Tröster der Christenheit

Impuls zu Pfingsten 2013

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 621 klicks

Im Evangelium des Pfingstfestes hören wir, wie Jesus zu seinen Jüngern (also auch zu uns) sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15).

In einer nordwestdeutschen Großstadt, in einem guten Wohnviertel, lädt der Pfarrer zu einem Treffen aller dort Wohnenden ein, bei dem jeder frei über das sprechen kann, was er von der Kirche hält und was er von ihr erwartet. Der Abend verläuft lebhaft, denn es sind viele gekommen, auch Leute, die sonst nicht in die Kirche gehen. Der Gesamteindruck ist allerdings bestürzend, wenngleich keiner behaupten würde, in anderen Gemeinden wäre das wahrscheinlich ganz anders.

Zunächst einmal hatte man den Eindruck, dies sind honorige, ja sympatische Leute, aber katholisch sind sie nicht. Es wurden die verschiedensten Probleme angesprochen, die in der Tat nicht immer leicht zu lösen sind, aber kein einziges Mal war die Rede von Gottes Geboten, von Disziplin oder gar von Sünde. Die Ursache der Schwierigkeiten wurde ausschließlich an der Lehre der Kirche festgemacht.

Die Konsequenz: Lehre und Moral der Kirche müssen sich ändern.

Darüber ließe sich in rein menschlichen Zusammenhängen immer reden. Aber die Lehre gehört nicht der Kirche, sie ist ihr von Jesus Christus zu treuen Händen anvertraut. Also muss man logischerweise bei Jesus Christus anfangen, wenn man bestimmte Dinge anders sehen möchte.

Jesus macht deutliche Aussagen über die Unauflöslichkeit der Ehe, über den Zölibat „um des Himmelreiches willen“ und die Tugend der Reinheit überhaupt, über die von ihm gegründete Kirche samt Petrusamt, über Geld und Armut, über Gehorsam, Beichtsakrament etc. Darüber hinaus ist auch wichtig, was er nicht gesagt und nicht getan hat. Sicher hätte er den Frauen das Priestertum geben können, wenn er es gewollt hätte. Niemand unter allen Männern und Frauen wäre würdiger gewesen als seine Mutter Maria.

Es ist zunächst nicht abwegig, die Frage zu stellen: Ist sein Wort wirklich unumstößlich?

Und dann die Grundsatzfrage: Wer ist Jesus eigentlich? Ist er Gott, ist er ein Mensch? Was sagen die Theologen? Die müssen es ja wissen.

Und da ist wahrscheinlich die Wurzel der nicht enden wollenden Querelen. Die Theologen betonen, dass Jesus ein Mensch ist. Das ist richtig, aber dass er gleichzeitig auch Gott ist, wird bei den meisten Exegeten weginterpretiert. Wäre er nur ein Mensch, zugegebenermaßen ein besonders kluger und heiliger Mensch, so wäre sein Wort wichtig, aber zeitgebunden. Er lebte vor zweitausend Jahre, die Verhältnisse waren ganz andere (man denke nur an gewaltige Neuerungen in der Medizin oder gar in der Naturwissenschaft und Technik heute), und manches, was für die damaligen Menschen galt, muss heute nicht unbedingt mehr gelten.

Dieses Argument würde überzeugen, wenn Jesus nur Mensch wäre. Dann gälte für ihn das gleiche wie für andere Religionsstifter. Das, was man als zeitgebunden empfindet, könnte man dann ändern.

Ist er aber Gott – und er selbst lässt keinen Zweifel daran, wie z.B. in seinem Wort „Ehe Abraham ward, bin ich“ (Joh 8,58) – dann weiß er auch, allwissend wie er dann ist, wie sich die Kirche in zweitausend oder hunderttausend Jahren entwickeln wird, und welche Dinge evtl. ganz anders sein würden als zu seiner Zeit. Dem hätte er dann sicher beizeiten Rechnung getragen.

Die Botschaft von Pfingsten ist: Jesu Gebote halten steht in deutlichem Zusammenhang mit unserer Liebe zu ihm. Um es noch deutlicher zu machen, dreht er das Argument um: Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest.

Wenn kirchliche Gesprächsveranstaltungen, Dialogprozesse und Regionalsynoden nur den Sinn haben, dass jeder seine Vorstellungen vorträgt und sie endlich verwirklicht sehen will, sind sie letztlich sinnlos. Die Grundeinstellung muss sich ändern. Wir sollten nicht fragen, was wollen die Menschen, sondern was will Gott.

Und was Gott will, ist nicht unklar und nebulös. Das Evangelium, das Gottes Wort ist, ist deutlich genug. Außerdem verspricht Jesus: „Der Beistand, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 16, 23b-26).

Vor Jahren wurde Mutter Teresa von Kalkutta gefragt; „Was müsste sich Ihrer Meinung nach in der Kirche am dringendsten ändern?“ Worauf sie antwortete: „Sie und ich!“

Im Heiligen Geist können wir dann aber auch erkennen: Die Gebote halten ist nicht alles und ist auch nicht Selbstzweck. Wenn wir den Heiligen Geist um seinen Beistand bitten, wird er uns mit der überfließenden Liebe beschenken, derer nur Gott fähig ist. Und die den Menschen unendlich reicher macht, als wenn er mit Eifer um die Verwirklichung neuer Ideen zu kämpft, die ihm von außerhalb der Kirche zugetragen werden.

Die Pfingstsequenz bringt diese Freude wunderbar ins Wort:

Komm, o Geist der Heiligkeit!

Aus des Himmels Herrlichkeit

Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller Armen du,

Aller Herzen Licht und Ruh’,

Komm mit deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,

Labsal voll der Lieblichkeit,

Komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,

In der Glut hauch Kühlung zu,

Tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,

Mach dir unser Herz bereit,

Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn

Nichts im Menschen kann bestehn,

Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Maria, die wir in diesem Monat besonders ehren, erweist sich als geschöpfliches Abbild des Heiligen Geistes. So wie er der Tröster genannt wird, ist sie für uns Menschen die mütterliche Trösterin. Und des Trostes bedürfen wir, wenn wir an den trostlosen Zustand der Christenheit denken.

Unsere Liebe Frau von Fatima, deren Fest wir vor wenigen Tagen feierten, stellte uns vor knapp hundert Jahren ein nicht allzu fernes „Aufblühen der Kirche Gottes“ in Aussicht.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).