Trinidad und Tobago: Seit 50 Jahren unabhängig

Soziale Ungleichheit und Korruption - Internationale Geldgeber fordern Maßnahmen zur Geburtenkontrolle

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KÖNIGSTEIN, 30. August 2012 (ZENIT/KIN). - Die bunten Bilder der Reisekataloge täuschen: Trinidad und Tobago ist keine Idylle. Zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit am 31. August präsentiert sich die karibische Inselrepublik vor der Küste Venezuelas in einem besorgniserregenden Zustand.

Wirtschaftliche Stagnation, soziale Ungleichheit, ausufernde Kriminalität und Korruption prägen den Alltag. Hinzu kommen Spannungen zwischen den etwa gleich großen indisch- und afrikanisch-stämmigen Bevölkerungsteilen sowie der zunehmende Einfluss ausländischer Interessengruppen.

„Es gibt eine wachsende Unsicherheit und Kriminalität“, hat Robert Llanos, Generalvikar der Erzdiözese Port of Spain, bei einem Besuch in der Zentrale des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Königstein bestätigt. Für den 54-Jährigen ist vor allem das soziale Ungleichgewicht Ursache der Misere. Er ist auch wegen einer zunehmend materialistischen und individualistischen Gesellschaft in Sorge.

Bessere Schulen und Lehrpläne könnten Abhilfe leisten: „Es muss viel mehr für Bildung getan werden. Wichtig ist dabei auch die Fortbildung von Lehrern“, so der Generalvikar. Zwar sei das öffentliche Schulsystem in der Vergangenheit reformiert worden, genüge aber längst nicht den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen. „Konfessionelle Grund- und weiterführende Schulen, die unter anderem von Katholiken verantwortet werden, zählen zu den besseren im Land“, so der Generalvikar. „Gegenwärtig gibt es 119 katholische Grund- und 14 weiterführende Schulen.“

Rund 60 Prozent der 1,3 Millionen Bewohner von Trinidad und Tobago sind Christen. Sie sind zu gleich großen Teilen katholisch beziehungsweise evangelisch. Die Zahl der Hindus liegt bei einem Viertel der Bevölkerung, zum Islam bekennen sich sechs Prozent. Unter britischer Herrschaft waren bis ins frühe 20. Jahrhundert mehr als hunderttausend Arbeiter aus Indien angeworben worden, die ihre Kultur und Religion mitbrachten.

Die wirtschaftliche Lage sei derzeit schwierig, so Generalvikar Robert Llanos. Internationale Geldzuweisungen würden von den Vereinten Nationen und der Weltbank mit Auflagen belegt. 50 Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien drohen neue Abhängigkeiten. Der ökonomische Druck von außen wächst. „Finanzhilfe wird beispielsweise an die Bedingungen geknüpft, dass ein Land nicht verhandelbare Maßnahmen zur Geburtenkontrolle umsetzt, Abtreibungen legalisiert oder die gleichgeschlechtliche Ehe akzeptiert“, so der Generalvikar. Erst vor wenigen Monaten sei im Parlament ein entsprechender Gesetzentwurf einer Ministerin nach Protesten von Christen, Hindus und Muslimen gescheitert.

Generalvikar Llanos sieht weitere Probleme: „In Trinidad und Tobago ist das Klima materialistischer geworden. US-amerikanische Medien haben hier großen Einfluss. Sie bestimmen die Trends.“ Das spürten alle Religionsgemeinschaften, auch die katholische Kirche. So sei die Zahl der Priesterberufungen seit Jahren rückläufig. Die Hälfte der Seelsorger der Erzdiözese Port of Spain sei älter als 60 Jahre. Gegenwärtig bereiteten sich nur vier junge Männer auf die Priesterweihe vor, so der Generalvikar.

Die Erzdiözese hat auf diese Entwicklung reagiert. So wurden die Familien- und Jugendpastoral gestärkt und Initiativen zur Neu-Evangelisierung gestartet, die im vergangenen Jahr von „Kirche in Not“ mit einem Betrag von 20.000 US-Dollar gefördert wurden. „Wir wollen die katholische Kultur erneuern und sind bereit, für unsere eigene ethisch-moralische Identität zu streiten. Das stößt zwar nicht überall auf Zustimmung, aber die Regierung ist uns ohnehin nicht immer freundlich gesinnt“, so der Generalvikar.