Tränende Augen und begeisterter Applaus

Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese Augsburg wird 40 Jahre alt

Augsburg, (Bistum Augsburg) | 294 klicks

Mit einer kurzweiligen und doch gut vier Stunden langen Jubiläumsfeier hat die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien-und Lebensberatung (EFL) der Diözese Augsburg gestern ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Der Rückblick auf die vier Jahrzehnte begann nachmittags mit einem Festgottesdienst in der Kapelle des Hauses Sankt Ulrich gemeinsam mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa. Die anschließende Feier dauerte bis in den frühen Abend. Höhepunkt war ein Festvortrag von Dr. Markus Wonka, Fachreferent des Bistums Münster. Er sprach über „Die Ehe – ein sperrig Ding?“. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den sechs Instrumentalisten und Sängern des Ensembles „motango“. Passend zum Anlass der Veranstaltung trugen die Künstler Lieder und Stücke aus Operetten zum Thema „Liebe“ vor. Sie sorgten dabei für tränende Augen, aber auch für begeisterten Applaus. Morgen, am 1. Mai, lädt die EFL in Augsburg zu einem Tag der Offenen Tür  ein.

Während des Festgottesdienstes richtete Bischof Konrad einen besonderen Dank und Glückwunsch an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er gratulierte zu einem umfassenden Konzept, das sich schon in den drei Worten „Ehe“, „Familie“ und „Leben“ widerspiegele. „Und gleichzeitig zu Ihrer Beratung, in der Sie sich stets neu auf die Situation jedes Einzelnen einlassen und ihn beraten in seiner Einzelheit und Komplexität.“ Das Vertrauen der Beratung suchenden Menschen geschenkt zu bekommen, sei dabei sicher nicht einfach, betonte der Bischof. Wichtig sei deshalb vor allem, sich auf Gott zu verlassen, sich in Gott festzumachen und von sich selber loszulassen, ermunterte Bischof Konrad die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seiner Predigt.

Worin das Besondere der Arbeit der EFL besteht, war eingangs des Gottesdienstes mit mehreren vorgelesenen Aussagen von Klientinnen und Klienten der EFL verdeutlicht worden: „Die Beratung hilft, die Muster, in denen wir uns bewegen, aufzuzeigen und bewusst zu machen“, war zum Beispiel zu hören. Oder auch: „Es gibt noch einen menschenwürdigen Weg, der unserer Ehe den lang ersehnten Frieden schenkt.“ Diese und etliche andere Aussagen sind im soeben erschienenen Gesamttätigkeitsbericht 2013 der EFL nachzulesen.

Diese Beispiele nahmen die Feststellung voraus, die später der Leiter des Seelsorgeamtes, Dr. Bertram Meier, bei der Begrüßung der rund 150 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft machte: Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten vierzig Jahre hätten die Herausforderungen verschärft. Die Probleme der Rat suchenden Menschen würden zunehmend komplexer. Dabei spiele auch die Beziehung zu Gott beziehungsweise Spiritualität eine Rolle. „So stellt gerade die Eheberatung auch einen Raum dar, um die Bedeutung des Ehesakraments zu bedenken und nach Wegen zu suchen, wie das Sakrament der Ehe konkret spürbar werden kann.“ Es sei aber auch bemerkenswert, dass viele Frauen und Männer, die Kontakt mit der EFL suchten, weder katholisch noch evangelisch seien oder sich als gar nicht religiös bezeichneten. Damit übernehme die EFL eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Aufgabe. Er freue sich, so Prälat Meier, „dass die Ehe-, Familien- und Lebensberatung auch in unserem Bistum ein wichtiger pastoraler Dienst mitten in der Gesellschaft ist.“

26026 Beratungsstunden an der Seite der Menschen

Die Feier sollte vor allem auch ein Dank an das Team der EFL sein. Es zeichne sich durch „Fachkompetenz, Herzblut und Engagement“ aus, lobte Helga Kramer-Niederhauser, die als Leiterin der EFL im Bistum Augsburg durch die Veranstaltung führte, ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie unterstrich dabei zugleich den großen Erfolg der Arbeit, die von den rund 100 Beraterinnen und Beratern bistumsweit in 25 Beratungsstellen geleistet wird: Im Gründungsjahr habe es in Augsburg 319 Beratungen gegeben, heute hätten allein dort im Jahr 2013 1266 Männer und Frauen Hilfe und Beratung gefunden. Diözesanweit waren es 6278 Personen, denen die EFL in insgesamt 26026 Beratungsstunden zur Seite stand. „Wir sind für die Armen da, für die physische und psychische Not der Menschen“, betonte die EFL-Leiterin.

Generalvikar Harald Heinrich sagte deshalb während seines Grußwortes, das Engagement und auch die Geduld der Beraterinnen und Berater der ELF, an der Seite der Menschen zu bleiben, sei eine Bestärkung für das Bistum. „Was für ein Geschenk, das wir als Kirche von Augsburg im Angebot der Ehe-, Familien- und Lebensberatung haben dürfen! Die Menschen vertrauen uns“. Das Jubiläumsjahr der EFL lasse dankbar sein.

Auch Max Weinkamm, Sozialreferent der Stadt Augsburg, dankte für die Arbeit der EFL „für das Heil der Menschen und die Kultur des Lebens“. Das sei sicher keine einfache Aufgabe. Es gehe um Konflikte, die oft nicht lösbar seien. Anni Fries, stellvertretende Landrätin des Landkreises Augsburg, sprach in ihren Dankesworten von einer „persönlichen Ansprache, dem jeder Hilfe Suchende vertrauen kann.“ Es gebe Momente, in denen Mann oder Frau auf Beratung angewiesen seien. Da sei das Bistum Augsburg mit der EFL gut gewappnet. Für den Landkreis Aichach-Friedberg schließlich betonte der stellvertretende Landrat Rupert Reitberger, anfangs habe man im Wittelsbacher Land das Angebot der EFL nur zögerlich angenommen. Dort sei die Welt noch in Ordnung, habe man geglaubt. Aber die Tatsache, dass hinter der EFL der Träger Bistum Augsburg stand, habe manchen Skeptiker überzeugt. Längst stelle sich sogar die Frage, „wie sich die Gesellschaft verändert hat, dass wir dieses Angebot brauchen.“

Das Angebot der EFL wird zu gut zwei Dritteln aus Mitteln des Bistums Augsburg getragen. Im Jahr 2013 waren das 1,3 Millionen Euro. Hinzu kamen kommunale Zuschüsse in Höhe von 270.116 Euro, der Freistaat Bayern förderte die Arbeit der EFL mit 193.098 Euro, außerdem gab es Spenden in Höhe von 173.866 Euro.

Den abschließenden Höhepunkt des Programms setzte Dr. Markus Wonka mit seinem Fachvortrag über „Die Ehe- ein sperrig Ding?“. Der Theologe, Psychologe und Familientherapeut ist Fachreferent der EFL im Bistum Münster und hat einige Jahre die EFL-Beratung in Neu-Ulm geleitet. Anhand verschiedener wissenschaftlicher Erhebungen und Beispiele verdeutlichte Wonka, dass die Ehe in Kirche, Politik und Gesellschaft längst zu einem Kontroversthema geworden sei. Selbst die Deutsche Bischofskonferenz spreche von der Ehe als einem Drahtseilakt. „Da möchte man fast den Atem anhalten, wenn man das Ehepaar so vor Augen hat.“

Gleichzeitig sei der Wert von Ehe und Partnerschaft aber unstrittig. „In der heutigen Zeit ist ihr Ansehen vielleicht höher denn je“, betonte Dr. Wonka und sprach sogar von „neo-romantischen Vorstellungen“. Die Ehe böte den Raum, so angenommen zu werden, wie man ist. Auch die Zunahme der Ehescheidungen sei eine Folge dieser hohen Erwartungen an eine erfolgreiche Ehe. Das setze eine Konfliktbewältigung in nie gewesenem Ausmaß voraus. Die EFL sei eine Antwort der kirchlichen Entscheidungsträger auf diesen Wandel gewesen. Die EFL sei sogar ein Seismograph dieser Veränderungen.

Dies bedeute aber auch, forderte Wonka, dass die Kirche in ihrer Pastoral das Hilfreiche und Befreiende der christlichen Botschaft für die Lebenswelten der Menschen von heute erklären müsse. Sie dürfe sich nicht in die Formulierung von Idealen flüchten, in denen sie sich nicht mehr wiederfinden. Die Liebe, und ausschließlich die Liebe sei zum Maß für eine Ehe geworden. Das Vertrauen auf eine transzendente Macht sei dabei nicht mehr vorgesehen. Dabei gehe es doch in einer sakramentalen Ehe darum, auf die liebevolle Nähe Gottes zu vertrauen. Denn die Liebe verspreche etwas, was sie im Alltag gar nicht einhalten könne.

Genau hier sei die EFL ein Beispiel für eine Ehepastoral, die Menschen anspricht. Die Ehe habe etwas bleibend Faszinierendes, sie sei ein einzigartiger Lebensentwurf. „Sie ist die schicksalshafte Bindung aneinander“, sie sei radikal und zukunftsorientiert und nichs für Zauderer und Zögerer. Genau deshalb bleibe sie immer auch zerbrechlich. Sie sei angewiesen auf „alle Unterstützung aus Kirche und Gesellschaft“. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung sei eine Stütze für das Gelingen von Ehe in unserer Gesellschaft. Das Geld, das in die EFL investiert werde, sei „gut investiertes Geld zum Wohl unserer Kinder, unserer Familien und unserer Gesellschaft.“

Tag der Offenen Tür und der Begegnung

Am Donnerstag, 1. Mai 2014, lädt die Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Augsburg, Peutingerstraße 14, 86152 Augsburg, anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von 11.00 bis 15.00 Uhr zu einem Tag der Offenen Tür und der Begegnung ein. Die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) wurde am 1. Mai 1974 unter der Leitung von Pfarrer Georg Schmierer gegründet. Heute hat die EFL sieben Hauptstellen in Augsburg, Donauwörth, Kempten, Lindau, Neu-Ulm, Schrobenhausen und Weilheim. Von dort aus werden 18 weitere Außenstellen betreut, unter anderem auch in Justizvollzugsanstalten. Für die EFL sind rund 100 Beraterinnen und Berater tätig: 13 in fester Anstellung, 82 auf Honorarbasis.

Anlässlich des Jubiläums hat die EFL ein Jahresprogramm zusammengstellt. So wird es am Donnerstag, 22. Mai, um 20.30 Uhr in der Augsburger Moritzkirche einen Ökumenischen Segnungsgottesdienst für Paare geben.

Das Jahresprogramm und den Geschäftsbericht 2013 gibt es auf der Kontakt-Seite der EFL

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg)