Üble Nachrede ist kriminell, weil sie Gott und den Nächsten umbringt

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 429 klicks

Wer schlecht über seine Mitmenschen rede, sei scheinheilig und habe nicht den Mut, die eigenen Fehler zu sehen. Papst Franziskus unterstrich in der heutigen Predigt während der Messe in Santa Marta, dass üble Nachrede eine kriminelle Dimension habe, denn jedes Mal, wenn schlecht über einen Mitmenschen geredet werde, werde die tötende Geste Kains imitiert. Der Pontifex ging bei seinen Überlegungen von den Worten Jesu aus, in denen er vom Gegenteil dessen spricht, für das er steht, dem gehässigen Verhalten gegenüber dem Nächsten, dem zum Richter-des-BrudersWerden. Jesus benutze in diesem Zusammenhang ein entscheidendes Wort: Scheinheiligkeit.

„Diejenigen die den Nächsten verurteilen, indem sie schlecht über ihn reden, sind scheinheilig, weil sie keine Kraft haben, nicht den Mut haben, die eigenen Fehler zu sehen. Darüber verliert der Herr nicht viele Worte. An einer Stelle sagt er Wer in seinem Herzen Hass gegen den Bruder hegt, ist ein Mörder… Auch der Apostel Johannes sagt dies klar in seinem ersten Brief: Derjenige, der den Bruder hasst, wandelt in Dunkelheit; wer den Bruder verurteilt, wandelt in Dunkelheit.“

Jedes Mal, wenn wir unsere Mitmenschen in unserem Herzen verurteilten, fuhr er fort, und schlimmer noch, wenn wir darüber mit den anderen sprächen, seien wir ein Christ, der tötet.

„Ein Christ, der tötet, so sagt der Herr. Und diesbezüglich gibt es keine Nuance. Wenn du schlecht über den Bruder redest, tötest du den Bruder. Und jedesmal, wenn wir dies tun, imitieren wir Kain, den ersten Mörder der Geschichte.“

Papst Franziskus fügte hinzu, in diesen Zeiten, in denen viel über Krieg gesprochen und um Frieden gebeten werde, sei eine Geste der Bekehrung von Seiten der Menschen nötig. Die üble Nachrede habe immer eine kriminelle Dimension, es gebe keine unschuldige Nachrede. Unsere Sprache diene dazu, Gott zu loben und zu preisen; wenn sie aber gebraucht werde, um schlecht über den Bruder oder die Schwester zu sprechen, töte sie Gott, das Antlitz Gottes im Bruder. Jemand möge behaupten, jemand anderes verdiene die schlechte Nachrede, bemerkte der Pontifex. Aber so etwas gebe es nicht.

„Dann geh hin und bete für ihn! Geh hin, und tu Buße für sie! Und wenn es nötig ist, geh zu dieser Person hin und sprich mit ihr. Aber sag es nicht allen! Paulus war ein Sünder und er sagt über sich selbst: ‚Erst war ich ein Gotteslästerer, ein Verfolger und ein Gewalttäter. Aber mir wurde Barmherzigkeit zuteil.‘ Vielleicht ist niemand von uns ein Gotteslästerer. Aber wenn jemand von uns schlecht von einer anderen Person redet, ist er auf jeden Fall ein Verfolger und ein Gewalttäter. Bitten wir für uns, für die ganze Kirche, die Gnade der Bekehrung von der Kriminalität der üblen Nachrede zu Liebe, zu Bescheidenheit, zu Milde, zu Sanftheit, zu Großmut der Liebe gegenüber dem Nächsten.“