Überforderte Eltern - Hilfreiche Tipps für das Familienleben

Von Ingo Langner

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WÜRZBURG, 14. November 2007 (ZENIT.org).- „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.“ So steht es im Buch Exodus. Für die jüdisch-christliche Weltordnung ist dieses vierte Gebot eine eherne Leitlinie gewesen, seit der Herr sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägypten befreit hat. Doch seit in unserem Teil der Welt Thora und Bibel durch einen von Menschenhand gemachten „Gesellschaftsvertrag“ ersetzt worden sind, in dem der Mensch sich selbst an Gottes Stelle glaubt setzen zu können, steht nicht nur das vierte Gebot zur Disposition. Auch viele andere der zehn sind einer gottlosen Aufklärung zum Opfer gefallen. Gott selbst ist für die europäische Verfassung tabu. In der Europäischen Union werden andere Götter angebetet und der Name des Herrn wird täglich missbraucht.



Doch wie immer, wenn die Finsternis zunimmt, leuchten manche Lichter besonders hell. Eines davon kommt von der Berliner Journalistin Christine Eichel. Christine Eichel ist heute 48 Jahre alt. Doch ihr einziges Kind, das sie inzwischen ohne den Vater großzieht, ist erst zehn. Und genau hier liegt ihr Problem. Denn weil sie lange kinderlos an ihrer Karriere als Fernsehjournalistin und Autorin gearbeitet hat, ist ihr Sohn noch klein, als ihr alter Vater an Alzheimer erkrankt. Über Nacht gerät ihr bisher ausschließlich selbst bestimmtes Leben aus den Fugen.

Ein Buch, das den ganzen Menschen fordert

Denn mit der einen Hand muss sie ihrem Kind weiterhin einen festen Halt durchs Leben geben und mit der anderen ihrem todkranken Vater Stab und Stecken sein. Weil Christine Eichel jedoch ihre Kindheit und Jugend im evangelischen dörflichen Pfarrhaushalt nicht vergessen hat, besinnt sie sich auf das Vierte Gebot und müht sich redlich und nach Kräften ab, Vater und Sohn gerecht zu werden. Und weil sie ein schreibender Mensch ist, hat sie aus ihrer Not ein Buch gemacht. Es heißt „Die Liebespflicht“ und will „Wege aus der Überforderung“ all denen aufzeigen, die „zwischen alten Eltern und kleinen Kindern“ stehen.

Ihr Buch ist offen und ehrlich ihr selbst und den eigenen Schwächen gegenüber. Es ist gespickt mit detaillierten Fallbeispielen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Autorin, die wie sie nicht wissen, was für den Kranken und was für das eigene Leben, das ja weitergehen muss, das Beste ist. Ihr Buch bietet im Anhang eine lange Liste mit nützlichen Adressen zum Thema.

Christine Eichel hat kein neutrales Sachbuch geschrieben, sondern ein Buch, das an die Nieren, das aber auch zu Herzen geht. Sie schreibt als Christin in eine Gesellschaft hinein, für die nicht nur das vierte Gebot, sondern auch die meisten anderen zu einer untergegangenen Welt gehören. Doch gerade das macht es so wertvoll.

[Christine Eichel: Die Liebespflicht. Zwischen alten Eltern und kleinen Kindern. Wege aus der Überforderung. Pendo Verlag, München 2007, 229 Seiten, ISBN-13 978-3866121102, EUR 18,–; © Die Tagespost vom 10. November 2007]