Transplantationsmediziner diskutierten über ethische Fragen und die Endgültigkeit des Hirntods

Weltkongress in Berlin zu Ende gegangen

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ROM, 19. Juli 2012 (ZENIT.org). - In Berlin haben bei einem Internationalen Kongress bis Mittwoch mehr als 4100 Transplantationsmediziner aus 94 Ländern aktuelle ethische und medizinische Fragen der Organverpflanzung diskutiert.

Zentrales Thema sei die „Überlistung" des Immunsystems, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern, gewesen, erklärte laut der Ärztezeitung der Kongresspräsident Professor Neuhaus von der Berliner Charité.

Auch die Hirntoddebatte sei weitergeführt worden. Prof. Neuhaus: „Die Definition des Todes ist primär keine naturwissenschaftliche, sondern eine gesellschaftliche Sache." Der Hirntod könne allerdings ausreichend sicher festgestellt werden. Eine Kommission der Bundesärztekammer arbeite derzeit daran, diese Methoden noch zu verfeinern. „Da geht es um das Feintuning", so Neuhaus.

Der Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), Professor Wolf Bechstein, wies darauf hin, dass über den Hirntod nicht die Transplantationsmediziner entschieden. Dies übernähmen Ärzte, die mit der Organverpflanzung nichts zu tun hätten, was die nötige Rechtssicherheit für die Transplantationsmediziner mit sich bringe.

Die Diskussion um die Endgültigkeit des Hirntodes ist seit einer Stellungnahme des amerikanischen Bioethikrates aus dem Jahr 2008 wieder aufgeflammt.

Zukünftig ist es für alle Kliniken mit Intensivstation Pflicht, Transplantationsbeauftragte zu beschäftigen. Einige Landesärztekammern, unter anderem die in Hessen, hätten bereits eine zweitägige Schulung für Ärzte und Pfleger entwickelt.

Der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zufolge soll sich unter den mehreren hundert chinesischen Transplantationsärzten auch Prof. Dr. Zhonghua Klaus Chen, der Leiter des Instituts für Organtransplantationen am Tongji Krankenhaus in Wuhan in der Provinz Hebei, befinden.

Unabhängigen Recherchen aus dem Jahre 2006 zufolge sollen in Prof. Chen's Institut zahlreiche Organentnahmen mit Todesfolge an lebenden Falun-Gong-Gefangenen durchgeführt worden sein. Nach Angaben der IGFM soll Chen in Berlin als „Councillor of Asia" der „International Society for Organ Donation and Procurement (ISODP)" als Referent auftreten.

Schon während des Transplantations-Weltkongresses in Boston im Juli 2006, reichte die Geschäftsführerin der Human Rights Law Foundation (HRLF), Dr. Terri Marsh, bei der U.S.-Staatsanwaltschaft in Boston unter anderem auch gegen Prof. Zhonghua Klaus Chen eine Strafanzeige ein. In der Anzeige wurde eine umgehende Untersuchung der Berichte über gewaltsame Organentnahmen an Falun Gong-Praktizierenden gefordert, die im Tongji Krankenhaus in Wuhan, etwa 850 km westlich von Shanghai gelegen, durchgeführt worden sein sollen.

Falun Gong war bis zum Jahre 1999 mit etwa 70 Mio. Anhängern die größte Qi Gong-Schule der Welt. Im Juli 1999 begann der damalige Staats- und Parteichef Jiang Zemin mit der Verfolgung von Falun Gong in der Volksrepublik. Über die Gesamtzahl der Todesopfer verweigern die chinesischen Behörden die Auskunft. Experten gehen davon aus, dass etwa 40.000 Falun Gong-Anhänger allein in den Jahren 2000 bis 2005 ermordet worden sind.[jb]