Tue das Gute und unterlasse das Böse

Bei der hl. Messe im päpstlichen Gästehaus bezeichnete der Papst das Töten im Namen Gottes als Blasphemie

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 574 klicks

In einer Welt wie dieser, in der der Mensch seinen Nächsten aufgrund unterschiedlicher Ideologien und Religionen tötet, scheint es gleichsam unmöglich, “das Gute zu tun”. Dennoch handelt es sich genau dabei um seine Berufung: dem anderen entgegenzukommen, ihm nichts Böses zu tun, sondern vielmehr nach dem Frieden zu trachten und ihm jene brennende Liebe zu erweisen, mit der der Schöpfer seine Kreaturen liebte.

Gestern, am 22. Mai 2013, entzündete Papst Franziskus wie bei jeder morgendlichen hl. Messe ein Licht für die allzu oft im Dunkeln irrende Menschheit. Im Rahmen dieses in Konzelebration mit dem Patriarchen von Antiochia der Maroniten, Kardinal Béchara Boutros Raï, gefeierten Gottesdienstes, dem unter anderem Angestellte des Governatorates der Stadt des Vatikanstaates beiwohnten, bildete die „Kultur der Begegnung“ als die „Grundlage des Friedens“ den thematischen Schwerpunkt der Predigt des Heiligen Vaters.

Den Ausgangspunkt der Betrachtungen des Papstes lieferte die im Evangelium des Tages thematisierte „Verschlossenheit“ des Geistes und des Herzens der Jünger Jesu, die nicht daran glaubten, dass ein nicht zu ihrer Gruppe Gehörender das Gute zu tun imstande sei. Dem Papst zufolge hätten sich die Apostel „beklagt“ und gesagt: „Wenn er nicht zu unserer Partei gehört, kann er nicht das Gute tun“.

Der Gedanke des Besitzes der Wahrheit habe die Jünger Jesu laut dem Papst „etwas intolerant“ gemacht. So sei folgende Überzeugung in ihnen herangereift: „Wer die Wahrheit nicht hat, kann nicht das Gute tun“. Jesus hingegen „erweitert den Horizont“ und korrigiert diese falsche ‚Vorstellung‘, indem er betont, dass auch ein ‚Außenstehender‘ in seinem Namen Gutes vollbringen kann.

Diesen Aspekt erläuterte der Heilige Vater mit folgenden Worten: “Die Möglichkeit, das Gute zu tun, ist allen Menschen gegeben. Sie ist ein Geschenk, dessen Wurzel in der Schöpfung liegt, denn der Herr hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen und er tut das Gute. Wir alle tragen daher folgendes Gebot in unserem Herzen: Tue das Gute und unterlasse das Böse“.

„Aber Pater, der ist nicht katholisch! Er kann doch nicht das Gute tun!“ „Aber Pater, der ist kein Christ, er kann das nicht!“: Aussagen wie diese hat Papst Bergoglio in seinem pastoralen Wirken als Priester, Bischof, Kardinal und Papst wohl unzählige Male vernommen. Er gibt darauf folgende Antwort: „Doch, er kann es. Er muss es! Denn er trägt dieses Gebot in sich“.

Er führte aus: „Diese Verschlossenheit, nicht zu denken, dass das Gute draußen vollbracht werden kann, ist eine Mauer, die uns zum Krieg führt, und auch zu dem, was manche in der Geschichte gedacht haben: im Namen Gottes zu töten und zu sagen, dass man das darf. Das ist einfach Blasphemie!“.

Papst Franziskus wies daraufhin erneut auf das vom Herrn in unser Herz gelegte Gebot hin: „Tue das Gute und unterlasse das Böse. Der Herr hat uns alle mit dem Blut Christi erlöst: nicht nur die Katholiken. Alle! ‚Aber Pater, auch die Atheisten?‘ Auch sie. Alle! Und dieses Blut macht uns zu Kindern Gottes erster Klasse!”.

 Aus unserem Dasein als „Erstgeborene” Gottes erwachse uns allen die Verpflichtung, das Gute zu tun. Dabei handle es sich um ein Gebot, das „ein schöner Weg zum Frieden“ sei, so der Papst. Er fügte hinzu: „Wenn jeder nach seinem Anteil den anderen das Gute tut, schaffen wir ganz langsam jene Kultur der Begegnung, die wir so notwendig haben. ‚Aber Pater, ich glaube nicht. Ich bin Atheist!‘ Tue das Gute, begegnen wir einander dort!“.

Der Papst stellte fest, dass „Gutes tun“ keine Glaubensfrage sei. Vielmehr handle es sich um „eine Verpflichtung“, einen „Personalausweis, den unser Vater allen gegeben hat, weil er uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat“.

Einen letzten Gedanken widmete Papst Franziskus der hl. Rita von Cascia, der „Heiligen der unmöglichen Fälle“, deren liturgischen Gedenktag die Kirche am gestrigen Montag gefeiert hatte. Zu dieser Heiligen erhob der Papst folgendes Gebet: „Mögen alle Menschen das Gute tun und einander bei dieser schöpferischen und der Schöpfung des Vaters ähnelnden Arbeit begegnen. Es handelt sich dabei um eine Arbeit in der Familie, denn wir alle sind Kinder Gottes. Alle! Und Gott liebt uns. Uns alle! Auf dass die hl. Rita uns diese Gnade gewähre, die fast unmöglich erscheint“.