Trotz bedrückender Lage: Freude über Geburt Christi in Bethlehem

Palästinenser blicken zurück auf Papstbesuch in diesem Jahr

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BETHLEHEM, 21. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Rückblickend ereignete sich einer der menschlichen Höhepunkte des Pontifikats Papst Benedikt XVI. in diesem Jahr in Bethlehem. In der erstarrten politischen Situation sehnten sich die Palästinenser seit langem danach, einmal im Mittelpunkt guter Nachrichten zu stehen. Sie empfingen das katholische Oberhaupt mit überbordender Freude. In der Geburtstag Jesu erklang noch Stunden nach der Papstmesse in den Straßen ein fröhliches „Willkommen, lieber Papst, in Palästina". Die Bilder des hohen Besuchers mit arabischen Kindern gingen um die Welt.

Über die Erinnerung an dieses Ereignis und über das bevorstehende Weihnachtsfest sprach Michaela Koller am Montag mit der medizinischen Leiterin des Caritas Baby Hospitals, Dr. Hiyam Marzouqa, die Papst Benedikt an dem Tag durch ihre Einrichtung begleiten durfte. Sie spricht fließend Deutsch, da sie in Deutschland studiert und ihre Facharztqualifikation erworben hat.

ZENIT: Frau Dr. Hiyam Marzouqa, das Jahr geht zu Ende und Sie können auf besondere Ereignisse zurückblicken. Papst Benedikt XVI. war in diesem Jahr in Bethlehem und auch im Caritas Baby Hospital, dem Sie als medizinische Leiterin vorstehen. Welche Nachwirkung hatte der Besuch?

--Hiyam Marzouqa: Der Besuch hatte eine tolle Wirkung auf uns Palästinenser, vor allem aber auf die Christen. Wir waren vorher verunsichert, weil wir sahen, dass der Papst sehr viel Rücksicht nehmen musste, auf die Israelis, aber auch auf die Muslime nach seiner berühmten Regensburger Rede. Papst Benedikt XVI. hat aber, als er hier war, sehr gut zu uns gesprochen. Er hat uns darin bestärkt, dass wir durchhalten sollen. Das kann ich ganz persönlich bestätigen: Vor seinem Besuch dachte ich, meine Kinder müssen zum Studium ins Ausland gehen und dann sollten sie dort bleiben. Jetzt denke, sie sollten doch besser später wieder in ihre Heimat zurückkehren.

ZENIT: Wie hat die persönliche Begegnung in Ihrem Krankenhaus nachgewirkt?

--Hiyam Marzouqa: Für alle Freunde und Mitarbeiter des Caritas Baby Hospitals war es eine unvergessliche Sache. Es wir immer noch darüber gesprochen. Wir hatten für die Zeit, die Papst Benedikt bei uns war, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt und waren im Mittelpunkt. Das ist natürlich für eine Einrichtung, die auf Hilfe und Spenden aus dem Ausland angewiesen ist, etwas Wunderbares.

ZENIT: Ein muslimischer Junge, der 17-jährige schwerkranke Bashir, durfte dem Papst das Gastgeschenk überreichen. Vor einigen Wochen ist der Junge seinem Leiden erlegen. Was hat die Begegnung konkret für ihn bedeutet? Was wissen Sie darüber?

--Hiyam Marzouqa: Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem wir Bashir gesagt haben, dass er das machen darf. Er war außer sich vor Freude, weil er, auch wenn er Muslim war, begriff, dass er einem tollen Menschen begegnen wird. Er hat das dann auch so erlebt und gesehen, wie der Papst hier von einem Kind zu nächsten lief und es herzlich begrüßte. Es war für Bashir auf gewisse Weise ein schöner Abschied von seinem Leben, so kurz vor seinem Tod, der schon damals absehbar war.

ZENIT: Wie geht es den Menschen in Bethlehem jetzt, da Weihnachten kurz bevorsteht? Gibt es irgendwo ein Hoffnungszeichen?

--Hiyam Marzouqa: Von einer politischen Lösung sind wir weit entfernt, die Lage ist blockiert. Es gibt keinen Schimmer Hoffnung, und das obwohl hier in Bethlehem, der Friede geboren ist. Trotzdem: Als ich gestern so durch die Straßen ging, hörte ich aus einigen Häusern Weihnachtslieder erklingen. Ich sah ausländische Gruppen, einige Gäste unter ihnen einige mit Musikinstrumenten. Da habe ich gespürt, dass die Menschen in Bethlehem sich trotz allem über Weihnachten freuen wollen. Ich bin nun zuversichtlich, dass wir doch noch ein schönes Weihnachtsfest haben werden.

ZENIT: Wie können wir im Ausland dazu beitragen?

--Hiyam Marzouqa: Zeigen Sie uns, dass wir nicht alleine sind. Interessieren Sie sich für unser Schicksal, kommen Sie nach Bethlehem. Bethlehem lebt vom Tourismus. Was mir persönlich am Herzen liegt, ist die Unterstützung der Kinderhilfe Bethlehem, die unser Krankenhaus trägt. Dank dieser Organisation kommt die Hilfe direkt zu unseren Kindern.