zukommt, denn er kann ein großer Verbündeter, aber auch sein schlimmster Feind sein. Wenn man es zum Beispiel zulässt, dass die Tourismusindustrie auf der Suche nach schnellem und einfachem wirtschaftlichen Gewinn einen Ort verschmutzt, wird dieser Ort bald aufhören, ein Wunschziel für Touristen zu sein.

Wir wissen, dass dem Wasser eine Schlüsselfunktion in der nachhaltigen Entwicklung zukommt und dass es eine Grundvoraussetzung für das Leben darstellt. Ohne Wasser gibt es kein Leben. „Und trotzdem wird Jahr für Jahr der Druck auf diese Ressource größer. Eine von drei Personen lebt in einem Land mit mäßigem oder hohem Wassermangel und es ist möglich, dass der Wassermangel 2030 fast die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft, da die Nachfrage das Angebot um 40% übersteigen könnte.“2

Daten der Vereinten Nationen zufolge haben eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Die mit diesem Problem verbundenen Herausforderungen werden in den kommenden Jahren erheblich zunehmen, vor allem, weil das Wasser ungleich verteilt und verschmutzt ist, es verschwendet wird oder weil bei seiner Nutzung falsche oder ungerechte Prioritäten gesetzt werden; hinzu kommen die Folgen des Klimawandels. Auch der Tourismus konkurriert manchmal mit anderen Sektoren um die Wassernutzung und nicht selten stellt man fest, dass es reichlich Wasser gibt und man verschwendet es in den Strukturen des Tourismus, während die Bevölkerung der Umgebung an Wassermangel leidet.

Die nachhaltige Bewirtschaftung dieser natürlichen Ressource stellt eine Herausforderung für die wirtschaftliche wie für die soziale Ordnung und für die Umwelt dar, aber es ist vor allem eine Herausforderung ethischer Natur, ausgehend von dem Prinzip, dass die Güter dieser Erde allen bestimmt sind, was ein Naturrecht, ein originäres Recht darstellt, dem sich die gesamte Rechtsordnung bezüglich dieser Güter unterzuordnen hat. Die Soziallehre der Kirche besteht auf der Gültigkeit und der Anwendung dieses Prinzips, ausdrücklich Bezug nehmend auf das Wasser.3

Gewiss entspringt unser Engagement zugunsten eines respektvollen Umgangs mit der Schöpfung der Tatsache, dass wir in ihr eine Gabe Gottes für die ganze Menschenfamilie erkennen und dass wir dem Wunsch Gottes Gehör schenken, der uns dazu auffordert, sie in dem Bewusstsein zu hüten, dass wir Treuhänder, nicht aber Besitzer dieser Gabe sind, die er uns macht.

Papst Franziskus schenkt dem Thema Umwelt große Aufmerksamkeit und er hat mehrfach darauf angespielt. Schon in der Heiligen Messe zu Beginn seines Pontifikats forderte er uns dazu auf

„Hüter“ der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir nicht zu“, sagte er, „dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten! Und er erinnerte daran, dass „alles der Obhut des Menschen anvertraut ist, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft.“4

Weiter eingehend auf diese Aufforderung, betonte der Heilige Vater während einer Audienz: „Die Schöpfung bebauen und hüten: Diese Weisung gab Gott nicht nur am Anfang der Geschichte, sondern sie gilt einem jeden von uns. Sie gehört zu seinem Plan; es bedeutet, die Welt verantwortungsvoll wachsen zu lassen, sie in einen Garten zu verwandeln, in einen bewohnbaren Ort für alle. [...]. Wir dagegen sind oft vom Hochmut des Herrschens, des Besitzens, des Manipulierens, des Ausbeutens geleitet; wir »hüten« sie nicht, wir achten sie nicht, wir betrachten sie nicht als unentgeltliches Geschenk, für das wir Sorge tragen müssen. Wir verlieren die Haltung des Staunens, der Betrachtung, des Hörens auf die Schöpfung.“5

Wenn wir diese Haltung des Hörens bewahren, können wir entdecken, wie das Wasser uns auch von seinem Schöpfer erzählt und uns an die Geschichte seiner Liebe zur Menschheit erinnert. Vielsagend ist in dieser Hinsicht das Gebet zur Segnung des Wassers, dessen die römische Liturgie sich sowohl in der Osternacht wie auch im Taufritual bedient; es wird daran erinnert, dass der Herr sich dieser Gabe als Zeichen und zur Erinnerung an seine Güte bedient: die Schöpfung, die Sintflut, die der Sünde ein Ende setzt, die Durchquerung des Roten Meeres, die von der Sklaverei befreit, die Taufe Jesu im Jordan, die Fußwaschung, die sich in ein Gebot der Liebe verwandelt, das Wasser, dass aus der Seite des Gekreuzigten dringt, die Aufforderung des Auferstandenen, Jünger zu suchen und sie zu taufen…das sind Meilensteine der Erlösungsgeschichte, in denen dem Wasser ein hoher symbolischer Wert zukommt.

Das Wasser spricht zu uns von Leben, von Reinigung, Erneuerung und Transzendenz. In der Liturgie ist das Wasser das Leben Gottes, das uns von Christus gebracht wird. Christus selbst bezeichnet sich als der, der den Durst löscht, aus dessen Leib Ströme lebendigen Wassers fließen (vgl. Joh 7, 38), und in seinem Gespräch mit der Samariterin behauptet er: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben" (Joh 4, 14). Der Durst ruft die tiefsten Sehnsüchte im Herzen der Menschen wach, seine Misserfolge und sein Streben nach wahrem Glück, jenseits seiner selbst. Und Christus ist derjenige, der das Wasser anbietet, das den inneren Durst stillt, er ist die Quelle der Wiedergeburt, das Bad der Läuterung. Er ist die Quelle des lebendigen Wassers.

Aus diesem Grunde ist es wichtig, zu unterstreichen, dass alle, die mit dem Tourismus zu tun haben, eine große Verantwortung für den Umgang mit dem Wasser tragen, damit dieser Sektor tatsächlich Quelle des Reichtums, in sozialer, ökologischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht wird. Man muss einerseits an der Beseitigung der verursachten Schäden arbeiten und andererseits seine vernünftige Nutzung fördern und die Belastung für die Umwelt auf ein Minimum reduzieren, angemessene Politiken unterstützen und für eine effiziente Ausstattung sorgen, die dazu beiträgt, unsere gemeinsame Zukunft zu schützen. Unsere Haltung der Natur gegenüber und die schlechte Nutzung ihrer Ressourcen dürfen weder auf den jeweils anderen, noch auf den zukünftigen Generationen lasten.

Wir brauchen daher eine größere Entschlossenheit auf Seiten der Politiker und der Unternehmer, denn auch wenn wir uns alle der Herausforderungen bewusst sind, vor die uns das Wasserproblem stellt, müssen wir feststellen, dass sich dies noch nicht in zwingenden, präzisen und überprüfbaren Verpflichtungen konkretisiert hat.

Diese Situation erfordert in erster Linie eine Mentalitätsänderung, die uns zu einem neuen Lebensstil führt, der gekennzeichnet ist von Nüchternheit und Selbstdisziplin.6 Man muss dafür sorgen, dass der Tourist unterrichtet ist und über seine Verantwortung und die Auswirkungen seiner Reise nachdenkt. Er muss zu der Überzeugung gelangen, dass nicht alles erlaubt ist, auch wenn er persönlich die anfallenden wirtschaftlichen Belastungen tragen könnte. Die Erziehung zu kleinen Gesten, die es uns erlauben, Wasser nicht zu verschwenden oder zu verschmutzen, und deren Förderung helfen uns zugleich, seine Bedeutung noch höher zu schätzen.

Machen wir uns den Wunsch des Heiligen Vaters zu eigen „dass wir alle uns ernsthaft bemühen, die Schöpfung zu achten und zu hüten, jedem Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, der Kultur des Verschwendens und des Wegwerfens entgegenzuwirken, um eine Kultur der Solidarität und der Begegnung zu fördern.“7

Mit dem Heiligen Franziskus, dem „Armen" von Assisi, erheben wir unser Lob zu Gott und preisen ihn für seine Kreaturen: „Laudato si’, mi Signore, per sor’Acqua, la quale è multo utile et humile et pretiosa et casta“ (Gelobet seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser, die nützlich-schlichte, köstliche und reine).

Aus dem Vatikan, am 24. Juni 2013 

Antonio Maria kardinal Vegliò
Präsident

+ Joseph Kalathiparambil
Sekretär

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1 ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN, Resolution A/RES/65/154 von der Vollversammlung verabschiedet am 20. Dezembre 2010.

2 GENERALSEKRETÄR DER ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN, Botschaft anlässich des Weltwassertages, 22. März 2013.

3 Vgl. PÄPSTLICHER RAT FÜR GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN, Kompendium der Soziallehre der Kirche, 2. April 2004, nn. 171-175, 484-485.

4 FRANZISKUS, Heilige Messe zu Beginn des Pontifikats, 19. März 2013.

5 FRANZISKUS, Generalaudienz, 5. Juni 2013.

6 Vgl. PÄPSTLICHER RAT FÜR GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN, Kompendium der Soziallehre der Kirche, 2. April 2004, nn. 486.

7 FRANZISKUS, Generalaudienz, 5. Juni 2013.

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