Ufos - was wäre, wenn es sie gäbe?

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 447 klicks

Neulich behauptete ein bekannter Schriftsteller, der über alle möglichen Themen spannende Bücher schreibt, heute etwas über Ufos (Unidentifizierte fliegende Objekte) zu schreiben sei ein sicherer ‘Karrierekiller’.

Das Thema geistert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder durch die Medien, wird aber, wenigstens hierzulande, von den meisten Menschen nicht ernst genommen. Die Verfechter der These, dass außerirdische intelligente Wesen immer wieder unsere Erde inspizieren, meinen dafür handfeste Beweise zu haben. Sie sind der Meinung, dass es sich nicht immer um Wetterballons, Meteoriten oder Nordlichter handelt, sondern dass es regelrechte Raumschiffe aus fernen Welten sind, denen man eine so überlegene Technik anmerkt, dass möglicherweise sogar der Glaubenssatz von Albert Einstein, dass man sich nicht schneller als mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen kann, außer Kraft gesetzt sein könnte. Denn das Weltall ist nun mal so unvorstellbar groß, dass unter der von Einsteins Relativitätstheorie geforderten Bedingung eine Reise von der nächsten Galaxie zu uns viele Jahre, wenn nicht Jahrhunderte dauern müsste.

Angenommen, diese Flugobjekte gäbe es also wirklich, und ferner angenommen, dass die Regierungen der Welt, vor allem der Vereinigten Staaten, all diese ‘Sichtungen’ mit einem Tabu belegt haben (vielleicht gehört die Kenntnis davon zu den Geheimnissen, die Edward Snowdon aus Amerika mitgebracht hat), was dann aber wirklich irritierend wäre, das wäre der Umstand, dass diese Aliens uns gar nichts antun. Sie greifen uns nicht an, sie versuchen nicht, die Erde zu erobern, noch nehmen sie sonstwie Einfluss auf das irdische Geschehen.

Woraus der nüchterne Zeitgenosse erst recht den Schluss zieht, dass es sie offensichtlich gar nicht gibt. Gerade das aber lässt auf eine ziemlich fragwürdige Gesinnung der Erdenmenschen schließen: nämlich dass sie wie selbstverständlich davon ausgehen, dass eine überlegene Zivilisation die Erde mit ihren immerhin sehr beachtlichen Reichtümern mit Gewalt an sich reißen würde.

So würden wir es nämlich tun!

Bleiben wir einen Moment bei dem Gedankenspiel. Vorstellbar wäre es ja, dass Menschen oder menschenähnliche Wesen aus anderen Welten mit uns in Berührung kommen. Wie diese Begegnung ausfiele, hinge ganz davon ab, was für Menschen das wären. Ein ungeheuer reizvolles Thema für Science-Fiction-Autoren, aber möglichst solche, die an Gott und Christus glauben. Denn das wäre ja der entscheidende Punkt, Menschen auf anderen Planeten wären erstens uns im Äußeren ähnlich, denn derselbe Schöpfer, der all diese Welten geschaffen hat, ist ja in unserer Weise ein Mensch geworden und hat so diese Form gewissermaßen verbindlich gemacht.

Zweitens würde sich für uns die Frage stellen: haben sie ähnlich wie Adam und Eva eine Art Prüfung von Gott vorgelegt bekommen? Und haben sie diese, so wie die irdische Menschheit, ebenfalls nicht bestanden, indem auch sie durch Ungehorsam sündigten? Oder aber haben sie Gott gehorcht und haben nicht gesündigt (so hatte es Gott ja für unsere Welt vorgesehen)? Das hätte mit Sicherheit eine Menschheit zur Folge gehabt, die der unseren nicht nur technisch, sondern vor allem geistig und moralisch haushoch überlegen wäre. Alles das, was wir als Folge der Erbsünde kennen, die Neigung zum Stolz, zum Egoismus, zum Hass, zum Neid, zur Habgier usw. – damit hätten sie nichts zu tun. Was wiederum bedeutet, dass sie auf unsere Menschheit mit Verachtung oder Mitleid herabsehen müssten. Vor allem würden sie es abscheulich finden, dass Menschen sich gegenseitig umbringen, dass kleine Kinder im Mutterschoß getötet werden, dass für viele Menschen nur Geld, Vergnügen und Macht eine Rolle spielen.

Wenn solche Menschen, von denen wir nicht genau wissen, ob es sie gibt, die es aber mindestens theoretisch geben könnte, sich mit der Geschichte der irdischen Menschheit befassen, können sie nicht anders als entsetzt sein. Für sie wäre das 20. Jahrhundert z.B. ein gigantisches Trauerspiel aus Hass, Verfolgung und Vernichtung Unschuldiger. Und immer wieder der vermaledeite Krieg. Noch heute gibt es nicht wenige Menschen, darunter Politiker, die an die im  Grunde perverse Maxime des Clausewitz glauben, dass Krieg nichts anderes sei als ‘eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln’.

Was mögen die Außerirdischen – wenn es sie gibt – über den heutigen Zustand der Menschheit denken. Sie sehen die ständigen blutigen Auseinandersetzungen, die gelegentlich durch hehre Begriffe kaschiert werden wie Patriotismus, nationale Interessen oder irgendeine lächerliche Ideologie, und wo es im Grunde nur um Habgier und Mordlust geht. Wenn sie sehen, wie die mordenden und brandschatzenden Banden durch den Irak, durch Nigerien oder den Sudan ziehen, werden sie kaum erkennen können, dass sich die Menschheit seit der Steinzeit großartig verbessert hat.

Sollten die Außerirdischen darüber hinaus wirklich, wie es heißt, über die verborgenen Hintergründe der Machtspiele im Bilde sein, so muss es sie zusätzlich schockieren, dass im Geheimen vieles geschieht, was die Friedensbeteuerungen der Politiker Lügen straft, dass eine gigantische und äußerst einflussreiche Rüstungsindustrie den Krieg will, um ihre Produkte loszuwerden.

Angesichts dieses Panoramas, das uns, wenn wir es mit den Augen von (potentiellen) Außerirdischen sehen, zeigen kann, wie sehr wir uns an das Böse in der Welt gewöhnt haben, sollten wir mehr denn je unsere Blicke auf den einzigen richten, der das Böse wirksam überwunden hat, Jesus Christus. Wirksam allerdings nur, wenn wir Menschen, die wir das Privileg der Freiheit haben, das wollen und am Guten mitwirken.

Unser Planet Erde ist scheinbar kein besonders bedeutender Himmelskörper. Und doch ist er im Hinblick auf den Kampf zwischen Gut und Böse ein einmaliger Ort, denn hier ist Gott Mensch geworden.

Das müssen die Außerirdischen (wenn es sie nicht gibt, muss man sie erfinden) wissen. Wenn sie wirklich geistig hochstehend sind, wissen sie um den Logos, durch den das  ganze Universum geschaffen wurde. Und sie wissen vielleicht auch um jene geheimnisvolle Frau, die auf der Erde schon von den alten Ägyptern als die ‘Weltenjungfrau’ bezeichnet wurde. In einem norddeutschen Wallfahrtsort wird Maria als ‘Königin des Weltalls’ verehrt.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).