Uganda: Drückende Not und keine Hilfe in Sicht

„Wenn die Menschen eine einzige Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können, haben sie Glück“

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KAMPALA/MÜNCHEN, 28. Juni 2007 (ZENIT.org).- „Die Weltöffentlichkeit erfährt nichts von unserer Not. Wir haben keine Möglichkeiten, uns Gehör zu verschaffen“, beklagte der Direktor der Stelle für soziale Dienste und Entwicklungshilfe der Diözese Moroto (Uganda), Pater Thomas Achia, gegenüber „Kirche in Not“. Vor allem in der Karamoja-Region im Nordosten des Landes sei die Not unvorstellbar.



„Wenn die Menschen eine einzige Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können, haben sie Glück“, so der Priester. Viele müssten jedoch verhungern. Am schlimmsten sei aber die Sicherheitslage. Infolge des Bürgerkrieges gebe es noch immer viele Waffen, und auf offener Straße würden am helllichten Tag wahllos Menschen erschossen und Fahrzeuge ausgeraubt. Auch einer seiner Mitarbeiter sei getötet worden, berichtete P. Achia. Die meisten Hilfsorganisationen trauten sich nicht mehr, Mitarbeiter in die Region zu entsenden. Die Regierung bemühe sich zwar um eine Entwaffnung, sie wende dabei aber selbst Gewalt an, töte Menschen und provoziere damit neue Gewalt und eine anwachsende Wut und Verbitterung in der Bevölkerung.

Es sei ein Teufelskreis, fügte der Geistliche hinzu. Die Bevölkerung habe Angst und lebe mittlerweile in ihren Dörfern wie in Lagern: In ihrer Furcht, überfallen zu werden, drängten sich alle auf engem Raum zusammen.

Die Karamoja-Region sei der ärmste und am meisten vernachlässigte Teil Ugandas. Die Regierung tue fast nichts, denn sie sei selbst arm, stecke aber das Geld, über das sie verfüge, vor allem in das Militär. Die hygienischen Verhältnisse vor Ort seien unvorstellbar. In den besten Fällen komme auf 3.000 Menschen eine Latrine. Erschreckend sei ebenfalls die gesundheitliche Situation. Es gebe fast keine medizinische Versorgung und auch keine Transportmittel, um Kranke in Krankenhäuser zu bringen. Viele Menschen stürben an Krankheiten wie Malaria oder Cholera, und viele Frauen kämen aufgrund der unhygienischen Bedingungen bei Geburten ums Leben. Auch die Säuglings- und Kindersterblichkeit sei dramatisch, die Lebenserwartung liege noch unter dem in Uganda ohnehin schon niedrigen Durchschnitt von 39 Jahren.

AIDS sei aufgrund der noch verankerten traditionellen Werte zwar bislang nicht sehr weit verbreitet, erklärte der Priester, allerdings herrsche aufgrund des niedrigen Bildungsniveaus die Überzeugung vor, es handle sich bei dieser Krankheit um das Ergebnis von Hexerei. Da eine Witwe nach dem Tod des Ehemannes noch immer oft an dessen Bruder vererbt werde, den sie dann heiraten müsse, werde AIDS in vielen Fällen auf die ganze Familie übertragen.

Die Analphabetenrate sei höher als in den anderen Teilen des Landes. Nur zwölf Prozent der Bevölkerung könne lesen und schreiben. Der Mangel an Bildung nehme den Menschen nicht nur ihre Zukunftschancen, sondern mache auch eine Erziehung im Sinne von Frieden und Gerechtigkeit schwierig. „Viele kennen nur das Gesetz des Kämpfens und Tötens; sie wissen nichts über Menschenrechte“, berichtete Achia.

Die Kirche unterhalte Schulen und führe Bildungsprogramme durch, um die Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen und mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Zudem sei sie darum bemüht, ein neues Bewusstsein in der Bevölkerung zu wecken: „Wir setzen uns mit den Leuten in Gruppen zusammen und denken darüber nach, was das Leid bedeutet und was wir tun können, um besser zu leben. Da nur die wenigsten lesen und schreiben können, müssen wir es auf anderen Wegen versuchen.“

Wichtig sei vor allem die Ausbildung von Katecheten, die in direktem Kontakt mit den Familien in den Dörfern stehen und auf diese Weise fruchtbare Evangelisierungsarbeit leisten können. Allerdings sei die Bezahlung der Katecheten ein großes Problem für die Pfarreien. Die 16 Priester der Diözese und die Ordensschwestern seien ebenso von der Armut betroffen. Dabei sei ihre seelische Belastung hoch. „Die Priester, Schwestern und Katecheten sind diejenigen, die an der vordersten Front des Elends stehen. Zu ihnen dringt jeder Schrei, jedes Weinen der Menschen. Von ihnen erfahren die Leute Trost, Hilfe und Mitgefühl. Aber sie selbst haben durch das Leid, mit dem sie konfrontiert sind, eine schwere Last zu tragen.“

Pater Thomas Achia appelliert an die Weltöffentlichkeit, die Menschen in der Karamoja-Region nicht zu vergessen: „Wir benötigen dringend Hilfe, aber kaum jemand hört unseren Hilfeschrei, weil wir keine Mittel haben, auf uns aufmerksam zu machen. Wir können es uns nicht leisten, Medienarbeit zu betreiben. Einmal wurde uns angeboten, auf einem privaten Radiosender zu sprechen. Die Sendestunde hätte 350 Euro gekostet – für uns eine astronomische Summe. Wir sind glücklich, dass wir nun die Möglichkeit haben, etwas von unserer Not mitzuteilen.“