Über 1.500 Abonnenten: Beliebte „virtuelle Exerzitien“ eines behinderten Schönstattpaters

Pater Nicolás Schwizer hatte im Jahr 2000 einen schweren Autounfall

| 1344 klicks

ROM, 21. November 2007 (ZENIT.org).- Der Schönstattpater Nicolás Schwizer, gebürtiger Schweizer, hat viele Jahre in Paraguay mit der Familienbewegung und der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter gearbeitet. Nun erreicht sein geistiges Erbe dank des Internets hunderte Menschen, die tiefer mit Gott verbunden sein wollen.



Ein schwerer Verkehrsunfall im Jahr 2000 hat beim Geistlichen bleibende Hirnschäden zurückgelassen. Seitdem wirkt er, indem er seine Aufzeichnungen und Predigten im Internet verbreitet und seine Beschwerden für die Früchte dieses Apostolats aufopfert.

Javier Cabral aus dem Schönstatt-Familienbund in Paraguay hat verschiedene Texte aus den Vorträgen und Tagungen des Priesters aufbereitet. Seit Anfang des Jahres bietet er sie unter dem Titel: „Pater Nicolás predigt über Internet“ als vierzehntägige „virtuelle Exerzitien“ an. Rund 1.500 Personen beziehen mittlerweile diese Texte, die auch in deutscher Sprache kostenlos abonniert werden (pn.reflexiones@gmail.com).

Die Zahl der Abonnenten nehme tagtäglich zu, erklärte Javier Cabral gegenüber ZENIT. Aufgrund der großen Nachfrage legte er auch ein Online-Archiv, das allerdings zumeist Texte in spanischer Sprache enthält.

Überrascht zeigte sich Javier Cabral über das steigende Interesse an der Person des Schönstattpaters.

Pater Nicolás Schwizer hatte zunächst eine Lehre für die Arbeit in der Stadtverwaltung absolviert. Mit 20 Jahren entdeckte er seine Berufung zum Priestertum und holte sein Abitur nach. Im Schweizer Ebikon besuchte er die Schule der Pallotiner, wo er mit der Schönstattbewegung in Berührung kam. Im 1959 schloss er im Geist der Schönstattbewegung sein erstes „Liebesbündnis“ und weihte sich der Gottesmutter; das zweite machte er 1961.

Nachdem er 1963 in das Noviziat der Palottiner eingetreten war, wurde er mit der Schönstattpädagogik immer vertrauter. Während seines Theologiestudiums in Freiburg erfuhr er über andere Schönstätter aus Chile mehr über den deutschstämmigen Gründer der Bewegung, P. Joseph Kentenich, der damals in der ihm auferlegten Verbannung in den USA in Milwaukee lebte.

P. Nicolás wusste um die Turbulenzen dieser Jahre, und seine Entscheidung für Schönstatt geschah in Treue zum Charisma des Gründers. Als im Jahre 1965 die Gründung der Schönstatt-Patres kirchenrechtlich approbiert wurde, nutzte er mit vielen anderen Palottinern die neue Möglichkeit des Anschlusses an Schönstatt, die 1968 mit der Ablegung seiner Ordensgelübde vor dem Ordensgründer im Schönstatt-Kolleg in Münster ihren Höhepunkt fand.

Seine Betrachtungen kreisen um das Thema der Beziehung zwischen Gott und Mensch. „Warum ist der heutige Mensch so wenig von Gott ergriffen, so wenig durchdrungen von seinem Geist?“, heißt es etwa in einem der Online-Texte, der im Oktober veröffentlicht wurde.

„Pater Kentenich erklärt es so: Weil alles im Kopf bleibt und nicht bis zum Herzen dringt. Das Herz bleibt verschlossen und hart. Und: Was ist dann der Sinn unseres Liebesbündnisses? Der Sinn ist, dass ich der Gottesmutter mein Herz schenke: Herzensaustausch. Und was macht sie mit meinem Herzen? Sie führt es zu Christus, sie führt es zum Vater. Der letzte Sinn des Bündnisses ist, Christus, Gott, mein Herz zu schenken.“

Der Priester bekräftigt: „Wenn wir Christus gehören wollen, für immer, dann müssen wir unser Liebesbündnis ernst nehmen im Alltag. Was auch bedeutet, unsere Liebesansprüche gegenüber der Gottesmutter auszunutzen: Sie bitten, dass sie in meinem Herz im höchstmöglichen Maß entzünde die Liebe zu Christus, zu Gott. Die Gottesmutter ist verpflichtet, das zu tun. Denn das ist der Sinn des Liebesbündnisses.“

Dann zieht er einen anderen Aspekt in Betracht: „Gott möchte, dass durch das Liebesbündnis der heutige Mensch wieder heil werde. Denn der moderne Mensch ist krank. Pater Kentenich weist darauf hin, dass im heutigen Menschen eine gravierende Unfähigkeit zu religiösem Erleben liege; dass das Gefühlsleben gegenüber Gott blockiert ist. Die tiefste Wunde seines Gefühlslebens ist die Unfähigkeit, Liebe zu schenken und Liebe zu empfangen (…). Eines der großen Ziele für den Menschen von Morgen wird darum sein, das Gefühl oder das Herz für Gott zu gewinnen.“

Die Glaubenswahrheiten müssen nach Worten von Pater Nicolás Schwizer zu Glaubenserlebnissen werden. „Wir müssen die Glaubenswahrheiten spüren, fühlen, sinnenhaft berühren. Wir müssen den in einem Menschen oder einer Gemeinschaft lebendig gewordenen Glauben anfassen, anrühren. Von diesen Erlebnissen aus, die unser Herz ergriffen haben, wachsen die affektiven Bindungen, die uns an Gott und die übernatürliche Welt fesseln.“