Über die Erhebung von Hostie und Kelch

Nicht hastig, sondern mit Würde und Stil

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 504 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen. 

Frage: Unser Priester hält während der Wandlung die Hostie und den Kelch jeweils für fast zwei Minuten erhoben. Wie lange sollten die Erhebungen dauern? Danach erhebt er noch zwei weitere Male die Gestalten des Allerheiligsten Sakraments. Jedes Mal erhebt er die Arme in voller Länge und bringt dabei die Hostie und den Kelch so weit nach oben, wie er nur kann. -- H.B., Bethlehem, Pennsylvania 

P. Edward McNamara: Obwohl zwei Minuten für die Erhebung der Hostie und des Kelchs zugegebenermaßen einen recht langen Zeitraum darstellen, sollte unser Leser in erster Linie dafür dankbar sein, dass er einen frommen Priester hat. Ich wage zu zweifeln, dass es wirklich so lange dauert, und vermute, dass es unserem Leser nur dem Gefühl nach so lange vorkommt. 

Die Rubriken sehen von der Wandlung ab drei Momente vor, in denen die Gestalten gezeigt werden – obwohl viele Liturgen sagen würden, dass lediglich einer dieser Momente in korrekter Weise als Erhebung bezeichnet werden kann. 

Das erste Vorzeigen geschieht unmittelbar nach der Konsekration jeder Gestalt. In der Rubrik heißt es hierzu: „Er zeigt der Gemeinde die konsekrierte Hostie; dann legt er sie in die Hostienschale und macht eine Kniebeuge.“ In ähnlicher Weise heißt es in Bezug auf den Kelch: „Er zeigt der Gemeinde den Kelch; dann stellt er ihn auf das Korporale und macht eine Kniebeuge.“ 

Kein Hinweis wird darüber gegeben, wie lange das Vorzeigen oder die Kniebeuge dauern sollten. Hier muss man sich von den allgemeinen Prinzipien des Römischen Messritus, der übertriebene oder dramatische Gesten meidet, leiten lassen. Da das Vorzeigen dazu dient, dass das Volk die Hostie und den Kelch sehen kann und da die Kniebeuge ein Akt der Anbetung ist, sollten diese Gesten nicht hastig, sondern mit einer gewissen Würde und einem gewissen Stil vollzogen werden, der ihre liturgische Funktion unterstreicht. 

Es ist wahrscheinlich am besten, wenn das Vorzeigen so geschieht, dass die Gestalten etwas höher als der Kopf des Priesters erhoben werden, damit auch er etwas zur Hostie aufschauen kann. 

Eine Erhebung von Hostie und Kelch bis zum höchsten Punkt behält man am besten für jene Gelegenheiten vor, wenn die hl. Messe „ad orientem“ bzw. zum Altar hin gefeiert wird. Wenn man es dem Volk gegenüberstehend tut, kann dies unbeholfen wirken und eher Anlass zur Zerstreuung als zur Erbauung geben. 

Die Erhebungen dienen dazu, dass Hostie und Kelch betrachtet werden können. Sie sollten aber nicht unangemessen lange andauern, weil vom liturgischen Standpunkt aus gesehen dieser erste Moment der Erhebung nicht der wichtigste ist. 

In der Tat befindet sich der vom liturgischen Standpunkt aus wichtigste Moment am Ende des Hochgebets, nämlich bei der zweiten Erhebung während der Schlussdoxologie. Diesen Ritus vollzieht entweder der Priester selbst oder dieser zusammen mit einem Diakon oder Konzelebranten. Die Rubriken erläutern, dass der Priester den Kelch und die Hostienschale nimmt, beide erhebt und spricht: „Durch ihn und mit ihm und in ihm…“. Sofern ein Diakon mitwirkt, erhebt dieser den Kelch, sofern Priester konzelebrieren, einer von diesen. 

Bei dieser Erhebung sollte folgendes beachtet werden: 

-- Man erhebt lediglich die Hostienschale; die Hostie selbst wird zu diesem Zeitpunkt dem Volk nicht gezeigt. 

-- Lediglich ein Kelch und eine Hostienschale werden erhoben. Sollte es außer den zur Wandlung unmittelbar benutzten heiligen Gefäßen noch weitere Gefäße geben, werden letztere stets auf dem Altar belassen. 

-- Sowohl der Kelch als auch die Hostienschale werden so lange erhoben, bis das Volk den Ruf „Amen“, der das Hochgebet abschließt, ganz und vollständig beendet hat, selbst dann, wenn dieses „Amen“ gesungen oder wiederholt wird. 

Die Art dieser Gebärde, die normalerweise vom Gesang des Priesters, der die Doxologie vorträgt, begleitet wird, bringt es im Allgemeinen mit sich, dass die heiligen Gefäße in etwas geringerem Maße erhoben werden, als es bei der Wandlung der Fall ist. Als Faustregel kann man somit davon ausgehen, dass die Augenhöhe oder etwas darüber angemessen ist. 

Das dritte und letzte Vorzeigen geschieht unmittelbar bevor der Priester die Kommunion empfängt. In der Rubrik heißt es nach dem „Agnus Dei“, bei dem der Zelebrant sich in Stille auf die Kommunion vorbereitet und ein Stück der Hostie in den Kelch senkt: „Der Priester macht eine Kniebeuge, nimmt ein Stück der Hostie, hält es über die Schale und spricht zur Gemeinde gewandt, laut: Seht das Lamm Gottes…“ 

Der Priester entscheidet darüber, ob er die gebrochene Hostie über der Hostienschale oder über dem Kelch vorzeigen will. Aus ästhetischen Gründen wäre wohl Letzteres vorzuziehen. 

Der Priester sollte die Hostie so lange hochhalten, bis er und das Volk den Satz „Herr ich bin nicht würdig…“ ganz vollendet haben. 

Auch in diesem Fall ist es besser, die Erhebung nicht bis zum äußersten Punkt zu vollziehen, sondern in ähnlicher Weise wie die zweite Erhebung. 

Liturgisch unrichtig verhält man sich, wenn man die Hostie ohne Hostienschale oder ohne Kelch vorzeigt, indem man sie einfach über dem Korporale erhebt. Da zu diesem Zeitpunkt die Brechung schon vollzogen ist, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Fragmente der Hostie herunterfallen, weshalb es also besser ist, dass diese direkt auf die Hostienschale oder in den Kelch fallen. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel vating the Host and Chalice