Über die Bedeutung des Karfreitags in unserer Gesellschaft

Leiden, Tod und Trauer und österliche Hoffnung

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 367 klicks

Das Bistum Erfurt veröffentlichte am 9. April 201 ein Interview mit Prof. Benedikt Kranemann, der die Professur für Liturgiewissenschaften an der Universität Erfurt innehat, zum Thema „Karfreitag“. Das Gespräch setzte sich mit der Frage auseinander, wie der Karfreitag zu begehen sei. Für die einen ist Karfreitag ein religiös motivierter Festtag, für die anderen einfach ein arbeitsfreier Tag.

„Er ist der Tag der ‚Trauer‘ und ‚Klage‘, wie das althochdeutsche Wort ‚kara‘ übersetzt heißt“, so Prof. Kranemann. Der Karfreitag zählt zu den sogenannten „stillen Tagen“, an denen gesetzlich Unterhaltungsprogramme und Gaststättenbetrieb untersagt sind. Die anderen beiden Festtage dieser Art sind der Totensonntag und der Volkstrauertag.

Teilweise wird die Forderung laut, den Karfreitag als Festtag abzuschaffen. „Wer den Karfreitag als stillen Feiertag abschaffen will, muss sich bewusst sein, dass er einen deutlichen Eingriff in unsere Festkultur vornimmt. Dieser wäre mit Verlusten verbunden. Eine über Jahrhunderte gewachsene Festkultur ist leicht zu beschädigen, aber nur schwer zu reparieren“, erklärt Prof. Kranemann.

Der Karfreitag ist ein wichtiger Festtag. „Die ‚Themen‘ des Karfreitags, die letztlich jeden Menschen angehen, sind Leiden, Tod und Trauer. Im Vergleich zu früheren Zeiten tun wir Menschen uns heute schwerer, damit umzugehen, und das erklärt vielleicht auch manche Ablehnung des Karfreitags. Der Karfreitag ist für Christen und Nichtchristen eine Zeit, um sich mit existenziellen Fragen konfrontieren zu lassen. Wenn man auf die lange Tradition dieses Tages schaut, könnte man auch von einem Denk-Mal sprechen. Der Karfreitag lädt Jahr für Jahr für einen Moment zum Nachdenken ein. Er bietet eine Unterbrechung des Alltags und auch der Festkultur für die ganze Gesellschaft, gleich ob jemand einer Kirche angehört oder nicht. … In einer pluralistischen Gesellschaft wie der unseren sollte es aber für die Kirchen selbstverständlich sein, den Karfreitag nicht nur festlich und für sich zu begehen, sondern auch nach außen hin zu kommunizieren, was für Christen das Zentrale dieses Tages ist. Und da schwingt am Karfreitag bei aller Klage und Trauer wegen des schrecklichen Leidens Jesu die österliche Hoffnung mit: Wir werden sterben, gewiss, aber wie Jesus Christus auch auferstehen. Das ist die Perspektive, die Christen wichtig ist: Über den Tod siegt das Leben.“