Trotz Spannungen: Papstbesuch im Libanon nicht gefährdet Attentat vereitelt

Vorbereitungen gehen weiter

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WIEN/BEIRUT, 22. August 2012 (ZENIT.org/KIN). - Der Besuch des Papstes sei durch die jüngsten Spannungen im Libanon „nicht gefährdet“. Diese Ansicht vertritt der Patriarch der Maroniten, Kardinal Boutros Rai, der höchste kirchliche Würdenträger im Libanon. Bei einem Treffen mit einer Delegation des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ antwortete er auf die Frage, ob der Staatsbesuch Mitte September wegen der Wirren und Spannungen ausfallen könne: „Selbstverständlich findet der Besuch statt“. Die Vorbereitungen gingen auch unvermindert weiter. „Die Christen im Libanon erwarten den Heiligen Vater mit großer Freude“.

Die Spannungen waren aufgekommen, weil in der vergangenen Woche ein großes Attentat vereitelt worden war. Ein ehemaliger Minister und heutiger Anhänger des Regimes in Damaskus sowie der Hisbollah, Michel Samaha, hatte auf Anordnung des syrischen Geheimdienstes eine größere Menge Sprengstoff in den Norden des Libanon schaffen sollen. Eine Autobombe sollte beim abendlichen Fest nach dem Ramadan-Fasten am vergangenen Wochenende am Haus des populären sunnitischen Abgeordneten Khaled Daher explodieren, und zwar in dem Moment,  in dem der Patriarch der maronitischen Kirche, der größten christlichen Glaubensgemeinschaft im Libanon, vorbeifahren oder gar den Abgeordneten besuchen wollte.

Seit Tagen wird darüber und über die Folgen des Attentatsversuchs diskutiert. Der ehemalige Generalobere des maronitischen Mönchsordens, der Historiker Paul Naaman, der die politischen und militärischen Ereignisse im Libanon seit einem halben Jahrhundert beobachtet und analysiert, erläuterte der Delegation von „Kirche in Not“ bei einem Treffen in Beirut Details der Affäre und seine Einschätzung. Der Plan sei fehlgeschlagen, weil Samaha einen Vertrauten beauftragte. Dieser habe das Vorhaben, „offenbar von Gewissenszweifeln gepackt“ dem Inlandsgeheimdienst gemeldet. „Die Vorsehung handelt“, so Namaan wörtlich. Der Inlandsgeheimdienst stattete den Vertrauten daraufhin mit einem Kugelschreiber mit eingebauter Kamera aus und ließ die Übergabe mit Auftragsbeschreibung filmen. Samaha wurde verhaftet, und angesichts des erdrückenden Beweismaterials gestand er den Plan.

Nach Ansicht Naamans versuche die Führung in Damaskus „alles, um den Libanon in die kriegerischen Wirren hineinzuziehen“. Der Plan sei geeignet gewesen, die unterschiedlichen Religionsgruppen aufeinanderzuhetzen und so den Konflikt in Syrien zu internationalisieren. An diesem Vorhaben werde Damaskus sicher festhalten, meint Naaman. Dafür sprächen auch die Entführungen von Iranern und von Assad-Gegnern. Allerdings hätten diese Ereignisse im Norden auch lokale Gründe. Nach Ansicht von Naaman werde der Besuch des Papstes stattfinden. Die Affäre Samaha zeige, dass „Gott wirkt“. Eine Absage läge im Interesse der Regime in Teheran und Damaskus und würde die Spannungen nicht abbauen, sondern eher verschärfen.