Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum (Teil 2/2)

Interview mit dem Großhospitalier S.E. Albrecht Freiherr von Boeselager

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1016 klicks

Aufgabenbereich des Großhospitaliers

Zenit: Ihre Aufgaben als Großhospitalier sind äußerst vielseitig. Wie versuchen Sie, der großen Verantwortung für den Orden und die vielen von der Tätigkeit des Malteserordens abhängenden Menschenleben gerecht zu werden?

Als Großhospitalier des Malteserordens obliegt mir die Aufgabe, die Ordenswerke der Priorate und Assoziationen weltweit zu koordinieren. Selbstverständlich kann ich dabei auf die Hilfe der Mitarbeiter vor Ort zurückgreifen. Der Orden ist dezentral organisiert, um bestmöglich auf die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können. Im Gespräch mit den lokal Verantwortlichen bespreche ich die jeweils für uns angemessenen Möglichkeiten vor Ort zu helfen.

Ich bin sehr froh, dass meine Tätigkeit keine reine Schreibtischarbeit ist, sondern ich mir stets bei meinen Besuchen vor Ort ein eigenes Bild von der Situation machen kann. Das Erleben der Not, aber auch der großen Dankbarkeit für unsere Arbeit und Hilfe sind für mich die größte Motivation.

Der Malteserorden und seine jungen Mitglieder

Zenit: Auf der Homepage liest man, dass „in den Orden nur Personen von untadeliger moralischer und christlicher Haltung, die sich Verdienste um den Orden, seine Einrichtungen und Werke erworben haben“, aufgenommen werden. Welche Eigenschaften sollte ein junger Bewerber mitbringen?

Großhospitalier S.E. Albrecht Freiherr von Boeselager: Die Wortwahl ist natürlich etwas altertümlich und muss in modernem Sinn interpretiert werden. „Untadelig“ bedeutet, dass sich der junge Mensch den christlichen Grundwerten verpflichtet fühlt und versucht, „untadelig“ nach ihnen zu leben. Der Begriff des „Verdienstes“ heißt schlichtweg, dass er sein ernsthaftes Interesse für die Arbeit des Malteserordens zeigen muß. Der Malteserorden erwartet, dass der Bewerber oder die Bewerberin wirkliches Engagement zeigt.

Durch Wallfahrten mit Kranken und Behinderten nach Lourdes und anderen Wallfahrtsorten oder Ferien und Freizeitmaßnamen mit jungen Behinderten werden Jugendliche häufig zum ersten Mal mit der Realität und Not von behinderten und kranken Menschen in Berührung gebracht. Häufig sind das einschneidende und wegweisende Erfahrungen. Sie lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und eine Realität wahrzunehmen, die in ihrer sonstigen Lebensumgebung häufig keinen Platz hat. Außerdem wird ihnen häufig die Erfahrung geschenkt, ihre eigene Zuwendungs- und Liebesfähigkeit zu entdecken.

Projekte des Malteserordens 2013

Zenit: Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Großhospitalier S.E. Albrecht Freiherr von Boeselager: Grundsätzlich liegt mir das Gelingen aller Projekte am Herzen, und ich habe keine Präferenz für das eine oder andere Engagement des Malteserordens. Zur Zeit beschäftigt uns besonders die Syrienkrise und wie wir den Menschen dort helfen können. Ein weiteres wichtiges Projekt gilt dem Schutz und der Hilfe für misshandelte und vergewaltigte Frauen im Ost-Kongo, wo jeden Tag unzählige Frauen Opfer maßloser Gewalt werden und Misshandlungen, Vergewaltigungen und Verstümmelungen erleiden müssen.

Äußerst besorgniserregend ist aber auch die Zunahme der Armut in Europa. Das Profil des Armen in Europa hat sich grundlegend geändert. Mittlerweile sind Menschen betroffen, die nach außen eine normale bürgerliche Existenz führen. Deshalb hat der Malteserorden viele unterschiedliche Projekte ins Leben gerufen, um diesen Menschen zu helfen. Traurig und bestürzend ist, dass viele Menschen die Armut ihrer Mitmenschen nicht sehen wollen und stattdessen lieber ihre Augen verschließen. Mit unserer Arbeit wollen wir der Ignoranz entgegentreten, die Menschen sensibilisieren und den Bedürftigen wirklich helfen.

Zenit: Haben Sie eine Botschaft an unsere Leser?

Großhospitalier S.E. Albrecht Freiherr von Boeselager: Beim Weltjugendtag 2005 in Köln war für behinderte Teilnehmer bei der Abschlussmesse mit dem Hl. Vater Papst Benedikt XVI. ein besonderes Feld in der Nähe des Altarhügels vorgesehen. Dieses Feld wurde in der Nacht von anderen Teilnehmern besetzt. Die behinderten Jugendlichen konnten nicht zu der Messe kommen. Den verantwortlichen Organisatoren kann kein Vorwurf gemacht werden. Mich aber hat dieses Erlebnis aufgerüttelt. Für uns ist das ein Anruf, uns überall   auch innerhalb der Kirche   noch mehr für Benachteiligte einzusetzen und notfalls das Dach abzudecken und die Decke einzuschlagen, wie es die Krankenträger im Hause des Petrus getan haben.