Trost und Ermutigung: Benedikt XVI. traf sich mit Missbrauchsopfern

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WASHINGTON D.C., 18. APRIL 2008 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. traf sich gestern, Donnerstag, mit einer kleinen Gruppe von fünf Personen, die Opfer sexuellen Missbrauchs von Priestern geworden waren. Die Begegnung bestand aus einem gemeinsamen Gebet und einer anschließenden Unterhaltung, in der der Heilige Vater vor allem den Opfern zuhörte.



Das Treffen, das in der Apostolischen Nuntiatur der amerikanischen Bundeshauptstadt stattfand, war ursprünglich nicht auf dem Tagesplan der achten Auslandsreise des Papstes vorgesehen gewesen.

In einer Verlautbarung des Vatikan wurde bekannt gegeben, dass der Erzbischof von Boston, Kardinal Sean O'Malley, die Gruppe begleitet habe. In seiner Erzdiözese war die Kritik im Zuge des Skandals um die Missbrauchsfälle besonders laut geworden.

Die Gäste beteten mit dem Heiligen Vater, der sich dann die Zeit nahm, ihren Erzählungen zuzuhören. Papst Benedikt sprach ihnen Worte der Ermutigung und des Trostes zu und versicherte ihnen sein Gebet „für ihre Anliegen, für ihre Familien und für alle Opfer sexuellen Missbrauchs“.

In der Predigt im „Nationals Stadium“ von Washington hatte Benedikt XVI. wenige Stunden zuvor den Schmerz angesprochen, mit dem die Kirche in Amerika nach den skandalösen Ereignissen zu kämpfen hat. Wörtlich sagte er: „Keines meiner Worte könnte den Schmerz beschreiben und die Wunden schließen, die durch den Missbrauch aufgerissen worden sind. Es ist wichtig, dass allen, die vom Missbrauch betroffen sind, besonders liebevolle pastorale Aufmerksamkeit geschenkt wird. Genauso wenig können meine Worte den Schaden beschreiben, der dadurch innerhalb der Gemeinschaft der Kirche angerichtet wurde.“

Der Papst wies darauf hin, dass „große Anstrengungen“ unternommen worden seien, „um aufrichtig und fair mit dieser tragischen Situation umzugehen und vor allem die Kinder zu schützen. Sie sind unser größter Schatz, und der Herr liebt sie ganz besonders. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, in einem sicheren Umfeld aufzuwachsen.“ Benedikt XVI. hatte während seiner ersten Freiluftmesse dieses heikle Thema bereits zum dritten Mal während seines Aufenthalts in den USA angesprochen.

In seiner Ansprache an die US-amerikanischen Bischöfe hatte der Heilige Vater bekräftigt: „Kinder verdienen es, mit einem gesunden Verständnis der Sexualität und ihrem angemessenen Platz innerhalb der menschlichen Beziehungen aufzuwachsen. Sie sollten von den abwertenden und geschmacklosen Manifestationen von Sexualität ferngehalten werden, die heute so präsent ist. Kinder haben das Recht, mit authentischen moralischen Werten aufzuwachsen, die in der Würde des Menschen wurzeln.“

Der Papst stellte im Nationalheiligtum der Unbefleckten Empfängnis auch die Frage, was es bedeute, von Kinderschutz zu sprechen, wenn in so vielen Häusern dank der Medien Pornographie und Gewalt derart leicht zu sehen seien. Es sei notwendig, die Werte, die die Gesellschaft stärkten, wieder neu in Erinnerung zu rufen, damit den Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen eine moralische Bildung angeboten werden könne.