Türen der Kirche stehen offen: Kardinal Castrillón zur Rückkehr der Anhänger von Bischof Lefebvre

Kürzlich erschienenes Motu proprio „geht in die vom Konzil angezeigte Richtung“

| 1299 klicks

ROM, 11. Juli 2007 (ZENIT.org).- „Mit diesem Motu proprio werden die Türen für eine Rückkehr der Priesterbruderschaft St. Pius X. zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche geöffnet“, erklärte Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“.



Mit Blick auf das in Form eines „Motu proprio“ („aus eigenem Antrieb“) veröffentlichte Apostolische Schreiben Summorum pontificum von Papst Benedikt XVI. zur Freigabe des Gebrauchs des Messbuchs von 1962 bemerkte der aus Kolumbien stammende Kardinal am Samstag: „Wenn nach diesem Akt keine Rückkehr stattfindet, dann kann ich das wirklich nicht mehr verstehen.“

Der Kurienkardinal präzisierte im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“, dass „das päpstliche Dokument nicht für die Nachfolger von Bischof Lefebvre gemacht wurde, sondern deshalb, weil der Papst davon überzeugt ist, wie wichtig es ist hervorzuheben, dass es in der Tradition der Kirche eine Kontinuität gibt und dass die Kirche nicht durch Brüche mit der Vergangenheit voranschreitet“.

Die 1988 von Papst Johannes Paul II. eingerichtete Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ bemüht sich um die Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft mit jenen Priestern, Seminaristen und Ordensgemeinschaften, die der von Bischof Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft nahe stehen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X., eine Vereinigung von Priestern mit Gemeinschaftsleben ohne Gelübde, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) in der Diözese Fribourg (Schweiz) gegründet. Der Bruch mit Rom erfolgte im Jahr 1988, als Erzbischof Lefebvre gegen den Willen des Heiligen Stuhls vier Bischöfe weihte, unter ihnen Msgr Felly. Papst Johannes Paul II. erließ daraufhin das kurze Apostolische Schreiben Ecclesia Dei, in dem er klarstellte, dass der gezeigte „Ungehorsam, der eine wirkliche Ablehnung des Römischen Primats in sich schließt, einen schismatischen Akt“ darstelle. „Da sie diesen Akt trotz des offiziellen Monitums vollzogen, das ihnen durch den Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe am vergangenen 17. Juni übermittelt wurde, sind Msgr Lefebvre und die Priester Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta der schweren Strafe der Exkommunikation verfallen, wie die kirchliche Disziplin vorsieht.“

Im Interview mit der italienischen Tageszeitung wies Kardinal Castrillón darauf hin, dass die Tridentinische Messe „niemals abgeschafft oder verboten“ worden sei. Der Heilige Vater gehe mit dem soeben erschienen Dokument „nicht in eine andere Richtung als jene, die vom Konzil angezeigt wurde“. Der Kardinal sieht in dem Schreiben weder eine „Verspottung“ noch eine „Demütigung“, sondern vielmehr eine großzügiges Eingehen auf die Bedürfnisse gläubiger Menschen.

Die Bemühungen um Einheit mit traditionalistischen Gruppierungen, die sich von der Kirche abgespalten haben, trugen im Januar 2002 erste Früchte. Damals hatten die Priester der traditionalistischen „Vereinigung vom heiligen Johannes Maria Vianney“ aus Campos (Brasilien) unter der Leitung von Bischof Licínio Rangel in den Schoß der Kirche zurückgefunden. Rangel hatte von einem der vier von Bischof Lefebvre geweihten Bischöfen die Bischofsweihe erhalten.

Nach einem Schreiben von Papst Johannes Paul II. wurde die Vereinigung „als Apostolische Personaladministratur errichtet, die dem Apostolischen Stuhl direkt unterstellt“ ist.

Ferner wurde im September 2006 das in Bordeaux ansässige Institut des Guten Hirten als Gesellschaft apostolischen Lebens kirchlichen Rechts anerkannt. Dieses Institut wurde von fünf Priestern und Seminaristen gegründet, die vor ihrer Rückkehr zur vollen Einheit mit der Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. angehört hatten und die Liturgie nach dem römischen Messbuch von 1962 feiern wollten.