Über die Berufung der Laien

Die Fruchtbarkeit des Apostolats hängt von der lebendigen Vereinigung mit Christus ab

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ROM, 14. November 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag vor dem Gebet des \"Engel des Herrn\" hielt. Die rund 80.000 Gläubigen, die auf den Petersplatz gekommen waren, erinnerte der Heilige Vater daran, ´dass \"alle Getauften zur Vollkommenheit des christlichen Lebens berufen sind: Priester, Ordensleute und Laien, jeder entsprechend seinem eigenen Charisma und seiner eigenen besonderen Berufung.\"



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Liebe Schwestern und Brüder!

Heute morgen wurden im Petersdom der Priester Charles de Foucauld, die Gründerin der Schwestern vom Heiligen Antlitz, Maria Pia Mastena, und Maria Crocifissa Curcio vom Karmel der Missionsschwestern der heiligen Theresa vom Kinde Jesu selig gesprochen. Sie sind jener großen Schar von Seligen hinzugefügt worden, die während des Pontifikats von Johannes Paul II. den verschiedenen kirchlichen Gemeinden, in denen sie gelebt haben, zur Verehrung vorgeschlagen wurden – im Bewusstsein dessen, was vom Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgehoben wurde, dass nämlich alle Getauften zur Vollkommenheit des christlichen Lebens berufen sind: Priester, Ordensleute und Laien, jeder entsprechend seinem eigenen Charisma und seiner eigenen besonderen Berufung.

Das Konzil hat den gläubigen Laien große Aufmerksamkeit geschenkt und ihnen in der Konstitution über die Kirche, \"Lumen Gentium\", ein ganzes Kapitel gewidmet, das vierte. Dort werden Berufung und Sendung des Laien erklärt: Sie gründen in der Taufe und Firmung und zielen darauf ab, \"in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen\" (31).

Am 18. November 1965 approbierten die Konzilsväter ein besonderes Dekret über das Laienapostolat, \"Apostolicam Actuositatem\". Darin wird vor allem betont, \"dass die Fruchtbarkeit des Apostolates der Laien von ihrer lebendigen Vereinigung mit Christus abhängt\" (4), das heißt von einer soliden Spiritualität, die durch die aktive Teilnahme an der Liturgie genährt wird und in einem Lebensstil zum Ausdruck kommt, der den Seligpreisungen im Evangelium entspricht.

Für die Laien sind darüber hinaus die berufliche Kompetenz, der Sinn für die Familie, das Gespür für die bürgerlichen Pflichten und die sozialen Tugenden von großer Bedeutung. Es ist wahr, dass jeder Einzelne dazu berufen ist, Zeugnis abzulegen. Das ist insbesondere dort überaus wertvoll, wo die Freiheit der Kirche auf Widerstände stößt. Aber das Konzil betont vor allem auch, wie wichtig das organisierte Apostolat ist. Es ist nötig, um auf die öffentliche Meinung, die sozialen Bedingungen und Institutionen einwirken zu können (vgl. 18). Deshalb haben die Konzilsväter die Laien dazu ermutigt, sich in Vereinigungen zusammenzuschließen, um apostolische Ziele zu verfolgen. Unser geliebter Papst Johannes Paul II. hat diesem Thema der Berufung und Sendung der Laien 1987 eine Bischofssynode gewidmet. Nach ihrem Ende wurde das Apostolische Schreiben \"Christifideles Laici\" \" veröffentlicht.

Zum Abschluss möchte ich daran erinnern, dass am vergangenen Sonntag in der Kathedrale von Vicenza Eurosia Fabris eine Familienmutter selig gesprochen wurde. Sie war als \"Mama Rosa\" bekannt und ist Vorbild für ein christliches Leben im Laienstand. Vertrauen wir das ganze Volk Gottes denjenigen an, die schon im himmlischen Vaterland sind: all unseren Heiligen und zuallererst der allerseligsten Jungfrau Maria und ihrem Gemahl, dem heiligen Josef, damit in jedem Getauften das Bewusstsein wachsen möge, dass er dazu berufen ist, engagiert im Weinstock des Herrn zu arbeiten und Frucht zu bringen.

[Nach dem Angelusgebet begrüßte der Heilige Vater die Pilgergruppen. Auf Französisch sagte er:]

Ich begrüße euch, liebe französischsprachige Pilger. Charles de Foucauld, der soeben selig gesprochen worden ist, lädt uns ein, ihm geistig auf dem Weg von Nazareth und in jener Stille zu folgen, in der er in der Wüste gelebt hat. Dort nämlich können wir zusammen mit der Jungfrau Maria das Geheimnis Christi entdecken, der demütig und arm wurde, um uns zu erlösen und uns zu Kindern ein und desselben Vaters zu machen und untereinander zu Geschwistern. Wie Bruder Charles, so wollen auch wir aus dem Geheimnis der Eucharistie und der Kontemplation die Kraft für unser Leben und für jenes Zeugnis schöpfen, mit dem wir uns an der Evangelisierung beteiligen.

[ZENIT-Übersetzung des mehrsprachigen Originals. Auf Deutsch sagte Benedikt XVI.:]

Von Herzen heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Besonders begrüße ich hier eine Gruppe der Kantonspolizei Wallis. Heute stellt uns die Kirche drei neue Selige vor: Charles de Foucauld, Maria Pia Mastena und Maria Crocifissa Curcio. Dem Ruf Jesu folgend haben sie alles verlassen und sich Gottes Führung ganz anvertraut. Auch ihr Beispiel möge uns helfen, Gott stets den ersten Platz in unserem Leben zu geben. Der Herr geleite euch auf allen Wegen!