Triumphalismus lässt Christen auf halbem Weg stehenbleiben

Im Rahmen der hl. Messe im päpstlichen Gästehaus rief der Papst zum Kampf gegen eine triumphalistische Haltung auf

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 2146 klicks

„Triumphalismus in der Kirche lässt die Kirche stillstehen. Triumphalismus in den Christen lässt die Christen stillstehen.“ Nach dem Karrierestreben gelte es Papst Franziskus zufolge nun, der Versuchung des Triumphalismus zu begegnen. Während der am 29. Mai 2013 im „Domus Sanktae Marthae“ im Beisein von Angestellten des Governatorates gefeierten hl. Messe kritisierte Papst Franziskus die in der Kirche häufig anzutreffende Haltung, alle Dinge ordnen zu wollen, um keine Fehler zu begehen, in jedem Fall zu triumphieren und folglich das Kreuz zu vermeiden.

So bezeichnete der Papst den Triumphalismus als „die Versuchung eines Christentums ohne Kreuz“, die die Kirche am Fortkommen hindere. Den Ausgangspunkt seiner Betrachtungen bildete das Evangelium vom Tag: die im Markusevangelium enthaltene Erzählung von der Ankündigung des Leidens Jesu auf dem Weg nach Jerusalem in Begleitung seiner Jünger. Diese hätten dem Papst zufolge ein anderes Vorhaben im Sinne gehabt und gedacht, nur die Hälfte des Weges zurückzulegen, und dass es besser sei, anzuhalten. Sie hätten darüber diskutiert, wie man die Kirche einrichten könne und wie man das Heil einrichten könne.

Johannes und Jakobus hätten sich daraufhin mit folgender Bitte an Jesus gewandt: „Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen“ (Mk 10,37). Der Heilige Vater bezeichnete diese Versuchung der Jünger als dieselbe, der Jesu in der Wüste begegnete, „als der Teufel zu ihm kam, um ihm einen anderen Weg vorzuschlagen“, d.h., „vor den Augen aller etwas in aller Eile zu erledigen. ‚Gehen wir zum Tempel, und sei ein Fallschirmspringer ohne Fallschirm, so werden alle das Wunder sehen, und die Erlösung ist vollbracht.“ Es handle sich um dieselbe Versuchung des Petrus, als er das Leiden Jesu zunächst nicht akzeptiere. Laut Papst Franziskus sei dies vor allem „ die Versuchung eines Christentums, das auf halbem Weg stehenbleibt, einer Kirche, die auf halbem Weg stehenbleibt.“ Diese Art der Versuchung bezeichnete der Papst als „Triumphalismus“, als Streben nach dem sofortigen Triumpf, ohne ans Kreuz zu gehen, als „weltlichen“ und „vernünftigen“ Triumph.

Allerdings bringe der Triumphalismus die Kirche zum Stillstand und mache sie zu einer „Kirche, die damit glücklich ist, schön eingerichtet zu sein, mit all ihren ordentlichen, tadellosen Büros und ihrer Effizienz. Sie ist jedoch eine Kirche, die die Märtyrer verleugnet, weil sie nicht weiß, dass diese notwendig sind für die Kirche, für den Weg des Kreuzes; eine Kirche, die allein an Triumphe, an Erfolge, denkt und auf die Regel Jesu vergisst: die Regel des Triumphes mittels der menschlichen Niederlage, der Niederlage des Kreuzes.“ Dabei handle es sich um eine Versuchung, der alle Menschen ausgesetzt seien und die er selbst erfahren habe.

Dazu erzählte der Papst eine Begebenheit aus seinem Leben: „In einem dunklen Moment meines geistlichen Lebens erbat ich eine Gnade vom Herrn. Dann predigte ich für die Schwestern die Exerzitien, und am letzten Tag gingen sie zur Beichte. Eine davon war eine ältere, über 80jährige Schwester, deren Augen jedoch klar, ja leuchtend waren: Sie war eine Frau Gottes. Dieser Eindruck war so stark, dass er mich dazu bewog, zum Schluss zu ihr zu sagen: ‚Schwester, als Buße beten Sie für mich, weil ich eine Gnade brauche. Wenn Sie den Herrn darum bitten, wird er sie mir bestimmt gewähren.’“

Der Heilige Vater setzte seine Schilderung folgendermaßen fort: „Sie hielt einen Augenblick inne, als bete sie. Dann sagte sie zu mir: ‚Gewiss gewährt Ihnen der Herr die Gnade, aber täuschen Sie sich nicht: Er wird dies auf seine göttliche Weise tun’. Das hat mir so gut getan: zu hören, dass der Herr uns immer geben wird, worum wir bitten, aber auf seine göttliche Weise. Diese schließe laut dem Papst das Kreuz ein; aber nicht aus Masochismus, sondern aus Liebe bis zum Ende.

Am Ende der Predigt richtete der Papst wie gewohnt ein Gebet zum Herrn: „Bitten wir den Herrn um die Gnade, keine Kirche zu sein, die auf halbem Weg stehenbleibt; keine triumphalistische Kirche der großen Erfolge. Bitten wir ihn darum, eine demütige Kirche zu sein, die ihren Weg wie Jesus entschlossen geht. Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Öffnen wir unser Herz für den Willen des Vaters, wie Jesus. Bitten wir um diese Gnade.“